Tanz der Vampire in concert

Lang lang ist es her, dass die tanzenden Vampire im Raimundtheater auf der Bühne standen. Genaugenommen sind es schon zehn Jahre, denn die Premiere der Welturaufführung fand am 4.10.1997 statt. Aus diesem Grund haben sich die Vereinigten Bühnen Wien, unter der Intendanz von Kathrin Zechner, entschlossen die Vampire aus ihren Gruften herauszulocken und sie in insgesamt acht Shows in konzertanter Fassung auf die ahnungslosen Zuseher loszulassen. Am 3.2.2007 befanden sich einige bekannte Gesichter unter den Premierengästen so u.a. auch Michael Niavarani, Birgit Sarata und Hans Staud, Kim Duddy, Werner Stranka, Carin Filipcic, Eva Maria Marold, Alexander Goebel, Rudi Klausnitzer, Lenneke Willemsen, Jacqueline Braun….

Nach einer kleinen Ansprache von Kathrin Zechner, die einige der Anwesende begrüsste, kam der Auftritt vom Vater der Vampire höchstpersönlich. Groß in Szene gesetzt wurde der Einmarsch in den Theatersaal von Roman Polanski, der extra nach Wien gereist war, um die Wiederauferstehung der Blutsauger zu erleben. Nachdem sich der Jubel ihm zu Ehren gelegt hatte, ging der Vorhang hoch und das Orchester der VBW, unter der Leitung von Caspar Richter, stimmte die Overtüre des Stücks an.

Sollte irgendjemand das Stück nicht kennen, hier ein kurzer Einblick in die Handlung:

Professor Abronsius (Gernot Kranner) und sein junger Assistent Alfred (Lukas Perman) sind aus Forschungsgründen in Transsylvanien gelandet. Sie kommen in ein Wirtshaus, wo jede Menge Knoblauch, ein Zeichen für die Existenz von Vampiren, herumhängt. Der jüdische Wirt Chagal (Thomas Bayer) und seine Frau Rebecca (Tina Schöltzke) haben eine schöne Tochter, namens Sarah (Marjan Shaki), deren Lieblingsbeschäftigung das Baden ist. Alfred hat sich sofort in sie verliebt. Der Professor hingegen hat das Ziel seiner Mission entdeckt (das Schloss) und ist fest entschlossen den Geheimnissen vor Ort auf den Grund zu gehen. Sowohl Chagal als auch die Magda (Suzanne Carey) werden im Laufe der Handlung selbst zu Vampiren. Der Schlossbesitzer, Graf von Krolock (Thomas Borchert), lädt Sarah zu einem Ball auf sein Anwesen ein. Auch die beiden Vampirjäger machen sich auf den Weg zum Schloss und treffen dort u.a. auf Herbert (Tim Reichwein), den schwulen Sohn des Grafen, der sofort Alfred zu umwerben beginnt. Professor Abronsius und Alfred versuchen Sarah zu befreien, doch sie können den alles entscheidenden Biss am Ball nicht verhindern. Erst danach können sie gemeinsam fliehen. Doch für das Mädchen ist es bereits zu spät. Als Untote macht sie Alfred zu ihresgleichen und nur der Professor ist im Glauben, dass das Schlimmste überstanden ist. Doch wehe, wenn die Vampire einmal losgelassen sind, dann kann sie nichts und niemand mehr aufhalten….

Obwohl es sich um eine konzertante Fassung des Musicals handelte, traten die Darsteller, sehr zur Freude des Publikums, in Kostümen auf. Sie waren nicht alle originalgetreu, verfehlten aber trotzdem nicht ihre Wirkung. Als Bühnenbild borgte man sich die Stiegenaufgänge von ”Rebecca” aus. Weiters gab es Türrahmen, provisorische Betten und eine sehr moderne, durchsichtige Badewanne. Ein guter Regieeinfall war es, den Grafen zeitweise in der linken Loge auftauchen zu lassen.

Die Darsteller konnten sich auch sehen lassen. Von der Urbesetzung vor zehn Jahren waren vier Darsteller mit von der Partie (Suzanne Carey, Ramona Ludwig, Christa Helige), allen voran aber Gernot Kranner, der schon damals für seine Interpretation des schusseligen Professors ausgezeichnet wurde. Als Graf von Krolock konnte man Thomas Borchert verpflichten, der auch zur Zeit in Berlin diesen Part spielt. Seine Titel wie ”Sei bereit”, ”Einladung zum Ball” oder das Solo ”Die unstillbare Gier” sang er mit hoher Professionalität und wusste sich mit Gesten auf der Bühne in Szene zu setzen. Majestätisch schritt er von einer auf die andere Seite und zeigte eine tolle Bühnenpräsenz. Einige Songs sang er in typischem Borchertstil und da verzieh man es ihm auch, wenn er zeitweise seine Beißerchen herausnahm, um die Lieder mit mehr Text besser singen zu können.

Die Sarah wurde von Marjan Shaki verkörpert. Bereits in Stuttgart war sie die alternierende Sarah und hatte dort ihr erstes Engagement. Marjan spielte gleich von Anfang an eine sehr starke Sarah, die weiß, was sie will. Gottseidank durfte sie die neckischen Zöpfchen bald öffnen und die Haare offen tragen, was viel besser wirkte. Besonders schön anzusehen war sie in der Finalszene im roten Ballkleid, wenn sie den Todesbiss Krolocks entgegennimmt. Borchert rollte diabolisch die Augen und Blut floss in Strömen. Nachdem Marjan zu einem Vampir geworden war, liebäugelt sie mit Lukas Blutgefässen und darf natürlich auch davon naschen.

Für Lukas Perman war diese Rolle neu, auch wenn er schon das ein oder andere Lied bei diversen öffentlichen Auftritten singen durfte. Im Vorfeld fragten sich sicher viele, ob er ein guter Alfred sein würde. Die Zweifel konnten aber rasch beseitigt werden. Zu Beginn tritt er bei der Suche nach dem Professor ängstlich und mit zittriger Stimme auf. Bei seinen Duetten mit Sarah wie ”Ein Mädchen, das so lächeln kann”, ”Draußen ist Freiheit” oder seinem Solo ”Für Sarah” hat er seine Stimme wiedergefunden und überzeugt mit einer tollen gesanglichen Leistung. Die kleine Schaffenspause nach ”Romeo & Julia” dürfte gut getan haben und vor allem die Töne in den höheren Lagen saßen einwandfrei.

Zur Gernot Kranner als Professor Abronsius gibt es eigentlich nur ein Wort zu sagen – genial. Er spielte seinen Part so, als ob es nie eine Pause von ”Tanz der Vampire” gegeben hätte. Der schrullige Professor ist ihm wie auf den Leib geschnitten und er sorgte für Lacher, wenn er bei ”Ich suche Wahrheit” oder dem ”Bücherlied” seine schnelle Zunge unter Beweis stellte.

Thomas Bayer als jüdischer Wirt Chagal und Tina Schöltzke als seine Frau Rebecca gaben ein gutes Team ab und mit Suzanne Carey als Magda wurde das Gasthaustrio komplettiert. Letztere sang ihr Solo ”Tot zu sein ist komisch” mit starker Stimme und man verzieh ihr somit die etwas unvorteilhafte Haarpracht.

Tim Reichwein überzeugte als Herbert mit Mimik und Gesten. Nur stimmlich war er der Rolle nicht gewachsen, sodass Suzanne Carey auch einige Gesangsparts dieser Rolle übernahn.

Das Ensemble bestand aus Lorna Dawson, Christa Helige, Katharina Anna Klavacs, Ramona Ludwig, Miruna Mihailescu, Iris Morakis, Caroline Sommer, Noud Hell, Markus Simader, Roman Straka, Akós Tihanyi und Ronnie Wagner. Besonders hervorzuheben sind Ramona Ludwig und Akós Tihanyi, die bei den Tanzsequenzen (”Die roten Stiefeln”, ”Fühl die Nacht/Carpe Noctem”) beeindruckende, akrobatische Soloeinlagen liefern.

Viel zu schnell gingen diese 90 Minuten (ohne Pause) zu Ende und das Finale endete in ohrenbetäubendem Applaus. Es gab vom Publikum standing ovations und nicht enden wollende Begeisterungsstürme. Die Darsteller wurden immer wieder auf die Bühne gerufen und genossen sichtlich das Bad in der Menge.

Und wenn die Vampire nicht gestorben sind, dann werden sie vielleicht eines Tages wieder allabendlich aus ihren Särgen und Gruften kommen, um an einem Wiener Theater ihr Unwesen zu treiben.
Quelle: Andrea Martin

[yasr_visitor_votes size=”small”]

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!