Footloose, Klagenfurt

Für die Wintersaison hatte man sich im Stadttheater Klagenfurt für das Tanzmusical ”Footloose” entschieden, das schon während des Musicalsommers 2004 in Amstetten sehr gut angekommen war. Die am 3.11.2006, einen Tag nach der Premiere, besuchte Vorstellung war sehr gut besucht und auch die Stimmung im Publikum schien vielversprechend. Von der seinerzeitigen Amstettner Produktion konnte man 12 Darsteller auch für diese Wiederaufnahme verpflichten.

Gleich zu Beginn wurde mit ”Footloose” so richtig losgelegt. Eine schöne, schweißtreibende Choreographie (Kim Duddy) mit interessanter Fusstechnik verlangt den Darstellern alles ab. Ren McCormack (Ralf Schaedler) feierte so seinen Abschied aus Chicago. Vom Vater im Stich gelassen, zieht er mit seiner Mutter Ethel (Annette Wimmer) zu seiner Tante Lulu (Christa Helige) und dessen Mann Wes (Dave Moskin). Bomont, ein kleiner Ort, den niemand kennt, soll seine neue Heimat werden. Doch die Idylle trügt. Während eines Gottesdienstes stellt Reverend Shaw Moore (Dennis Kozeluh) die Neuankömmlinge der Gemeinde vor. Die Kirchenszene wird mit dem Song ”On any sunday” untermalt und ein gut gelungener Lichteinfall sorgt für das Kirchenfeeling. Ariel (Sabine Mayer-Fowler), die Pfarrerstochter fällt Ren sofort auf, doch sie ist bereits mit Chuck Cranston (Rob Fowler) zusammen. Chuck stellt auch sofort mit ”The girl gets around” klar, dass Ariel zu ihm gehört. Rob wirkt im Cowboylook absolut cool und harmoniert mit Sabine (seiner Frau) wirklich gut. Zum Schluss dürfen sich die beiden sogar küssen.

Ren stößt mit Willard Hewitt (Peter Lesiak) zusammen. Dieser versucht seine Unsicherheit mit einem besonders ungestümen Auftreten wettzumachen. Peter Lesiak wirkt im Gegensatz zur Amstettner Besetzung (Mark Seibert), aufgrund seiner Größe, in dieser Rolle nicht so gut. Dafür versucht er sich so breit wie möglich zu machen und mit einer tiefen, männlichen Stimme zu sprechen. Bei ”I can’t stand still” liefert Ralf tolle Breakdanceeinlagen, stimmlich ist er aufgrund seiner eigenen englischen Aussprache eher im Mittelfeld. Von der Schuldirektorin Clark (Jacqueline Braun) erfährt er, dass tanzen strengstens verboten ist. Das weibliche Trio Infernale Rusty (Kudra Owens), Urleen (Lorna Dawson) und Wendy Jo (Ilse La Monaca) klärt ihn diesbezüglich auf. Vor fünf Jahren gab es in Bomont einen schweren Verkehrsunfall, bei dem vier Jugendliche, u.a. der Sohn des Reverend, ums Leben kamen. Moore hatte deshalb den Stadtrat überzeugt, ein Gesetz zu erlassen, dass das Tanzen verbieten soll, da dies der Grund allen Übels war. Ren wird aufgrund seiner kämpferischen Einstellung zum Aussenseiter. Mit ”Somebody’s eyes” klären ihn Rusty, Urleen und Wendy Jo auf, dass er immer und überall beobachtet werden würde. Ein Titel, bei dem die drei stimmlich gut miteinander harmonieren. Bei den Moore’s herrscht eine angespannte Stimmung, der Reverend möchte seine Tochter kontrollieren, während Vivian Moore (Luzia Nistler) versucht zwischen den beiden zu vermitteln. Auch Ethel McCormack darf ihrem Sohn keine Hilfestellung geben, da das von ihren Verwandten nicht gut geheißen würde. In getrennt dargestellten Räumen beklagen die beiden Frauen in dem Duett ”Learning to be silent” ihre Ohnmacht nichts für ihre Kinder tun zu können. Ein gefühlvoller Song der beiden einsamen Mütter. Ren hat einen Job im ”Burger Blast” bekommen. Auf Rollschuhen bedient er die Kunden mit Fastfood. Ralf Schaedler zeigt gut den tollpatschigen Rollschuhläufer, obwohl er eigentlich ja schon in ”Starlight Express” aufgetreten ist. Willard und Rusty mögen einander, doch es kommt nie zu einer Unterhaltung, beide sind zu schüchtern. Ariel nimmt das zum Anlass, um über Männer zu philosophieren. Gemeinsam mit Kudra, Lorna, Ilse und Jacqueline singt sie ein stimmgewaltiges ”Holding out for a hero”. Die Männer des Ensembles erscheinen im Chippendaleoutfit und werden am Ende des Songs prompt von ihren langen schwarzen Hosen befreit. In einem silber glänzenden Hauch von Nichts und mit obligatorischem Mascherl zeigen sie eine muskulöse Schlussposition. Plötzlich stürmt Chuck ins Lokal. Er ist stocksauer, weil Ariel ihn versetzt hat. Ren versucht ihn zu beruhigen, doch erst als Betty Blast (Jacqueline Braun) eingreift, zieht er von dannen. An dieser Stelle sei auch Jacqueline’s mutiges Outfit – rosa Minikleidchen und blonde Lockenpracht – erwähnt. Ariel hat Vertrauen zu Ren gefasst und zeigt ihm ihren Lieblingsort. Es ist eine Brücke unter der die Züge durchfahren. Ihnen schreit sie ihr Fernweh nach. Ren bringt Ariel nachhause. Dort stört er durch sein Auftauchen die gerade stattfindende Kartenrunde, die sich umgehend auflöst. Der Reverend verbietet seiner Tochter ein Wiedersehen mit ihm. Dennis Kozeluh versetzt sich wirklich gut in die Rolle des verbitterten, verschlossenen Reverend und überzeugt mit seiner unvergleichlichen Stimme beim Solo ”Heaven help me”. Chuck, der auf Ren eifersüchtig ist, überfällt ihn gemeinsam mit seinen Freunden. Verletzt erscheint er zum Sportunterricht. Turnlehrer Dunbar (Norman Stehr) glaubt ihm nichts und erlegt der ganzen Klasse zur Strafe 50 Liegestütze auf. Ren hat genug von der Situation und ruft zum Kampf gegen das Gesetz auf. Er will sich dem Stadtrat entgegenstellen und die Position der Jugendlichen klar machen. Eine schöne Gruppenszene mit ”I’m free/Heaven help me” beschließt den ersten Akt.

Nach der Pause findet man sich in einer Country- und Westernbar wieder. Ren konnte Ariel, Willard und Rusty zu einem Ausflug dorthin überzeugen. Irene (Jacqueline Braun) tritt im Korsett und kurzem Röckchen mit einer Countryband und dem Song ”Let’s make believe we’re in love” auf. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme kann sie so gut wie alles singen und ach das Metier Country liegt ihr. Musikalisch wird sie von Dave Moskin auf der Mundharmonika unterstützt. Rusty möchte endlich mit Willard tanzen. Dieser drückt sich jedoch davor und gesteht Ren, dass er ”es” nicht kann. Ren bezieht ”es” auf etwas anderes und es kommt zu einer lustigen Verwechslung. Als Willard jedoch zugibt, nicht tanzen zu können, ist es plötzlich still – alle konnten es hören. Ihm ist das natürlich sehr peinlich, doch die Jungs in der Bar lassen es sich nicht nehmen, ihm zu zeigen, wie man tanzt. Kudra Owens singt ein fetziges ”Let’s hear it for the boy”, während Peter Lesiak Tanzunterricht erhält. Mit verschiedenen Hilfsbewegungen wie z.B. Kuh melken oder Kugel stoßen, wird ihm gezeigt, dass Tanzen keine Hexerei ist. Dann auf einmal scheint der Knopf aufgegangen zu sein und Lesiak tanzt, als ob es um sein Leben ginge. Rusty ist überglücklich und am Ziel ihrer Träume, als sie schlussendlich gemeinsam tanzen. Zuhause bei Ariel kommt es fast wieder zu einem Streit zwischen Vater und Tochter. Moore hat verlernt außer dem strengen Vater auch ein guter Freund für sie zu sein. Auch Vivian hat den Zugang zu ihrem Mann verloren. Dennis und Luzia haben mit ”Can you find it in your heart?” ein starkes Duett. Willard versucht mit seinen Freunden Jeter (Philip Ranson), Bickle (Marcus Tesch) und Garvin (Miha Podrepsek) Ren mit Weisheiten seiner neunmalklugen Mutter aufzuheitern, da dieser an sich selbst und seinem Vorhaben zu zweifeln beginnt. Mit ”Mama says” liefern die vier eine unterhaltsame, schwungvolle Einlage, vor allem die Verkleidung mit Schürze, Kopftuch und Strohhaaren, die etwas an eine Vogelscheuche erinnert, ist gelungen. Ren kümmert sich um Ariel, die von Chuck geschlagen worden war. Sie gestehen einander beim Duett ”Almost paradise” ihre Liebe. Ein schönes Lied, bei dem Sabine aber stimmlich die Oberhand behält. Ren versucht unter Zuhilfenahme von Bibelzitaten den Stadtrat bei ”Dancing is not a crime” zu überzeugen, dass das Tanzen nicht gefährlich ist, sondern von Gott akzeptiert wird. Doch trotz tollen Hip Hop Einlagen haben die Kids keine Chance. Vor allem Reverend Moore ist strikt dagegen. Ren sucht das Gespräch mit dem Reverend und kann ihn nachdenklich stimmen. Bei ”I confess” überzeugt Kozeluh mit Gesten und Mimik und man merkt, wie sehr er seinen Sohn vermisst. Er ändert seine Meinung und gibt sie offiziell in der Kirche bekannt. Diese Entscheidung führt zum großen Finale. Fliegende Kleider, ein toller Sound und jede Menge akrobatische Einlagen wie Salti oder Schulterwürfe lassen eine ausgelassene Partystimmung entstehen. Sogar der Stadtrat und die Eltern der Kids tanzen begeistert mit.

Eine tolle Show geht zu Ende und auf das Publikum regnet es jede Menge bunte Papierschlangen von der Decke. Bei diesem Stück ist gute Laune garantiert, aber auch nachdenkliche, gefühlvolle Momente kommen nicht zu kurz. Eine Show, die einen Besuch wert ist und noch bis 7.1.2007 im Stadttheater Klagenfurt zu sehen ist.
Quelle: Andrea Martin

[yasr_visitor_votes size=”small”]

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!