Vera Bolten und Alex Melcher logierten im Heartbreak-Hotel: Freche Lyrics, treibender Rock

„Zimmer frei“ mit Rheinblick und Roomservice

Mittlerweile scheint sich die Veranstaltungsreihe schon etabliert zu haben und ist Mitte Oktober vor einer dicht gedrängt stehenden Zuhörerkulisse mit einem klangvoll-eingängigen Rundumschlag in die zweite Runde gestartet. Die Bohemians und Leitenden Angestellten von ”Global Soft” präsentierten im Rahmen einer ”Band-Night” eigenes Material, aber auch bekannte Hits aus Pop und Rock. Das fing mit ”Tie your Mother down” an und hörte mit Bette Middlers ”Best of Burdon” noch lange nicht auf. Just for Fun! Der Spaß war beiderseitig einvernehmlich – und schloss Akteure wie Publikum gleichermaßen ein.

”Scaramouche” und ”Galileo” einmal ganz anders

Das Privileg, den ”heißen Herbst” dieser zwanglosen Konzertserie (inoffiziell) einzuläuten, war im Monat zuvor den beiden Frontleuten der Erfolgs-Produktion vorbehalten: ”Scaramouche” Vera Bolten und ”Galileo Figaro” Alex Melcher. Die beiden WWRY-Stars traten dabei jeweils mit ihren eigenen Bands und ausschließlich eigenen Songs vor die Fans und ließen keinen Zweifel daran, dass für sie durchaus auch eine Karriere jenseits der Musical-Bühne vorstellbar wäre.

Das Zeug (und die Kondition) dazu haben sie!

Mag sein, dass es auch eine Art Befreiungsschlag war, einmal aus dem Schatten von ”QUEEN”, deren Musik die Beiden freilich lieben, heraus zu treten, um zu zeigen, dass da ihrerseits an kreativem und künstlerischem Potenzial doch noch weit mehr ist, als es die Reduktion auf die Rollen vielleicht vermuten läßt. Als Helden wider Willen sind Vera Bolten und Alex Melcher in der aktuellen Inszenierung unschlagbar und ein kongeniales Gespann. Doch das ist nur die eine Seite. Im musikalischen Zivilleben haben die vielseitigen Protagonisten, jeder auf seine/ihre Art, auch eine Menge zu bieten. Und das könnte in seiner finalen stilistischen Ausprägung unterschiedlicher nicht sein.

Frischer, unverkrampfter Deutsch-Pop

Vera Bolten und ihre kleine (aber feine) Drei-Mann-Combo (Jens Kouros, Guitar; Dirk Blümlein, Bass; Frank Dapper, Drums) kommen mit frischem, unverkrampften Deutsch-Pop daher, wobei der Klangbreite auf Grund der spärlichen Instrumentierung in gewisser Weise Grenzen gesetzt sind. Das muss aber kein Manko sein, wie sich zeigt, sondern führt dazu, dass die Melodielinien noch intensiver herausgearbeitet werden (müssen). Die Sängerin ist in diesem Falle auch nicht austauschbar, weil die Songs und der gesamte Vortrag exakt und einzig und allein auf Vera Bolten zugeschnitten sind. Das Projekt lebt von ihrer ausdrucksstarken, variationsreichen Stimme und ihrer Persönlichkeit – wie vor allem auch von den frechen Lyrics, die samt und sonders die ureigene Handschrift der Künstlerin tragen.

Authentisch und ehrlich

Da ist sie einen Teils wieder, die repektlose, energie eladene Punk-Göre aus dem Gaga-Land, die kein Blatt vor den Mund nimmt, Klartext redet und über vieles, das sich ihr in den Weg stellt, hinwegmetert. Aber da ist auch die nachdenkliche, sensible, moderne Frau von heute, die sich Zweifel erlaubt und die die Dinge, große wie kleine, hinterfragt, verletzbar wirkt und dann wieder selbstbewusst und stark. Ein facettenreiches Puzzle, das sich zu einem spannenden Gesamtbild zusammenfügt. Die Musik der Bolten-Band ist mal treibend, mal verhalten. Sie beinhaltet viele Perlen; sie plätschert nicht dahin, sondern verlangt Aufmerksamkeit. Und sie ist mit ihren Ecken und Kanten, nicht synthetisch, dem Zeitgeist und dem Massengeschmack verpflichtet, sondern authentisch und ehrlich. Ein ganzes Album davon wäre wünschenswert und sicherlich eine Bereicherung für so manche CD-Sammlung.

Der geborene Rockstar

Ein solches, wenn auch ein kleines, hat Kollege Galileo inzwischen ja bereits vorgelegt. Eine 3-Track-CD, die u.a. im Musical-Dome erhältlich ist und deren Material noch aus (gar nicht so lange zurückliegenden) Cosmosonic-Weed-Tagen stammt. Die Band als solche gibt es jedoch nicht mehr. Alex Melcher macht unter seinem eigenen Namen weiter, und das ist auch gut so.

An der musikalischen Ausrichtung hat sich jedoch nichts geändert. Neues Spiel, neues neues Glück, neue (brillante) Mitstreiter. Dass der Künstler, der damit so nachhaltig ekstatisch auf zwei verschiedenen Hochzeiten zu tanzen versteht, nicht erst seit gestern den Rock’n’Roller gibt, kann er nicht leugnen. Das ist keine Rolle, die ihm, wie in ”We will rock you”, auf den Leib geschrieben scheint. Das ist Alex Melcher selbst, leib- und livehaftig.

Da hat einer seit Jahren zielstrebig und konsequent sein eigenes Ding verfolgt und durchgezogen. Und das Ergebnis ist elektrisierend. Es entspricht wohl, mehr noch als alle großen Musical-Engagements der Vergangenheit, der wahren Passion dieses großartigen Entertainers.

Mitreißend und ansteckend

Welch eine mitreißende, ansteckende Kraft birgt diese Musik, die sich zunächst allen Versuchen, sie in irgendeine stilistische Schublade zu stecken, widersetzt. Sie ist erdig, innovativ, intelligent und einfallsreich. Eine Brise Briten-Rock mag durchaus dabei sein, ein Schuß ”Green Day” vielleicht auch. Die sonstigen Ingredienzen lassen sich nur schwer fassen, was aber letztlich bedeutungslos ist. Um es mit Alt-Kanzler ”Birne” zu formulieren: ”Entscheidend ist, was hinten herauskommt!” In diesem Fall aus den Boxen.

Anspieltipps: ”Into the open”, ”Let’s get loud”, ”I believe” oder ”Saw you standing there”. Als Leadsänger und Frontmann dieser virtuosen Formation, zu der neben WWRY-Gitarrist Frank Rohles, Ex-Anne Haigis-Bassist Jörg Hammers sowie Keyboarder Ralf Erkel (Tic Tac Toe, Guildo Horn) und Drummer Wolf Simon (u.a. Tic Tac Toe) zählen, kann und darf sich Melcher sowohl vokal, als auch im Posing nach Herzenlust austoben und, wie er selbst sagt, die ”Rampen-Sau” herauskehren, und das über die volle Spielzeit hinweg. Das zu tun, ist ihm bei ”We will rock you” ansatzweise ja nur während der finalen Mobilmachung gegen Ende der Show gestattet, lässt aber erahnen, was die Besucher seiner Rockkonzerte erwartet. Das macht ihm sichtlich Spaß, und dem Publikum erst recht. Let’s get loud!
Quelle: Jürgen Heimann

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  • © Jürgen Heimann
  • Alex Melcher kehrt die „Rampen-Sau“ heraus:  Nicht nur als Musical-Star, sondern vor allem als Rock’n’Roller ist der vielseitige Künstler eine Klasse für sich.
    Alex Melcher kehrt die „Rampen-Sau“ heraus: Nicht nur als Musical-Star, sondern vor allem als Rock’n’Roller ist der vielseitige Künstler eine Klasse für sich.
    © Jürgen Heimann


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  • Energiebündel mit Powerstimme: Vera Bolten legte mit ihrer Band einen mitreißendes Konzert hin. Intelligenter Deutsch-Pop mit frechen Texten und originellen Melodielinien.
    Energiebündel mit Powerstimme: Vera Bolten legte mit ihrer Band einen mitreißendes Konzert hin. Intelligenter Deutsch-Pop mit frechen Texten und originellen Melodielinien.
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