Frauenpower im Colosseum: Die „Diven“ drehten mächtig auf

Benefiz-Gala erbrachte 10.000 Euro für das Hundertwasser-Haus

Und die sechs Mädels hatten, ebenso wie ihre männlichen Mitstreiter (”Friends”), einen guten Tag erwischt, trotz aller Nervosität und Anspannung. Sie hatten das außergewöhnliche Programm wochenlang in ihrer Freizeit erarbeitet und einstudiert und, Ehrensache, natürlich auf Gage verzichtet, um sich so in den Dienst der guten Sache zu stellen. Auch an einer maßgeschneiderten, von William Centurion entworfenen Choreografie war nicht ”gespart” worden. Das 13-köpfige Orchester unter der Leitung von Ethan Popp nicht mitgerechnet, standen an diesem Abend 22 Akteure auf der Bühne, Sängerinnen, Sänger, Tänzer und Tänzerinnen.

Ägypten und Nubien waren da weit weg. Nichts erinnerte an das Romeo & Julia-Drama im Schatten der Pyramiden, das hier ansonsten achtmal die Woche abläuft. Auch musikalisch schöpften man/frau aus ganz anderen Quellen als denen Elton Johns. Dabei heraus kam ein spannender und unterhaltsamer Streifzug durch die Welt des Pop, des Soul und des Rock, wobei sich viele klangvolle Perlen aneinanderreihten, bekannte und weniger bekannte.

Prickelnde Mischung aus Pop, Soul und Rock

Die von Popp und Bob Edwards neu arrangierter Titel und Hits international renommierter Interpretinnen summierten sich zu einer prickelnden Mischung, die auch durch die Teils eigenwilligen Interpretationen bestach. Da kamen Aretha Franklin oder Celine Dion ebenso zu neuen Ehren wie Donna Summer, Cheryl Lynn, Christina Aguilera , Debora Cox, Chaka Khan oder Madonna.

Es war keine auf Perfektion und sterilen Schliff getrimmte Hochglanz-Revue, was in der Kürze der Vorbereitungszeit auch gar nicht möglich gewesen wäre. Das ein oder andere kleine Patzerchen, ob nun in Ausführung oder Soundaussteuerung, fiel kaum auf, oder, wenn vielleicht doch, störte keinen. Es war live und es war sympathisch. Und es blieb genügend Raum für Spontanität.

Als Girl-Group wären sie unschlagbar

Nicht nur dem Publikum, sondern samt und sonders auch den Protagonistinnen machte das Ganze erkennbar Spaß. Losgelöst vom starren Ablauf- und Regieplan ihres musical-ischen Alltagsgeschäftes konnten die Künstlerinnen mehr als sonst zeigen, was in ihnen steckt und ihren eigenen Präferenzen freien Lauf lassen. Ihr eigentliches Potenzial offenbart sich ja ob des vorgezeichneten Rollenprofils in der aktuellen Inszenierung mitunter nur bedingt und allenfalls ansatzweise. Hier konnten es die Damen ausleben. Würde man sie in eine Girl-Group stecken, so manche aus Pieps-Gören zusammengestoppelte, talent-deifizitäre Retorten-Combo, die es dank raffinierter Studio-Tricks doch zum Charterfolg gebracht hat, müsste sich die Kugel geben (oder hinter den Zug werfen). Maricel, Anke Fiedler, Dominique Aref, Natascha Hill, Oceana und Ana Milva Gomes singen mit Sicherheit über 99 Prozent der Möchtegern-Sternchen am Hitparadenhimmel locker an die Wand und wieder runter. Und sie haben Charisma, Charme und (Sinn für) Stil.

Geballte Ladung

Trotz dieser geballten Ladung an Talent, Stimm- und Ausdruckskraft artete der Spaß nicht in einen Wettstreit aus. Der Akzent lag auf dem Bemühen um eine geschlossene Gesamt- und Ensembleleistung. Niemand versuchte sich in den Vordergrund zu spielen. Es fällt schwer und wäre unfair, irgendeinen der 24 Programmpunkte, während derer die Divas, pardon, Diven, alleine, gemeinsam mit den anderen oder von diesen im Hintergrund unterstützt, agierten, besonders zu qualifizieren und hervorzuheben. Das von allen sechs Damen angestimmte Hohelied auf die Freundschaft, ”You´ve got a friend” (Carol King), mag dennoch als personal- und wertneutraler ”Anspieltipp” angeführt werden.

Davon abgesehen bedarf auch die vorweggenommene Finalnummer ”When you believe” aus dem ”Prinz von Ägypten” besondere Erwähnung. Dafür hatte Maricel das 14-jährige Kölner Stimmwunder Oliver Nagy als Duettpartner gewinnen können. Nicht wenige sagen dem sympathischen Vokaltalent eine große Zukunft voraus. In Dinslaken, bei der ”Sommernacht des Musicals” und ”Musical on Ice”, zählt der Bub ja inzwischen schon zu den Stammgästen. Und auch in Essen flogen ihm die Herzen des Publikums zu, was nicht nur der begeisterte Beifall zum Schluss, sondern auch der immer wieder aufbrausende Zwischenapplaus bewies. Nicht nur die Künstler, sondern auch die Besucherzeigten sich an diesem Abend bestens disponiert.

Jetzt sind die ”Herrn der Schöpfung” am Zug

Und in der ”Kriegskasse” klingelte und raschelte es schließlich auch beträchtlich. 8635 Eurodollars waren an Eintrittsgeldern zusammengekommen. Die Stage Holding als Betreiber des Theaters stockte den Betrag auf 10.000 EUR auf. Das Geld fließt zweckgebunden in die Errichtung des neuen Hunderwasser-Hauses am Essener Universitätsklinikum. Dabei handelt es sich um ein Familienzentrum für Eltern schwerkranker Kinder. Baubeginn wird noch im Laufe dieses Monats sein.

Nach diesem Erfolg werden sich auch die ”Aida”-Frontmänner wohl nicht lange zieren und lumpen lassen. Potenzial und Power für solch abenfüllende ”Eskapaden” sind in dieser Cast ja allemal ausreichend vorhanden. Das wird spannend. Schaun ‚mer mal.

JÜRGEN HEIMANN
Quelle: Jürgen Heimann

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