Carmen Cubana, Musicalsommer Amstetten 2006

Heiße Rhythmen, schwungvolle Hüften und wackelnde Popos dominieren in diesem Stück, dass seine Uraufführung feierte

Es war der 19.7.2006. Ort des Geschehens – die Eishalle in Amstetten. Die Temperaturen waren wie abgestimmt auf das neue Musical, das an diesem Tag seine Uraufführung erlebte. ”Carmen Cubana” spielt, wie schon der Titel vermuten lässt auf Cuba und die Hitze in Niederösterreich war wahrlich beinahe schon karibisch und ließ die zahlreichen Besucher schon vor der Show ordentlich schwitzen.

Neben zahlreichen Musicalfans konnte man, wie bei jeder Premiere, viele Promis erblicken, die sich die 10. Show von Kim Duddy nicht entgehen lassen wollten. Mark Seibert, Sanne Buskermolen, Rasmus Borkowski, Sabrina Harper, Werner Sobotka, Sabine Petzl, Rob Fowler mit seiner Sabine, Luzia Nistler, Else Ludwig, Madeleine Petrovic, Kai Peterson, Kathrin Zechner, Günther Tolar, um nur einige Namen zu nennen.

Mit zwei viel zu langen Ansprachen wurden die Premierengäste gekonnt noch länger auf die Folter gespannt. Kurz vor 20 Uhr ging es dann aber endlich los. Die Bühnenwände waren komplett in Blautönen gehalten. Sie stellten das Wasser und einen strahlend blauen, beinahe wolkenlosen Himmel dar. Auf der rechten Seite der Bühne befand sich eine Palme. Videoprojektionen scheinen es Kim Duddy angetan zu haben und so begann das Stück, genau wie ”Jesus Christ Superstar” im letzten Jahr, mit einer solchen. Man sah Gino Emnes (Joe) und Lana Gordon (Carmen).

Die Handlung spielt im Jahr 1994 in Santiago de Cuba. Es wird gerade das ”Fest des Feuers” gefeiert. So auch der Titel des ersten Songs ”Fiesta del fuego”. Die Songtexte sind ausnahmslos alle auf englisch. Leider sind sie aufgrund der rasanten Melodien und der Schnelligkeit des Textes so gut wie kaum verständlich. Das Ensemble trägt bunte Outfits und zeigt viel nackte Haut. Die Hüften schwingen, die Popos wackeln, die Körper beben. Allen voran sticht die kleine zierliche Kenia Bernal Gonzales ins Auge, die nur so vor Energie sprüht. Beeindruckend Lana’s toller finaler Schlusston bei diesem Titel. An der Küste Cubas liegt ein selbstgebasteltes Boot. Carmen möchte mit einigen Freunden von der Insel fliehen, da sie sich ein besseres und erfolgreicheres Leben in Amerika erhoffen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Flüchtenden wird schön dargestellt und es erfolgt ein herzlicher Abschied von den Daheimgebliebenen. Großes Kompliment an Lana Gordon. Sie hat binnen kürzester Zeit die deutsche Sprache erlernen müssen und meisterte die Texte mit einer klaren, verständlichen Aussprache, fast besser, als so mancher Kollege, dessen Muttersprache nicht deutsch ist, aber schon länger im deutschen Sprachraum tätig ist. An die Leinwand wird ein kleiner Film projiziert, der die abenteuerliche Reise zeigt. Sowohl eine Landkarte als auch die Reisenden (hier wurde Filmmaterial mit wirklichen Flüchtlingen verwendet) auf dem Boot werden gezeigt. Wirklich ein toller Einfall, vor allem als das Boot in Seenot gerät und Carmen beinahe zu ertrinken droht. Diese Szene wurde von den Darstellern im Wasser selbst in Szene gesetzt. Carmen kann in letzter Sekunde gerettet werden und wird zusammen mit den anderen auf die amerikanische Marinebasis in Guantanamo Bay gebracht. Fast so wie in einem Hollywoodstreifen wird diese Szene filmisch sehr eindrucksvoll dargestellt. Sogar eine Ansprache vom Präsidenten Bill Clinton wird eingespielt, der eine Einreise in die USA verbietet.

Die Flüchtlinge sind nun schon zwei Monate im Lager. Die Darstellung des Gefängnisses ist gut gelungen und wirkt vor allem durch die Stacheldrahtbegrenzungen real. Bei ”Back to Cuba” verleihen die Gestrandeten ihrem Ärger Ausdruck, wobei Kenia sogar als Luftgeschoss fungiert. Soldaten (Steven Seale, Simon Eichenberger, Andreas Björkman, Gino Emnes) arbeiten an der Gefängniserweiterung. Mit ”Habanera” provoziert Carmen die Arbeiter zur Belustigung ihrer Leute und reizt vor allem Joe. Zum Schluss wirft sie ihm eine rote Rose zu. Er hebt sie später, als es niemand sieht, auf. Diese Blume taucht auch immer wieder während des Stücks auf und soll vermutlich Carmen symbolisieren, eine schöne Rose, aber doch gefährlich wegen der Dornen. Die Dialoge zwischen den Soldaten fallen sehr heftig in dieser Szene aus. Worte wie Wixer oder Arschloch fallen und das nicht nur einmal. Ob das wirklich nötig gewesen ist, bleibt in Frage gestellt. Gino Emnes singt in ”Lena” über seine Heiratspläne. Ein witziger Song, bei dem vor allem die Soldaten im Heimwerkerlook für eine nette Einlage sorgen.

Während des Duschens wird Carmen von ihrer Landsmännin Alicia (Laura Fernandez) provoziert. Die Situation eskaliert und beide beginnen miteinander zu kämpfen. Von Wachen werden sie getrennt. Das Publikum spendet für eine besonders schnelle Zusammenfassung der Ereignisse von Kenia begeistert Applaus. Carmen hat Alicia durch einen Biss in die Wange schwer verletzt und wird von Joe zu Sergeant Cooper (Alvin Le-Bass) gebracht. Der Gang zum Sergeant wird, indem die einzelnen Gefängniskäfige geschickt verschoben werden und Joe und Carmen durch jeden durchgehen, dargestellt. Carmen versucht Joe zu überreden ihr zu helfen und flüchten zu lassen. Bei Cooper stellt sich heraus, dass er und die Zigeunerin eine gemeinsame Vergangenheit haben. Cooper macht Carmen ein eindeutiges Angebot, durch das sie freikommen würde. Sie lehnt ab. Joe hält vor der Tür des Warteraums, in den er Carmen gebracht hat, Wache. Er fragt sich in ”Who is she” was diese Frau an sich hat, das ihn so in ihren Bann gezogen hat und was er jetzt tun soll. Er fasst einen Entschluss, geht zu Carmen und öffnet ihre Fesseln. Joe erliegt Carmen’s Reizen und sie küssen einander leidenschaftlich. Die folgende Szene ”The Seduction” ist sehr heiß und drückt pures Verlangen aus.

Joe schmuggelt Carmen unter Leute, die gerade die Basis verlassen. Ihre letzten Worte sind ”Lilas Pastia”. Zu dieser Bar soll er kommen, denn dort würde sie auf ihn warten.

Das eigenmächtige Handeln Joe’s bleibt nicht ungestraft. Er wird in eine Zelle gesteckt und träumt bei dem ”Rose Song” von seiner Geliebten, die ihm viel zu schnell entrissen wurde. Gino singt sehr gefühlvoll und man sieht im seine Verliebtheit an. Vor allem in den höheren Lagen ist er top.

Ein Monat ist nach Carmen’s gelungener Flucht vergangen. Sie arbeitet wieder in Lilas Bar und wartet auf Joe. In ”Lilas Pastia” stellt sich Walter Reynolds als Barbesitzer vor. Walter singt mit seiner sehr dunklen Stimme und wird von dem um ihn tanzenden Ensemble unterstützt. Carmen’s Freundinnen Mercedes (Jacqueline Braun) und Francesca (Kudra Owens) wollen sie aufheitern und erzählen ihr von ihrem Engagement beim kubanischen Popsänger Escamillo (Ruben Heerenveen). Besonders Kudra sorgt für Lacher, wenn sie immer wieder mit ”als ich noch klein war” anfängt von ihrer Kindheit zu nerven.

Sergeant Cooper, Stammgast in der Bar, ist auch in illegale Geschäfte mit Pastia verwickelt. Carmen muss nett zu ihm sein, damit das Geschäft weiter gut läuft. Gerade als Cooper von Joe’s Freilassung berichtet, betreten Escamillo, sein Manager Rum (Dennis Le Gree) und Morales (Ronnie Veró Wagner) die Bar. Aus Francesca sprudeln sämtliche ihrer Vornamen als sie sich dem Sänger vorstellt. Die Gäste überreden Escamillo etwas für sie zu singen. Der anschließende Song ist für alle eine große Überraschung und Freude zugleich. Es folgt ”Be my lady”. Dieser Song wurde abseits der Bühne bereits von Ruben Heerenveen veröffentlicht und hielt sich sogar einige Zeit lang in den Ö3 Austria Top 40. Ein absolut gelungener Einfall diesen Song in einem Musical zu verewigen, zumal er große Ohrwurmqualitäten, nicht zuletzt wegen Ruben’s samtiger Stimme, besitzt. Während des Songs unterstützen ihn Steven, Ronnie, Ivo Chundro und Andreas boygrouplike. Escamillo ist fasziniert von Carmen und lädt sie auf seine Tournee ein. Sie lässt ihn abblitzen. Francesca, Mercedes, Morales und Rum versuchen sie in ”Away” musikalisch zu überzeugen. Eine witzige Nummer mit viel Pep. Doch Carmen denkt nur an Joe. Mit ”If I had to do it all again” legt Lana ein Solo der Extraklasse hin. Der Titel bietet gute Entfaltungsmöglichkeiten für ihre Soulstimme und das Publikum honoriert den starken Auftritt mit tobendem Applaus. Plötzlich taucht Joe unerwartet in der Bar auf. Carmen ist glücklich, dass er sie gefunden hat und umgarnt ihn, indem sie ihr Versprechen, für ihn zu singen und zu tanzen, einlöst. Doch Joe kann nicht lange bleiben und vertröstet sie auf ein späteres Wiedersehen. Carmen reagiert zornig, dass sogar die Sessel fliegen. Gerade als die beiden wieder leidenschaftlich übereinander herfallen wollen, platzt Sergeant Cooper in die Bar. Es kommt zu einem Streit, weil Cooper Joe mit seiner Vergangenheit mit Carmen konfrontiert. Cooper zieht ein Messer, doch Joe setzt sich zur Wehr und ersticht in einer auswegslosen Situation den Sergeant. Lilas Pastia stösst dazu, er wird sich um die Leiche kümmern, doch rät er den beiden sofort unterzutauchen.

Drei Wochen sind nach dem Mord in der Bar vergangen. Gemeinsam sind sie in Havanna in einem kleinen Apartment ”Lilas Liebesnest” untergekommen. Carmen zieht ein aufreizendes rotes Kleid an, will Joe aber nicht verraten, wo sie hingeht. Dieser reagiert daraufhin sehr eingeschnappt.

Ruben gibt ”Te quiero” zum besten. Alle treten in weißen Outfits auf. Ein Feuerwerk auf der Bühne sorgt für einen tollen Showeffekt. Eine fetzige up tempo Nummer, nach der es sogar etwas verbrannt im Saal roch.

Carmen ist von dem Auftritt begeistert. Mit Rum bespricht sie das Geschäftliche. Sie soll Escamillo zu allen öffentlichen Auftritten begleiten und auch privat soll sie sich mit ihm treffen. Letzteres lehnt sie jedoch ab, da sie ihr Privatleben selbst bestimmten möchte.

Überfallsartig erscheinen Lilas samt Carmens Freunden in der Wohnung von Joe. Sie sind alle guter Laune und berichten ihm von den Ereignissen. Joe, der von nichts wusste, ist von Carmen maßlos enttäuscht und glaubt, dass sie etwas mit dem Sänger angefangen hat.

In einem Nebenraum legt sich Carmen die Tarotkarten. Sie sieht den für sie bestimmten Weg und weiß nun, was sie tun muss. Nach dem dramatischen ”Fate”verlässt sie die Wohnung.

Sie begibt sich zu Rum und hat jetzt Zeit für die private Seite des Vertrages.

Dennis im Pelzmantel gibt ihr nach ”Nothing is for free” den Schlüssel zu Escamillos Zimmer. Die berechnende Carmen hat sich für Glanz und Ruhm entschieden und setzt dafür die Liebe Joe’s auf’s Spiel. Joe taucht auch im Hotel auf und Rum gibt ihm hinterhältigerweise auch einen Schlüssel. Joe erwischt Carmen in flagranti, gerade als sie sich Escamillo hingeben will. Joe versteht die Welt nicht mehr. Bei ”Too late for love” singen Ruben, Lana und Gino regelrecht gegeneinander an. Zeitweise befindet sich jeder einzelne in einem Lichtkegel und singt seinen Part. Ein starker Song, bei dem zumindest gesanglich kein Verlierer hervorgeht. Lana und Escamillo verlassen das Zimmer. Das Ensemble, ganz in schwarz, umkreist den hinterbliebenen Joe. Der etwas opernhafte ”Greek Chorus” gibt der Szene etwas Gespenstisches. Lana und Escamillo schreiten durch die Reihen und sonnen sich im gemeinsamen Ruhm.

Nach einer Vorstellung bei der Presse hat Carmen ihren ersten großen Soloauftritt. Im kurzen sexy roten Glitzerkleidchen dreht Lana voll auf und gibt bei ”Good good lovin” alles. Joe sieht den Auftritt im Fernsehen und verpasst sie nur knapp am Drehort. Gebrochen singt er in ”Sad Song” von seiner unglücklichen Liebe und fasst einen Entschluss.

In Havanna beginnt das erste gemeinsame Konzert von Carmen und Escamillo. Auf den Wänden hinter den Sängern erscheinen Rosen – die Symbolblume des Stücks. Die Tänzer des Ensembles sind in rot/schwarz gekleidet. Lana hat ein anderes, wieder rotes Kleid an. Mit ”It’s my life” gibt es neuerlich einen musikalischen Höhepunkt. Ein absolut chartverdächtiger Song, den noch dazu von den drei Stimmen des Stücks – Lana, Jacqueline und Kudra – interpretiert wird und einfach nur genial ist.

Joe schleicht sich unbemerkt in das Publikum und entführt Carmen von der Bühne. Er will ihre Treue und Liebe und beschwört sie, ihn zu heiraten. Sie will jedoch nichts von seinen Plänen für sie beide hören. Es kommt zu einem Streit. Ein letzter Kuss und dann rammt ihr Joe das Messer in den Körper, wenn er sie nicht haben kann, dann soll sie keiner bekommen. Carmen stirbt sofort. Das Ensemble, in Windeseile umgezogen, erscheint und hält eine Mahnwache neben dem leblosen Körper. Joe wird von Soldaten gepackt und festgenommen.

Ein trauriges Ende einer von vornherein zum Scheitern verurteilten Liebe.

Das Finale fiel laut und wild aus und sogar Kim Duddy kam auf die Bühne, tanzte mit den Darstellern und feierte eine erfolgreich bestandene Premiere.

Auf der anschließenden After Show Feier in der angrenzenden Johann Pölz Halle wurde noch einmal so richtig Party gemacht und alle Gäste konnten sich beim karibisch angehauchten Buffett stärken. Je später oder besser je früher es wurde, desto munterer wurden die Darsteller und shakten zu fetziger Musik des DJ’s bis in die frühen Morgenstunden.
Quelle: Andrea Martin

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