Tevje, der Milchmann, lässt in Frankfurt die Kannen scheppern

„Anatevka“ am Main: Musical-Evergreen am 1. Mai in der Alten Oper

Von besagter Milch mögen die Bewohner des ukrainischen Kaffs Anatevka seinerzeit, Anfang dieses Jahrhunderts, jedenfalls noch genug gehabt haben, Dank Tevje. Und der darf jetzt wieder mit seinen Kannen klappern und mit unverbesserlichem Optimismus von Wohlstand träumen: ”Wenn ich einmal reich wär . . .” – ein nicht unterzukriegende Evergreen und Mega-Hit, der sich in Millionen von Gehörgängen festgesetzt hat.

Der ”Fiddler of the Roof”, so der amerikanische Originaltitel dieses legendären, seit seiner Broadway-Premiere 1964 weltweit zigtausendmal aufgeführten Werks aus der Feder von Jerry Bock (Musik) und Sheldon Harnick Lyrics), geigt leider nur einen Abend lang auf dem Dach der Alten Oper in Frankfurt – am 1. Mai ab 20 Uhr. In dem einmaligen Gastspiel am Main , einer Gemeinschaftsproduktion des Augsburger Parktheaters und des Euro-Studios Landgraf, spielt und singt kein Geringerer als Gunther Emmerlich, Star der Dresdener Semper-Oper und TV-Liebling, die Paraderolle des schlitzohrigen Milchmannes Tevje. Die belgische Sängerin und Diseuse Angèle Durand ist in der Rolle seiner resoluten und geschäftstüchtigen besseren Hälfte Golde zu erleben.

Das Musical ”Anatevka”, das eine ungebrochen starke inhaltliche und musikalische Ausstrahlung besitzt, basiert auf einer 1894 erschienen Geschichte des jüdischen Autors Scholem Alejchem und zählt zu den bekanntesten des Genres. Es berichtet von den Juden des gleichnamigen Dorfes, die, obwohl unter zaristischer Herrschaft stehend, unbeirrt an ihren jahrhundertealten Traditionen festhalten, aber dabei auch den Anschluss an die neuen Entwicklungen verpassen. Die Tevjes, mit fünf Töchtern gesegnte/gestraft, wollen selbige natürlich gut und reich verheiraten, doch die jungen Damen haben eigene Vorstellungen vom Lebensglück. Es ist eine bittersüße Geschichte, lebensfroh und melancholisch inszeniert, temperamentvoll choreografiert und von einem 15-köpfigen Orchester unter der Leitung von Zbigniew Malkowicz packend intoniert.

Die Story endet zwar traurig, aber nicht ohne Hoffnung: Die Juden werden aus ihrem Dorf vertrieben behalten aber trotz Armut Erniedrigung und Enttäuschung ihren auf unerschütterliches Gottvertrauen gründenden, lebenserhaltenden Optimismus, der sie an ein besseres Leben, das bestimmt irgendwann kommen wird, glauben lässt. Parallelen zur heutigen Zeit sind aus der Distanz seit Entstehung dieses Werkes rein zufällig.

Karten für die Frankfurter Anatevka-Aufführung können noch unter der Ticket-Hotline % (069) 1340 400 geordert werden.
Quelle: Jürgen Heimann

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