Das Klingenkreuzen geht weiter: “The Scarlet Pimpernel” zieht in die zweite Runde

Am 1. November Wiederaufnahme in Halle/ Christoph Goetten in der Hauptrolle/ CD zur Inszenierung

In die neue Pimpernel-Saison geht man in Sachsen-Anhalt mit fast unveränderter Ensemble-Besetzung, mit einer entscheidenden Ausnahme allerdings: Der Hauptdarsteller ist ein anderer. Als Sir Percy Blakeney hat Darius Merstein-McLeod hier ziemlich große Fußspuren hinterlassen. Da dürfte es der Nachfolger nicht ganz einfach haben. Christoph Goetten heißt der Mann, der ihn in dieser Rolle beerbt. Der junge Künstler dürfte es aber inzwischen gewohnt sein, an den Leistungen populärer Top-Stars gemessen zu werden und etwas in deren Schatten zu stehen. In Köln, wo auch MacLeod als Sommerbesetzung von ”Jekyll & Hyde” reüssierte, hatte er die undankbare Aufgabe, nach Publikumsliebling Yngve Gasoy-Romdal die Nr. 2 zu sein. Er wuchs daran und wird sich sicherlich auch in Halle durchbeißen.

Die beiden anderen Schlüsselrollen wurden ebenfalls mit prominenten Namen aus dem Musical-Business besetzt: Als Chauvelin, Sir Blakeneys Gegenspieler, bleibt Christopher Murray an Bord, während Ann Christin Elverum des Pimpernels (enttäuschte) Ehefrau Marguerite St. Just, verkörpert. Enttäuscht auch deshalb, weil sie glauben muss, ihre bessere Hälfte sei ein schwuler Snob. Doch das ist alles nur Tarnung und dient Blakeney dazu, seine wahren Absichten zu verschleiern: Er rettet im revolutionären Frankreich des 18. Jahrhunderts durch riskante Nacht-und-Nebel-Aktionen Aristokraten vor der Guillotine. Ann Christin Elverum steht parallel ja auch in der neuen “Les Misérables”-Inszenierung im Berliner Theater des Westens als Fantine auf der Bühne.

54 Musiker sorgen für einen vollen, satten Orchestersound

Pünktlich zur Wiederaufnahme soll auch die CD zum Stück, die das Ensemble und das große Orchester unter der Leitung von Koen Schoots im Juni eingespielt haben, vorliegen. Der Erfolg der Hallenser Inszenierung von Robert Herzl (Choreografie: Rosita Steinhauser; Kostüme: Götz Lanzelot Fischer; Bühnenbild: Bernd Leistner) hat viele Väter. Und dazu zählt allem der gebürtige Niederländer Schoots, der bereits bei J&H am Rhein (wie auch zuvor an der Weser) als musikalischer Gesamtleiter verantwortlich zeichnete. Er bleibt den Ostdeutschen neben seinen Verpflichtungen an der Oper in Düsseldorf als willkommener Gast erhalten. Musste er sich in Köln mit einer gegenüber Bremen von 22 auf 16 Köpfe verkleinerten Combo begnügen, kann er in Ostdeutschland personell aus dem Vollen schöpfen. 54 Musiker stehen ihm zur Verfügung – und so klingt das auch. Im Anschluss an die erste Vorstellung der Wiederaufnahme gibt es eine zünftige CD-Release-Party. In Folge kann die Scheibe im Opernhaus selbst sowie über Sound of Music in Essen bezogen werden.

Schoots führt seine klangvolle Streitmacht mit viel Verve, Einfühlungsvermögen und Temperament durch die Partitur. Seine Affinität zu Wildhorn spricht aus jedem Ton. Er gilt als Idealbesetzung, diese abwechslungsreiche und vielschichtige Pop-Operette mit ihren ohrwurmverdächtigen, teils aber auch komplexen Melodieführungen adäquat umzusetzen. Einiges der opulent orchestrierten Kompositionen klingen allerdings schon verdächtig nach dem Vorgänger-Werk. Aber das ist nicht unbedingt von Nachteil.

Kontrastprogramm: Comeback für Buddy Holly

Das zweites Musical ist nun wirklich ganz, ganz anders gestrickt. Der gute alte Rock ‘n’ Roller mit der charakteristischen Hornbrille kommt zu neuen Ehren: Ab 6. Februar 2004 wird ein neues Kapitel der ”Buddy Holly Story” aufgeschlagen. Deren Deutsche Erstaufführung war übrigens am 17. Januar 1993 am Landestheater Altenburg über die Bühne gegangen. Eineinhalb Jahre stand das Musical dort auf dem Spielplan und wurde zur erfolgreichsten Produktion in der 125-jährigen Geschichte des Hauses. Der Regisseur war Georg Mittendrein, der ”Buddy” auch in Plauen-Zwickau herausgebracht hat und nun in Halle inszenieren wird.

Altenburg hatte das Stücke seinerzeit wegen der Hamburger Produktion, die vom 16. Dezember 1994 bis zum 7. April 2001 vor stets ausverkauftem Haus lief und es nach ”Cats” und ”Phantom der Oper” auf die drittlängste Hamburger Laufzeit brachte, absetzen müssen. Inzwischen ist es wieder “frei” für andere Theater. Das Opernhaus Halle wird es mit einem eigens für diese Produktion zusammengestellten Ensemble auf die Bühne bringen und en suite spielen.

Ab 3. April 2004 schließlich taucht auch Webbers “Superstar” wieder auf dem Spielplan auf. Dessen unverwüstliche “Jesus Christ”-Rockoper in einer Inszenierung von Gerhard Platiel mit Sascha Th. G. Krebs in der Hauptrolle lief hier bereits im Frühjahr mit großem Erfolg.

JÜRGEN HEIMANN
Quelle: Jürgen Heimann

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