Vom schillernden Leben und dem mysteriösen Tod eines Luxus-Callgirls

Anna Montanaro als „Das Mädchen Rosemarie“: Weltpremiere am 17. Januar in Düsseldorf

Früher oder später musste diese Figur einfach auch auf der (Musical-)Bühne landen, nachdem Film und Fernsehen sich ihrer schon wiederholt bedient hatten. In wenigen Wochen ist es so weit. Mit ”Das Mädchen Rosemarie” legt Produzent Thomas Krauth noch einmal nach und lässt, 224 Autobahnkilometer nordwestlich des Originalschauplatzes Frankfurt-Mainhattan, im Düsseldorfer Capitol-Theater auf ”Miami Nights” eine weitere, eigeninszenierte Weltpremiere folgen. Ab Mitte Januar 2004 wird der geheimnisvolle Kriminalfall aus der Ära des Wirtschaftswunders in der Erkrather Straße neu aufgerollt. Der Kartenvorverkauf hat inzwischen begonnen. Tickets zum Preis zwischen 29 und 59 Euro (plus 2 EUR Systemgebühr) können unter (0211) 73440 oder im Internet unter www.kartenkaufen.de und www.das-maedchen-rosemarie.de gebucht werden.

Abgesehen von der fesselnden Story, die voller zündender dramaturgischen Würze ist, soll vor allem die Musik den Erfolg der Produktion garantieren. Sie ist kein klingendes Beiwerk, sondern treibende Kraft. Und da wäre ja noch die Personalie als entscheidenster Faktor. Keine Geringere als Anna Montanaro, eine der ganz wenigen deutschen Künstlerinnen, die sowohl am New Yorker Broadway, als auch im Londoner Westend schon Eindruck schinden konnten, wird die Titelrolle übernehmen – und damit nach ”Lucy” (Jekyll & Hyde) und ”Maria-Magdalena” (Jesus Christ Superstar) zum dritten Male eine Vertreterin des horizontalen Gewerbes mimen. In solche harten Rollen diese gewisse weibliche Wärme einzubringen, mache ihr immer viel Spaß, hat die heute 30-Jährige einmal in einem Interview bekannt. Sie liebt solche mehrdimensionalen Charaktere, ob die nun ”Reno Sweeney” (Anything goes), ”Aurora” (Kuss der Spinnenfrau) oder ”Velma Kelly” (Chicago) heißen. Es sind Frauen mit Ecken und Kanten – und jetzt auch eine mit vielen Rundungen an der richtigen Stelle.

Heribert Feckler schrieb eine prickelnde, facettenreiche Partitur

An der Adaption des Stoffs für die Bühne bestätigt sich die Stichhaltigkeit jener Binsenweisheit, derzufolge gut Ding’ Weile haben will. Denn: Schon zu seligen Cabaret-Zeiten, als Sally ”Anna” Bowles noch im rheinischen Kit-Kat-Club auftrat, nahm der Plan dazu zögernd Gestalt an. Anna Montanaro offenbarte ihrem Ensemble-Kollegen Dirk Witthuhn damals, gerne einige Schauspielszenen mit ihm erarbeiten zu wollen. Der las zu diesem Zeitpunkt gerade Kubys ”Rosie”-Buch, das 1958 mit Nadja Tiller, Gerd Fröbe und Mario Adorf verfilmt worden war, und fing an, einige Szenen daraus zu dramatisieren. Einen Monat später war das Stück fertig und die Musical-Idee geboren. Zu den Taufpaten gesellte sich gleich zu Anfang Thomas Krauth. Als Melodienlieferant kam der Komponist und Arrangeur Heribert Feckler, so etwas wie der ”Haus- und Hof-Kapellmeister” des Capitol, mit ins Boot. Er, der hier bereits bei ”Cabaret”, ”Grease” und ”Miami Nights” als musikalischer Leiter verantwortlich zeichnete, schrieb der Protagonistin die Songs quasi auf den Leib bzw. in die Kehle. Die Partitur läßt die unbeschwerten Rhythmen der 50-er Jahre wieder aufleben und kombiniert diese mit 30-er Jahre-Jazz, französischer Chansonkultur und dem erdigem Rocksound der Moderne. Das verspricht eine facettenreiche, prickelnde Mixtur zu werden. Eine CD zur Aufführung ist natürlich ebenfalls geplant. Autor Witthuhn führt übrigens auch Regie.

Die Reichen und Mächtigen standen vor ”Rosies” Schlafzimmertüre Schlange

Der Part des Industriellen Konrad Hartog ist mit dem renommierten Schauspieler Bernhard Bettermann ebenfalls prominent besetzt. Hartog war jener (verheiratete) Wirtschaftskapitän, der den Verführungskünsten der bildschönen, aus ärmlichen Verhältnissen kommenden Edelprosituierten ziemlich früh (und hoffnungslos) erlag und ihr den Zugang zu den ”Oberen Zehntausend” von Frankfurt und Umgebung verschaffte. In Folge gaben sich die zahlungskräftigen Kunden vor der Schlafzimmertüre der lasziven Schönen die Klinke in die Hand.

Gefährliches Spiel – Der Mörder wurde nie gefasst

Neben dem horizontalen erschloss sich das platinblonde Mädel alsdann einen weiteren, lukrativen Erwerbszweig: Rosemarie, die sich nicht nur im Matratzen-, sondern auch im Straßenverkehr mit ihrer auffälligen weißen Mercedes-Karosse an keine Beschränkungen und Regeln hielt und die Polizei mit schöner Regelmäßigkeit abhängte, entlockte ihren ”Geschäftspartnern” interne Informationen und ließ die Schäferstündchen heimlich in Bild und Ton aufzeichnen. Die Namen und Einträge in ihrem Notizbuch lasen sich wie das Who’s Who der Reichen und Mächtigen, brachten durch ihre pikanten Details so manchen Boss und Polit-Häuptling in peinlichste Erklärungsnotstände und führte so im Nachhinein zum ersten großen Gesellschaftsskandal der Nachkriegszeit. Ein gefährliches Spiel, durch das die Nitribitt ihr exklusives (freilich nur kurzes), mit heimlichen Intrigen und Affären angereichertes Leben finanzierte und das ihr letztendlich zum Verhängnis wurde. Man fand sie eines Tages erstochen in ihrem sündhaft teuren Appartement auf. Der Mörder der blutjungen Lebedame mit den knallroten Lippen wurde nie gefasst. An dem mysteriösen, Aufsehen erregenden Mordfall hätte sich selbst Inspektor Colombo die Zähne ausgebissen.

Die Inszenierung wird nicht im großen Capitol-Saal, sondern im intimen Ambiente des angrenzenden Clubs zu sehen sein. Vorstellungen sind jeweils Mittwochs bis Sonntags um 19.30 Uhr. Welches Stück nach dem Auslaufen von ”Miami Nights” Ende des Jahres nebenan gespielt werden soll, steht noch nicht fest.

JÜRGEN HEIMANN
Quelle: Jürgen Heimann

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