Jesus Christ Superstar, Votivkirche

An einigen Bühnen ist es Tradition kurz vor oder zu Ostern die Rockoper ”Jesus Christ Superstar” ins Programm aufzunehmen. Die bekannte Geschichte der letzten sieben Tage im Leben Jesus Christus hat in der englischen Fassung schon viele Besucher begeistert, dass es aber auch eine deutsche Version gibt, ist vielleicht nicht so bekannt. Diese stammt von Anja Hauptmann, ist aber bei vielen Textpassagen sehr gewöhnungsbedürftig (”…während ihr wie Gänse schnattert…”, ”….das Fieber, das in dir blüht…” oder ”Der Jesus ist cool”, um nur einige Auszüge zu nennen).

Am 30. und 31.3.2007 fanden zwei konzertante Aufführungen in der Wiener Votivkirche statt und für ca. 800 Besucher pro Abend stand ein Kirchenbesuch der besonderen Art am Programm. Vor dem Alter des gotischen Bauwerks war ein Podest aufgebaut, auf dem die Darsteller Platz fanden, davor saßen die sechs Musiker. Diese leisteten unter der Leitung von Frizz Fischer tolle Arbeit, da die Instrumente gut auf die besondere Raumakustik abgestimmt waren und der Gesang der Künstler im Vordergrund stand. Ein weißer Vorhang diente als Hintergrund.

Die Geschichte, die in diesem Musical erzählt wird, ist hinlänglich bekannt, Jesus versammelt seine Jünger um sich, Maria Magdalena, eine Prostituierte ist die Frau an seiner Seite, die Priester konnten von dem schlechten Einfluss, den Jesus auf die Menschen ausübt, überzeugt werden und schicken ihn zu Pilatus, nachdem Judas Jesus verraten hat, wird dieser verhaftet, nach einem Verhör von Herodes und Pilatus gefoltert und letztendlich gekreuzigt.

Eine Geschichte über Liebe, Leid, Verrat, Unterdrückung, Geldgier, Macht und Leidenschaft. Dazu kommen noch die bekannten Melodien wie z.B. ”Gethsemane”, ”Wie soll ich ihn nur lieben” oder ”Jesus Christ Superstar”. Die konzertante Fassung dauerte inklusive einer Pause gute zwei Stunden und so manch sehr gut Ausgerüsteter im Publikum hatte Sitzkissen und Decken dabei. Trotz der Vielzahl an Menschen war es ziemlich kalt und so manchem liefen kalte Schauer über den Rücken. Auch die Darsteller waren zum Teil gut verpackt, da sie während der Vorstellung hinter einem Mikroständer standen und sich nicht wirklich viel bewegen durften.

Als Jesus von Nazareth konnte man René Rumpold erleben. Er war eine beeindruckende Erscheinung, aber so ganz schien er sich nicht in der Rolle wohlzufühlen, was sich auch oft in einem zu angestrengten Gesichtsausdruck äußerte. Besonders an seine Stimme stellten die zum Teil hohen Töne große Anforderungen und der Wechsel in die Kopfstimme gelang nicht immer. Er bewältigte Titel wie ”Der Tempel”, ”Das letzte Abendmahl” oder ”Gethsemane” trotzdem gut und machte sein Manko in den hohen Langen in den tieferen wieder wett.

Keinerlei Probleme hatte Armin Rostami als Judas. Mit dieser Interpretation könnte sich sein Bekanntheitsgrad in Wien bald steigern. Mit großartiger Stimme gab er seine Songs wie ”Weil sie ach so heilig sind”, ”Verdammt für alle Zeit” oder ”Jesus Christ Superstar” zum Besten. Die Töne saßen und er stellte mit jedem Song seine facettenreiche Stimme erneut unter Beweis.

Luzia Nistler wirkte als einzige Frau auf der Bühne (die Soulgirls standen davor) etwas verlassen. So ganz nahm man ihr die Rolle der Maria Magdalena nicht ab, was auch zum großen Teil daran lag, dass sie den Text fast ausschließlich aus dem Textbuch entnahm und somit jeglicher Blickkontakt sowohl zu ihrem Jesus-Partner Rene Rumpold als auch dem Publikum fehlte. Gesanglich war sie gut, aber ihrer Interpretation fehlte das gewisse Etwas.

Terry Chladt als Pontius Pilatus sang mit sanfter Stimme ”Pilatus Traum”, den das Publikum gut nachvollziehen konnte. Beim Verhör jedoch hatte er seine Stimme komplett verändert und wirkte richtig bedrohlich. Sehr gute gesangliche Leistungen lieferten auch Artur Ortens (Kaiphas) und Daniél Williams (Annas). Sie zeigten wie, gegensätzlich Stimmen doch sein können. Während Ortens für die tiefen Töne zuständig war, sang Williams in den höchsten Tönen und versetzte mit seinem Gesang das Publikum in Staunen. Christian Deix hätte aus seiner Herodes Darstellung mehr machen können, da der ”Herodes Song” der Titel mit dem meisten Humor ist. Seine jazzige Einlage und sein Powackler waren witzig, doch etwas zu wenig. Benjamin Rufin gab bei ”Simon Zealotes” ordentlich Gas und hielt während des Songs mit Rumpold schön Blickkontakt, was hier besonders wichtig ist, da er in dem Song Jesus auffordert, sich mit Rom anzulegen.

Tobias Strohmaier als Petrus darf in ”Lass uns neu beginnen” mit Luzia Nistler singen. Von diesen beiden gibt es ein harmonisch gut abgestimmtes Duett zu hören.

Besonders erwähnenswert die Gruppensongs wie ”Hosanna” oder ”Was ist los?/Wie soll es weitergehen?”, die toll miteinander gesungen wurden und sogar teilweise im a cappella Stil dargebracht wurden, was die Stimmen noch besser zur Geltung brachte. Nicht zu vergessen natürlich die drei Soulgirls Elisabeth Fruhmann, Antje Kohler und Melanie Waldbauer, die ihre Kollegen stimmgewaltig unterstützten.

Am Ende des Konzerts war das Publikum restlos begeistert und es durfte sogar ordentlich in der Kirche geklatscht werden. ”Could we start again please” und der Finaltitel ”Jesus Christ Superstar” wurden zum Abschluss auf englisch gesungen und das Publikum verabschiedete sich von den Darstellern mit standing ovations. Regisseur Robert Vollmer hatte mit diesem Stück ein gutes Händchen bewiesen und wäre das Konzert noch öfter auf dem Programm gestanden, die Kirche wäre mit Sicherheit immer voll geworden.
Quelle: Andrea Martin

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