Musical Affair – die Show der Erfolgsmusicals

Openair auf der Burgruine Gars am Kamp, 25.8.2006

Jürgen Solis, musikalischer Leiter, Produzent und Solist des Programms ”Musical Affair” hatte mit der Location der am 25.8.2006 stattfindenden Show sich und dem Publikum einen großen Gefallen getan. Die Babenberger – Burgruine in Gars am Kamp eignet sich aufgrund ihrer Lage (liegt leicht erhöht über dem Ort) und des großen Innenhofes, der den Aufbau einer großen Zuschauertribüne und einer Bühne ermöglicht, wirklich sehr gut für Freiluftveranstaltungen.

Für 20:30, wie sich später herausstellte, ein relativ später Beginn für eine 3,5 stündige Show, wäre der Beginn angesetzt gewesen. Aufgrund erheblicher Platzprobleme (1200 Leute unterzubringen war für die Verantwortlichen scheinbar keine leichte Aufgabe) wurde aber etwas später begonnen. Gut platziert und nicht um ihren Platz kämpfen mussten in der ersten Reihe einige Prominente, wie das 3er Gespann der Familie Lugner, Marianne Mendt oder Reinhard Jesionek.

Es folgte ein bunter Mix aus bekannten Musicals, aber auch Songs von seltener gespielten Stücken wurden einbezogen. Leider zogen sich Probleme mit dem Ton durch die komplette Show. So hörte man zeitweise während der Songs die miteinander sprechenden Darsteller hinter der Bühne, dann wiederum fiel kurzfristig das Mikro des Gesangssolisten aus. Des öfteren wurde das 9köpfige Orchester, unter der Leitung von Jeff Frohner, zu laut, sodass die Künstler dagegen ansingen mussten. Sonst waren die musikalischen Arrangements aber erster Klasse. Auch die Lichttechnik spielte den Darstellern einen Streich. Oft verschwanden die Sänger im Dunkel der Nacht oder wurden in einem zu schwachen Lichtkegel beleuchtet. Erst im zweiten Teil konnte man dieses Problem in den Griff bekommen. Auch wenn die Proben für Ton- und Lichttechnik am Vortag ins Wasser fielen, hätte man sich doch eine bessere Lösung als die dargebotene gewünscht.

Neben den Solisten gab es noch ein großes Tanzensemble bestehend aus: Kathi Strohmayer, Julia Vurglics, Mike Fischer, Ingrid Korpitsch, Thorsten Kugler, Kerstin Löcker, Marvin Dietmann, Karin Figar, Julia Melcher, Nicole Tür, Anita Todorov.

Sie leisteten wirklich ganze Arbeit und überzeugten jedes Mal aufs Neue mit tollen Tanzeinlagen, für die Anita Todorov verantwortlich zeichnete. Weiters gab es drei Backgroundsänger, die die Solisten bei vielen Liedern gesanglich sehr unterstützten. Dies waren: Daniela Sandhofer, Markus Richter und Magdalena. Bei letzterer handelte es sich um niemand geringeren als Magdalena Rentenberger, die 6. Platzierte bei Starmania NG 2003/2004.

Das Programm wurde vom Fürst von Verona selbst, Boris Pfeifer, mit ”Verona” aus ”Romeo & Julia” eröffnet. Der ”Chicago”-Block bestand aus ”All that jazz”, interpretiert von Isabell Classen und dem ”Cellblock-Tango”. Hier sangen Maya Hakvoort, Caroline Vasicek, Isabell, Merle Krammer, Ingrid Kropitsch und Kerstin Löcker. Alle trugen schwarze, sexy Outfits, wie es sich für dieses Musical gehört. Die sechs Frauen harmonierten sehr gut und zeigten eine vielseitige Choreographie, die ihnen viel abverlangte. Als ”Phantom der Oper” kam Jürgen Solis mit schwarzem Umhang, Hut und etwas unglücklich platzierter Maske, die ihn einäugig wirken ließ, bei ”Musik der Dunkelheit” durchs Publikum. Bei einer kurzen Atempause nieste ein Gast. Jürgen reagierte höflich und sagte während des Songs ”Gesundheit”. Die Lacher des Publikums hatte er somit auf seiner Seite und als er gleich darauf sagte: ”nächstes Mal Taschentuch mitnehmen”, gab es einen spontanen Zwischenapplaus. Merle als Christine in weißem Kleid hatte nicht unbedingt die Stimme, die man für diese Rolle benötigt, lieferte aber doch eine schöne Interpretation von ”Denk an mich”. Beim Titelsong ”Phantom der Oper” meisterte sie sehr gut die hohen Töne, lediglich der Finalton war zu kurz. Jürgen hingegen hätte eine Spur tiefer liegen sollen. Maya war bei ihrer Paradedisziplin – dem Balladen singen – unschlagbar und erfüllte mit ihrer Stimme bei ”Gold von den Sternen/Mozart!” die Ruinenmauern wie keine andere. Caroline war in der Rolle der Constanze bei ”Irgendwo wird immer getanzt” ein ungewohnter Anblick, aber sie überzeugte und hatte vor allem einen herrlichen, von der Hausarbeit gelangweilten, Gesichtsausdruck aufgesetzt. Marion Furtner gab mit viel Leidenschaft ”Mondlicht” aus ”Cats” zum besten und traf wunderbar jeden Ton. In schwarzem Lederoutfit und mit witziger Stehfrisur fetzte Andy Freund bei einem Judas-Medley aus ”Jesus Christ Superstar” über die Bühne. Danach hätte Caroline ein Lied singen sollen, war auch schon auf der Bühne, doch das Orchester hatte irgendetwas dagegen und spielte stattdessen ”Ich gehör nur mir” aus ”Elisabeth” an. Maya reagierte jedoch geistesgegenwärtig hinter der Bühne und trat auf, sodass dieser kleine Fehler doch noch ausgebügelt werden konnte. Im wunderschönen Winterhalterkostüm sang sie ihre Lied, schade, dass sie nur so wenig ins rechte Licht gerückt wurde. Bei ”Boote in der Nacht” stand ihr Boris als forscher Kaiser, der weiß, was er gerne möchte, es aber nicht bekommt, zur Seite. J. Solis im Lackjäckchen mit ordentlich ausgepolsterten Schultern spielte einen sehr spöttischen Tod. ”Der letzte Tanz” wurde von ihm sehr abgehackt gesungen und passte nicht ganz zu seiner Stimme. Der ”Hair”-Block bestand aus drei Songs: ”Aquarius”, ”I got life” und ”Let the sun shine in”. Das Ensemble trug zum Stück passendes Gewand und verteilte Rosen – ganz im Zeichen der flower power – an einige Personen im Publikum. Besonders David Zinsmeister steigerte sich bei seinem Solo sehr hinein und kam bei dem schnellen Text zeitweise etwas durcheinander, was aber vermutlich nur Kennern des Musicals auffiel. Die Songs aus ”Tanz der Vampire” wurden von Boris Pfeifer, der über der Bühne, dort wo sich einst die Fenster befanden, stand und gespenstisch beleuchtet wurde, eingeleitet. Er war in dieser Rolle gewiss ein ungewohnter Anblick, doch irgendwie stand ihm das untot sein nicht so ganz. ”Totale Finsternis” gab es im Duett von Boris und Marion, die anfänglich ihren Part auf der Bühne sang, während Boris noch oben stand. Erst gegen Ende kam er zu ihr, um sie in seinen Umhang zu hüllen. Das Finale des ersten Teiles wurde mit dem Titelsong aus ”Tanz der Vampire” bestritten. Die Solisten befanden sich in den Fensterlichtungen oberhalb der Bühne, während sich das Tanzensemble auf der Bühne austobte.

Es folgte eine 25minütige Pause, in der sich alle stärken konnten.

Das Musical ”König der Löwen” machte den Anfang im zweiten Teil. ”Circle of life” wurde von Marion, Andy, Jürgen und Merle gesungen. Während Andy bei ”Jesus Christ Superstar” noch sehr energiegeladen war, wirkte er hier etwas unsicher. Einen guten Regieeinfall setzten die Tänzer/innen vor der Bühne in die Tat um. Genau wie im Musical wurden gebastelte Vögel auf langen Stangen über den Köpfen der Zuschauer geschwungen. Mit ”Can you feel the love tonight” hatte Jürgen den Song, der zu ihm am besten von allen passte, gefunden. In Elton John Manier präsentierte er diese schöne Ballade. Maya Hakvoort als Lucy aus ”Jekyll & Hyde” suchte sich bei ”Schafft die Männer ran” einige Männer im Publikum aus und verdrehte ihnen ordentlich die Köpfe. Da störte es niemanden, dass sie zeitweise irgendeinen Text erfand, da ihr der Originaltext abhanden gekommen war. Der ”Dirty Dancing”-Block schwächelte etwas. D. Zinsmeister als Patrick Swayze mit ”She’s like the wind” war stimmlich etwas zu hoch. Zu A. Freund wollte ”Hungry eyes” auch nicht so wirklich passen und Isabell’s Flugversuch in Jürgen’s Arme bei ”Time of my life” endete am Boden. ”Mit ”I know him so well”, einem zauberhaften Duett von Maya und Caroline wurde man allerdings wieder besänftigt. Einen absoluten Knaller lieferte Boris mit ”One night in Bangkok/Chess”. Der Text wurde von ihm auf rappende Art und Weise gesungen und die Tänzer/innen zeigten eine coole Hip Hop Performance mit akrobatischen Einlagen. Merle hatte mit ”Don’t cry for me Argentina” ein Solo, in einem weißen Kleid, das aber keine gute Figur machte. Bei ”Hopelessly devoted to you” war Caroline als Sandy schon sehr routiniert und beim schwungvollen ”Grease”-Medley wurde sie von David und Andy unterstützt. Mit ”Let’s hear it for the boy” aus ”Footloose” durften Magdalena, Daniela und Markus endlich von der rechten Seite in die Bühnenmitte wechseln und lieferten eine tolle, kraftvolle Nummer. Mit dem fetzigen Titellied konnte Jürgen Solis trotz textlichen Schwierigkeiten punkten. Wer sonst als Boris und seine Caroline durften in schönen originalwirkenden Kostümen ”The Beauty and the beast” singen. Als nächstes stand ein wahres Highlight an, das man guten Gewissens als den Höhepunkt der Show bezeichnen kann. M. Richter und M. Krammer kamen als Brad und Janet und begannen mit ”Over at the Frankenstein place” die ”Rocky Horror Show” einzuläuten. Andy Freund als Riff Raff sang aus einem leider unbeleuchteten Fensterloch. Dann kam er – David Zinsmeister als Frank’n’Furter. Grell geschminktes Gesicht, extralange Wimpern, eine schwarz-weiß trappierte Federboa am Kopf und weiße, pelzige Stöckelschuhe, der Rest wurde noch durch einen Umhang verhüllt. Kaum fiel dieser, ging die Post so richtig ab. ”Sweet Transvestite” David gab so richtig Gas und zeigte in sehr knappem schwarzen Lederoutfit mit Netzstrümpfen, was in ihm steckt. Während im Hintergrund bei Markus und Merle einige Hüllen fallen, stolzierte er durch’s Publikum, setzte sich auf einige Gäste, bis sein Blick auf Richard Lugner fiel. Dieser wurde gleich in ein witziges Interview verwickelt, gab aber gekonnt Contra. Natürlich durfte dann auch der ”Time Warp” nicht fehlen., der von Andy, Isabell und Ingrid bestritten wurde. Beim ”Mamma Mia” Medley stießen nach und nach alle Solisten in bunten Latex-Schlaghosenkostümen zu David, Jürgen, Marion und Merle und sorgten für ein Abbafeeling. Als Zugabe gab es aus ”Blues Brothers” ”Shake your tealfeather”, bei dem Jürgen selbst am Klavier spielte, während das ganz in schwarz gekleidete Ensemble Stepeinlagen lieferte. Der allerletzte Song war aber ”Everybody needs somebody”, bei dem die Künstler gemeinsam auf der Bühne agierten und sich vom begeisterten Publikum verabschiedeten.

Als optische Zugabe folgte ein tolles Feuerwerk, das den Nachthimmel über Gars am Kamp hell erleuchtete.

Alles in allem ein stimmungsvoller, bunter und unterhaltsamer Abend, dem aber etwas mehr Koordination sicher gut getan hätte. Aber man konnte so zumindest Erfahrungen sammeln, wie man es bei zukünftigen Shows dieser Art (die es mit Sicherheit geben wird) besser machen könnte.
Quelle: Andrea Martin

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