Gut gelaunt und stimmlich bestens disponiert, sorgten Top-Stars mit Witz, Charme und Tempo für musical-ische Sternstunden

Die „3. Sommernacht des Musicals“ in Dinslaken mit Ethan Freeman, Maya Hakvoort, Carolin Fortenbacher, Andy Bieber, Martin Berger und Peti van der Velde

Zum dritten Male in Folge war die einem Amphitheater vergleichbar gestaltete, von imposanten, schattigen Bäumen umrahmte Arena Schauplatz einer solchen Open-Air-Gala. Einzig das Wetter – no risk, no fun – wäre in der Lage gewesen, den Spaß zu trüben, aber es hielt sich tapfer. Und was sich da auf der Bühne tummelte, zählte zur ersten Garnitur der Branche. Die Dinslakener Show, seinerzeit als Geheim-Tipp gestartet, gilt mittlerweile als Perle unter Ihresgleichen.

Republikweit gibt es trotz mannigfaltiger Anstrengungen in dieser Richtung nichts, das an sie heranreicht. Wenn es dann endlich heißt ”Bühne frei”, sind musical-ische Sternstunden garantiert. So auch diesmal wieder. Leider sind selbige nicht reproduzier- und wiederholbar. Wären sie es, die Veranstalter könnten die Aufführungen Dutzende Male hintereinander anbieten, ohne dass ein Platz im mehr als 2000 Personen fassenden Rund frei bliebe. Es ist schon schwer genug, Spitzenleute des Genres auf einen Termin einzuschwören, weil sie alle irgendwo bei festen Produktionen unter Vertrag stehen und deshalb schwer abkömmlich sind. Deshalb hat auch jede Veranstaltung einmaligen Charakter.

Urlaub von ”Jesus Christ” in Tecklenburg

Ethan Freeman, schon im vergangenen Jahr mit von der Partie, hatte ebenso wie seine Kollegin Carolin Fortenbacher für diesen Abend bei den Tecklenburger Freilichtspielen um Urlaub ersucht, um in Dinslaken dabei sein zu können. Beide, er als Pilatus, sie als Maria-Magdalena, zählen dort neben Alex Melcher zu den Zugpferden der deutschsprachigen Inszenierung von ”Jesus Christ Superstar”. Das Opening (”Welcome”) war freilich dem Cabaret-Conferencier daherkommenden Strahlemann Andy Bieber vorbehalten. Und dann waren da noch Maya Hakvoort, die ”Kaiserin des Musicals”, der ausdrucksstarke Vize-Krolock Martin Berger und Peti van der Velde. Angesichts dieses Auflaufs an künstlerischen Schwergewichten konnte man/frau wirklich nicht meckern.

Stimmlich bestens disponiert, heizte das multinationale Sextett (ein Österreicher, ein Amerikaner, zwei Niederländerinnen und zwei Deutsche) mit Witz, Charme, Tempo und Spielfreude durch die internationale Welt des Musiktheaters und schöpfte aus dem Vollen. Im Gepäck hatten sie eine Fülle unsterbliche Hits und Melodien aus bekannten Werken. Das fing bei Cabaret an, führte über Miss Saigon und die Vampire und hörte beim Kleinen Horrorladen, Jekyll & Hyde, J.C. oder Tabaluga noch lange nicht auf.

Das führte zu personellen Konstellationen, die die Fans sonst nirgends auf einer Bühne erleben können. Dass der Abend etwas ”Elisabeth”-lastig ausfiel, verlieh ihm noch zusätzlichen Reiz. Immerhin waren drei der sechs Darsteller schon bei der Wiener Produktion mit von der Partie gewesen, Freeman als Lucheni, Maya Hakvoort als Kaiserin und Andy Bieber als Erzherzog Rudolf.

Darüber hinaus konnten die Akteure jenseits der festgefügten Rollenklischees, mit denen das Publikum sie normalerweise verbindet, zeigen, wie vielseitig sie wirklich sind und was sie tatsächlich drauf haben. Und sie nutzten diese Gelegenheit weidlich. Mit der exzellenten, von Bertram Ernst geführten Live-Band im Rücken, konnte da auch nichts schief gehen.

Ethans Verbeugung vor Steve Barton

Die ”Unstillbare Gier”, Ethan Freemans Verbeugung vor dem toten Ur-Krolock Steve Barton, gehörte zweifellos zu den bewegendsten Momenten der Show. Reminiszenz an einen der ganz Großen der Musical-Welt. Das sind Augenblicke, die unter die Haut gehen. Aber davon gab es an diesem Abend noch etlich mehr.

Als Special Guest hatten die Veranstalter Jessica Kessler auf die Bühne gebeten, ein echtes Dinslakener Mädel, das erst am Anfang einer ganz großen Karriere steht. Bis vor kurzem zählte das Jung-Talent zum Vorderhaus-Personal des Essener Colosseums, bewarb sich selbstbewusst für die Mozart!-Inszenierung in Hamburg und bekam als Constanze-Cover prompt den Zuschlag. Aber auch der temperamentvolle David Moore, den Starlight-Fans als Papa noch in bester Erinnerung, ließ sich, gute Laune verbreitend, blicken, während sich Colby Thomas, die Christine des beerdigten Opern-Phantoms, nur genoss und sich auf eine passive Zuhörerrolle beschränkte.

Geht’s jetzt aufs Eis?

Bis zur nächsten Sommernacht in 2002 ist es zwar noch etwas hin, aber die Planungen dafür haben bereits begonnen. Man darf wieder gespannt sein. Möglicherweise müssen die Fans so lange gar nicht warten. Disnlaken verfügt über eine Eissporthalle. Und daselbst könnte sich, so verlautete, im Winter musical-isch etwas Außergewöhnlich bewegen.
Quelle: Jürgen Heimann

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