A good man, Kammeroper

Wieder einmal hat sich die Kammeroper einer Musicaluraufführung angenommen und mit ”A good man” einen Volltreffer gelandet. Basierend auf einer Novelle von Jefferson Young haben Roy Leslee (Musik) und Philip S. Goodman (Buch und Texte) ein berührendes Stück über die Probleme der Farbigen in Mississippi nach dem 2. Weltkrieg geschaffen.

Das ganze Stück wird in englischer Sprache gespielt, deutsche Übersetzungen werden deshalb über der Bühne eingeblendet. Aufgrund des amerikanischen Akzents einiger Darsteller ist das gar keine so schlechte Lösung, um für ein besseres Verständnis zu sorgen.

Albert (David Durham) ist ein armer Farmer, der sich hauptsächlich mit dem Anbau von Baumwolle beschäftigt. Er lebt mit seiner Frau Louella (Amber Schoop), die nach langer Zeit wieder schwanger ist, seinem Sohn Cooter (Quintin Gray) und der alten Granny (Carole Alston) in einem baufälligen Haus und schafft es mit Ach und Krach seine Familie zu ernähren. Er möchte das Glück, das er mit seiner Familie genießt, seiner Umgebung mitteilen und deshalb sein Haus weiß streichen. Doch ein weißes Haus passt nicht zu Schwarzen und sollte ein Privileg der Weißen sein. Doch Albert ist nicht von seiner Idee abzubringen. Mit seiner Hartnäckigkeit spielt er mit dem Leben seiner Familie und Freunde, da es Leute gibt, die seine Aufsässigkeit nicht für gut heißen und ihn am Boden zerstört sehen wollen.

Zu den einzelnen Charakteren:

Albert wird von David Durham gespielt. Inspiriert von einem weißen Haus möchte er sein altes Heim umstreichen. Für ihn würde dies bedeuten, dass man wer ist. Ein Mensch, wie jeder andere auch und nicht ”nur” ein Schwarzer. Die Leute in der Umgebung teilen leider nicht seine Einstellung und versuchen ihn einzuschüchtern. Diese Menschen sieht man nicht. Das Publikum erlebt lediglich die Ängste von Albert und seiner Familie und die verschiedenen Schicksalsschläge, die ihm wiederfahren. Durham hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz und setzt alle Gefühle, die seine Rolle durchleben muss, gekonnt um. Mit ”White House”, ”I got right” oder ”Lay by” liefert er mit seiner kräftigen Stimme einen beeindruckenden Song nach dem anderen.

Die Rolle von Louella, Albert’s Frau, hat Amber Schoop übernommen. Die hübsche Holländerin wirkt vom Aussehen her eher wie seine Tochter. Da sie dieser jedoch ”Mama” nennt, kann man sich die Familienverhältnisse besser vorstellen. Louella ist eine starke Frau, die nur das Beste für ihre Familie möchte. Besonders zu Herzen geht der mit viel Gefühl interpretierte Song ”How the happy girl got lost”, in dem sie um ihre soeben verstorbene Großmutter trauert. Eine starke Szene hat sie, als sie das Kalb erschießt, bevor die plötzlichen Feinde der Familie ihm etwas Schlimmeres antun.

Quintin Gray ist Cooter. Er ist der jüngste der Darsteller und gibt in dieser Show, genauso wie fünf andere Schauspieler, sein Debüt an der Kammeroper. Er spielt einen schüchternen Jungen, der nur den Wunsch hat, normal wie jeder andere auch zu leben. Leider wird ihm dieser Wunsch nicht erfüllt. Gesanglich zeigt er u.a. bei ”Pictures” und ”Rain Man” sein Können. Schauspielerisch muss er sich vor allem bei einer Szene beweisen, nämlich als er mit weißer Farbe beschmiert einer Gefangenschaft entronnen ist.

Lerato Sebele ist in die Rolle der Lettie geschlüpft. Lettie ist für die Männergeschichten zuständig. Ein Mann ist ihr nicht genug, was sie auch in einem schwungvollen Song zum Ausdruck bringt. Mit den zwei Männern, Augustus und Preacher Tom, ist sie sehr zufrieden, doch sie überlegt, ob sie sich nicht noch einen dritten zulegen soll. Als sich die Ereignisse jedoch überschlagen, zieht sie es vor mit Augustus als dessen Frau wegzuziehen. Es folgt eine kurze Trauung und ein fröhliches ”Celebration” vom gesamten Ensemble.

Stephen Shivers spielt Preacher Tom. In gelber Kutte dirigiert er mit ungeahnten Energien bei ”Take me home” das Ensemble. Ein sehr rhythmischer Gospelsong, bei dem man am liebsten mit Shivers mitklatschen würde. Die Granny kann zu dieser Einlage zur noch ”Hallelujah” sagen. Einen berührenden Moment gibt es beim Begräbnis der Großmutter, welches neben dem Publikum stattfindet.

Die größte Verwandlung in dem Stück macht Carole Alston in der Rolle der Granny. Sie scheint mit der grauen Perücke, grauen Augenbrauen, ungeschminkt tatsächlich um Jahre gealtert. Lediglich an der Stimme erkennt man, dass sie das Alter ihres Rollenegos noch lange nicht erreicht hat. Sie muss sich auf zwei Gehstöcke stützen, damit sie mit ihren altersschwachen Beinen gehen kann. Sie singt ein nachdenkliches ”Prayer”. Das Publikum erfährt, dass die Granny des Lebens überdrüssig geworden ist. Im zweiten Teil stirbt sie nach einem Sturz vor dem Haus einen stillen Tod und ist endlich erlöst. Nur ihre Verwandten wissen nicht, wie sie das Begräbnis bezahlen sollen.

Augustus wird von Cedric Hayman dargestellt. Er ist ein Verehrer von Lettie und es scheint, als ob er den Blues für sich gepachtet hat. Bei ”Long Brown Woman” erfährt man von seiner Vorliebe für High Heels bei Frauen. Er rockt das Haus und greift sogar selbst zur Gitarre.

Alvin Le-Bass sorgt als Hardway für die Versorgung der Leute mit der richtigen Versicherung. Doch aufgrund von Betrügereien verliert er seinen Job. Dagegen konnte er sich nicht versichern. Besonders ergreifend, als er beim Begräbnis der Granny seine Gefühle nicht zurückhalten kann und ihm die Tränen über das Gesicht laufen.

Charles Hensley als John Tittle ist der einzige Weiße in diesem Stück. John ist der Besitzer des Landes, das Albert bewirtschaftet und auch sein Haus gehört ihm. Aus diesem Charakter wird man nicht immer schlau, da er einmal gegen den Anstrich des Hauses ist und auch um seine Existenz fürchtet, ein anders Mal will er wiederum Albert beim Streichen helfen. Makaber, als er zur Abschreckung ein an ein Brett angenageltes, blutiges Opossum erhält. Hensley ist in seiner Rolle gesanglich nicht gefordert, dafür überzeugt er aber auch mit einer guten schauspielerischen Leistung.

Einen tollen, erwähnenswerten Auftritt gibt es bei dem Song ”Night Moves”, den Albert, Louella und Cooter singen. Das Lied, das sich auf die Angst vor dem Dunkel der Nacht bezieht, kann man auch auf die Hautfarbe umlegen. Die drei fühlen sich aufgrund ihrer schwarzen Farbe benachteiligt und lassen ihren Ängsten freien Lauf.

Dieses Musical ist wirklich einen Besuch wert. Ein gelungener Abend mit wunderbaren Schauspielern und Sängern, emotionalen Songs und einer berührenden Hintergrundgeschichte.
Quelle: Andrea Martin

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  • Amber Schoop (“Louella”), David Durham (“Albert”), Quintin Gray (“Cooter”)
    Amber Schoop (“Louella”), David Durham (“Albert”), Quintin Gray (“Cooter”)
    © Christian Husar
  • A good man
    A good man
    © Holger Bleck
  • Ray Leslee & Philip S. Goodman
    Ray Leslee & Philip S. Goodman
    © Holger Bleck
  • Cedric Hayman (
    Cedric Hayman ("Augustus"), Stephen Shivers ("Preacher Tom"), Alvin Le Bass ("Hardway"), Lerato Sebele ("Lettie"), Carole Alston ("Granny"), Amber Schoop ("Louella")
    © Christian Husar
  • Carole Alston (
    Carole Alston ("Granny")
    © Christian Husar
  • Amber Schoop (“Louella”), Carole Alston (“Granny”), Lerato Sebele (“Lettie”)
    Amber Schoop (“Louella”), Carole Alston (“Granny”), Lerato Sebele (“Lettie”)
    © Christian Husar
  • Amber Schoop (
    Amber Schoop ("Louella"), Quintin Gray ("Cooter"), Lerato Sebele ("Lettie"), Cedric Hayman ("Augustus"), David Durham ("Albert")
    © Christian Husar
  • David Durham (
    David Durham ("Albert")
    © Christian Husar
  • Charlie Hensley (
    Charlie Hensley ("John Tittle"), David Durham ("Albert")
    © Christian Husar

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