Warum Bettler Jack bei Jekyll & Hyde mit dem Hut herumgeht….

Klingende Münzen zwischen Damenslip und Eukalyptus-Bonbons

Das verlegene Lächeln, mit der abgerissene Bursche eventuelle Zuwendungen quittiert, lässt in den Augen eines jeden Zahnarztes die Dollarzeichen aufblinken. Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass Jack wohl kaum der Namensgeber der Jacket-Kronen gewesen sein kann. Zweimal pro Abend versucht der Clochard so seine ominöse Kriegskasse etwas aufzubessern. Mal klappt’s, mal nicht.

Der Vermutbruder, der im Dunstkreis der ”Roten Ratte” seinem Geschäft nachgeht, ist natürlich nicht zufällig da. Er gehört zum Ensemble, seine beiden Auftritte in zwei verschiedenen Szenen sind Bestandteil der Jekyll & Hyde-Inszenierung. Hinter der Maskerade des Obachlosen verbirgt sich der Darsteller Martin Bacher (”Mozart”, ”Success”, ”Sissi”, ”Evita”, ”Der Kleine Horrorladen”), der im Verlauf der Show noch in verschiedenen anderen Rollen zu sehen ist. Dass der ein oder andere Besucher tatsächlich eine Münze (oder etwas anderes) in den Hut werfen würde, war so eigentlich gar nicht geplant. Das ergab sich eher zufällig, gehört aber mittlerweile zum festen Ritual. Und so wurde die Idee geboren, aus der Not (anderer) halt eine Tugend zu machen.

Gut, nicht immer klingelt es monetär in Jacks zur Sammelbüchse umfunktionierten Kopfbedeckung. Da ist dann auch schon mal ein Eukalyptusbonbon, ein Streifen Kaugummi, ein gebrauchtes Tempotaschentuch, eine Getränkequittung oder, wie unlängst passiert, gar ein Damen-Slip darunter. Über letzteren bzw. darüber, wie sich die Spenderin dessen, ohne Aufsehen der Sitznachbarn zu erregen, entledigt hat, zerbricht sich der verblüffte Bettelmann noch heute den Kopf… Ins Schweinerl passte das erlesene Stück auch nicht. Da hinein wanderten aber nach und nach die eingetriebenen Geldstücke, so sie den Echtheitstest erfolgreich überstanden hatten.

Nach rund einem Jahr des Mästens ist die Sau nun zur selbigen gemacht und geschlachtet worden. Der Kassensturz ergab eine Summe von etwas mehr als 300 Euro. Von dem Geld hätte sich Martin Bacher jetzt, am Finanzamt vorbei und ohne jemanden Rechenschaft ablegen zu müssen, sicherlich einen vergnüglichen Abend machen können, wollte den Betrag aber nicht zweckentfremdet investiert wissen. ”Die Zuschauer geben ihre Spenden schließlich einem Mittellosen, und da ist es nur folgerichtig, wenn das gesammelte Geld auch solchen zu Gute kommt”.

Bacher hat seine Nebeneinnahmen der Obdachlosen-Organisation ”Benedikt Labre e.V. – Oase” vermacht, einer Vereinigung, die in Köln Straßenarbeit, ambulante Begleitung sowie Wohn- und Winterhilfe für Nichtsesshafte leistet. Weitere Schwerpunkte der Arbeit liegen in der Herausgabe der Straßenzeitung ”Bank Extra”, der Betreuung von wohnungslosen Gefangenen der JVA Köln-Ossendorf und in dem Betrieb des ”Offenen Treffs”. Nähere Informationen über diese Hilfsorganisation gibt es auch im Internet unter www.oase-koeln.de

Auch diese Zuwendung ist sicherlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber was zählt sind der gute Wille und die Idee. Vielleicht finden sich ja Nachahmer, zumal dem Einfallsreichtum hier wohl keine Grenzen gesetzt sind. So könnte der Verräter bei ”Jesus Christ Superstar” ja durchaus einen Teil seines Judas-Lohn opfern…. Und wenn die betuchten und Schlange stehenden Freier bei ”Rosie” schon fünf Hunnis für ein Schäferstündchen abdrücken, müssten sie eigentlich doch auch etwas erübrigen können… Jack jedenfalls hofft, dass es in der noch verbleibenden Zeit, in der Dr. Jekyll am Kölner Rheinufer zum Monster Hyde mutiert, weiterhin kräftig in seinem Spendenhut klingelt – oder auch raschelt…

JÜRGEN HEIMANN
Quelle: Jürgen Heimann

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  • Schlachtfest: Bettler Jack alias Martin Bacher und seine neue Kollegin Lucy Diakovska mit ihrem Spenden-Schweinerl. Dessen Inhalt kommt einer Kölner Obdachlosen-Hilfsorganisation zu Gute. Abend für Abend geht der als Penner verkleidete Künstler bei Jekyll & Hyde mit dem Hut herum.
    Schlachtfest: Bettler Jack alias Martin Bacher und seine neue Kollegin Lucy Diakovska mit ihrem Spenden-Schweinerl. Dessen Inhalt kommt einer Kölner Obdachlosen-Hilfsorganisation zu Gute. Abend für Abend geht der als Penner verkleidete Künstler bei Jekyll & Hyde mit dem Hut herum.
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