Interview mit Wietske van Tongeren

Wie ist das Gefühl, eine Rolle zu spielen, die eigentlich das ganze Stück über keinen Namen erhält und nur mit ”ich” bezeichnet wird?

Ich finde im Stück merkt man gar nicht, dass sie keinen Namen hat. Das stört überhaupt nicht. Sie ist einfach die neue Mrs. de Winter. Das namenlose macht sie anfangs auch etwas schüchtern und sensibel. Aus der Sicht des Romans, indem dieser Charakter das Stück erzählt, ist es logisch, dass sie keinen Namen erhält.

Hast du, bevor du zum ”Rebecca”-Casting gegangen bist, schon etwas von dem Roman von Daphne du Maurier gehört oder war der geschichtliche Hintergrund neu?

Als ich von dem neuen Musical ”Rebecca” in Wien erfahren habe, habe ich mir den Film angesehen und das Buch gelesen, bevor ich für diese Rolle engagiert wurde. Der Film hat mich fasziniert, aber erst als ich das Buch gelesen habe, hat es mich wirklich mitgerissen.

Die ”Ich”-Figur in ”Rebecca” macht eine enorme Entwicklung durch, vom ängstlichen, verliebten Mädchen bis zur Frau, die für ihr Glück kämpft und genau weiß, was sie erreichen möchte. Charakterzüge, die auch dich beschreiben könnten?

Ja, auf alle Fälle. Am Anfang bin ich meist vorsichtig, so nach dem Motto ”mal schauen, was passiert”. Aber wenn ich mich für etwas entschieden habe und etwas erreichen will, dann schaue ich auch, dass ich es schaffe. Die Entschlossenheit habe ich auf alle Fälle in mir und die spüre ich auch bei ”Ich”.

Du stehst jetzt mit DEM Darsteller der deutschsprachigen Musicalszene schlechthin – Uwe Kröger – gemeinsam auf der Bühne – was war dein erster Gedanke, als du davon erfahren hast?

Ich habe ihn letzten Sommer in einem Workshop gesehen und da war er noch ”der Uwe Kröger”. Meine erste Begegnung mit ihm war richtig nett, wir hatten viel Spaß und ich habe mich in seiner Gegenwart sofort wohlgefühlt. Ich schätze seine Arbeit und ich glaube, dass ich viel von ihm lernen kann – es ist eine Ehre, mit so jemandem auf der Bühne stehen zu dürfen. Wir harmonieren sehr gut miteinander, was auch in weiterer Folge sehr wichtig für unsere Rollen im Stück sein wird.

Gibt es jemanden, mit dem du unbedingt einmal gemeinsam auf einer Bühne stehen möchtest?

Darüber habe ich noch gar nicht richtig nachgedacht. Ich hatte schon die Ehre, mit Maya Hakvoort auf der Bühne stehen zu dürfen und habe viel von ihr gelernt. Ich schätze Pia Douwes sehr, aber wenn ich groß denken darf, dann ist es Barbara Streisand. Mit ihr würde ich gerne einmal ein Konzert live erleben, das wäre ein großer Wunsch von mir. Sie ist eine wirklich beeindruckende Künstlerin.

Du kommst wie Pia Douwes oder Maya Hakvoort aus Holland. Hast du Angst, mit den beiden verglichen zu werden?

Nein, darüber denke ich gar nicht nach. Ich bin ja auch eine ganz andere Generation. Was ich schön finde, ist die Tatsache, dass Pia Douwes, Maya Hakvoort, Maike Boerdam, alles Holländerinnen, und auch ich die Elisabeth gespielt haben. Vielleicht war ja Elisabeth in einem früheren Leben eine Holländerin (lacht). Ich schätze diese beiden Künstlerinnen sehr, aber ich glaube, es ist nicht gut in diesem Beruf Vergleiche anzustellen, da jeder Stärken und Schwächen hat und jeder seine eigenen Besonderheiten – genau das macht die einzelnen Persönlichkeiten aus.

Du warst eine doch sehr junge ”Elisabeth”-Darstellerin. Was hat diese Rolle persönlich für dich gebracht?

Sie hat mir sehr viel gebracht. Von Riesenfreude über viel Angst bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich es genießen konnte. Diese Rolle war eine Art Achterbahnfahrt für mich, es gibt Phasen in ”Elisabeth” wo ich zu jung bin, andere wo mein Alter genau passt und ich habe versucht den Mittelweg zu finden. Es wäre auch schön, wenn ich in so ca. 10 Jahren diese Rolle noch einmal spielen darf, um zu sehen, was sie mir dann bringt.

Was hättest du gemacht, wenn es nach deiner musicalischen Ausbildung nicht so gut mit Engagements geklappt hätte?

Da hätte ich erstmal ganz laut geweint (lacht). Anfangs wollte ich Jura studieren, aber im letzten Moment habe ich mich doch für eine Bewerbung am Konservatorium entschlossen. Ich komme ja aus einem kleinen Dorf vom Land und da war es überhaupt nicht normal, dass Mädchen so eine Laufbahn einschlagen. Ich wurde aber sofort engagiert und ich dachte mir, dass ich mich ja auch noch ein Jahr später umentscheiden kann, wenn es doch nicht funktioniert. Aber es hat geklappt und ich kann nur ”Dankeschön” (mit Blick nach oben) sagen.

Hast du vor, wenn es gute Rollenangebote gibt nach Holland zurückzugehen oder möchtest du im deutschsprachigen Raum bleiben?

Früher wollte ich gerne in Holland arbeiten, momentan aber nicht mehr. Bei meinem Engagement nach Wien dachte ich ”oh mein Gott Wien, das ist ja 1100 km von zuhause entfernt, was soll ich da machen”. Aber seit dem Tag meiner Ankunft hatte ich eigentlich kein Heimweh. Klar, man vermisst die Familie und Freunde, aber die Arbeit hier war so schön und Wien ist einfach eine wunderbare Stadt zum Leben. Vielleicht kehre ich irgendwann einmal wieder zurück, im Moment zieht es mich eher in große Städte wie Wien oder aber auch Berlin.

Du hast einmal in einem Interview gesagt, dass es einige Rollen gibt, die du aufgrund deines Aussehens nie spielen wirst können – kannst du mir ein paar Beispiele nennen?

Ja, da gibt es viele, z.B. die Mrs. Danvers werde ich nie spielen können. Ich habe in der Schule einmal die Mrs. Lovett aus ”Sweeney Todd” gespielt, das war für mich riesig und eine tolle Zeit. Aber ich bin sehr realistisch und weiß, dass ich jetzt solche Rollen aufgrund meines Typs einfach nicht spielen kann. Man muss sich selbst gut einschätzen können, in welche Rolle man passt und in welche weniger. Auch sind z.B. Tanzmusicals wie ”Saturday Night Fever” nichts für mich, das überlasse ich lieber den Supertänzern.

Viele deiner Kollegen veröffentlichen irgendwann einmal Solo-CD’s. Könntest du dir das auch für dich vorstellen und wenn ja, in welche Richtung könnte sie gehen?

Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber ich finde es immer schön die CD’s von anderen Kollegen zu hören. Wenn ich das einmal machen sollte, dann wird es Musik sein, die mir gefällt z.B. in die Richtung von Lara Fabian oder Barbra Streisand. Aber so ein Projekt liegt noch weit weit in der Zukunft.

Soloprogramme sind zur Zeit sehr groß geschrieben. Wäre das auch ein Wunsch für die Zukunft für dich und wenn ja, wie könnte es aussehen?

Ein Soloprogramm ist toll, wenn man etwas zu erzählen hat. Im Moment bin ich einfach noch in einer Lernphase und glaube nicht, dass ich bereit bin eine Geschichte, die hinter einem Soloprogramm steht, durchzuziehen.. Jetzt bin ich glückich, in einer Produktion zu stehen, eine Rolle zu kreieren, statt mich selbst auf der Bühne zu präsentieren.

Vielen Dank an Wietske für das nette und aufschlussreiche Interview und alles Gute für ”Rebecca” und alle zukünftigen Projekte.
Quelle: Andrea Martin

[yasr_visitor_votes size=”small”]

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!