Dance Fever, Wiener Stadthalle

Nicht überall, wo die Originalschrift von ”Dirty Dancing” auf rosa Hintergrund verwendet und mit dem Bild von Jennifer Grey und Patrick Swayze geworben wird, steckt auch ”Dirty Dancing” dahinter. Das Tanzmusical ”Dance Fever” ist seit 23.12.2006 auf großer Tournee im deutschsprachigen Raum. Eine beachtliche Anzahl an Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen auf dem Programm. In Wien machte das Stück von 10.4.-13.4. und 10.5.-13.5. in der Halle F der Wiener Stadthalle Station. Die Halle war bei der besuchten Vorstellung sehr gut besucht und das Publikum gespannt und voller Erwartungen. Einige Erwartungen konnten erfüllt werden, andere blieben auf der Strecke. Wenn man schon ein Musical mit ”Dirty Dancing” assoziiert, dann sollten auch DIE Lieder des Stücks, die bis dato Millionen begeistert haben enthalten sein. Lediglich zwei Songs (”Be my baby” und ”I’ve had the time of my life”) werden gespielt, wobei letzterer erst im Finale, als Bonus, vorkommt, wo eigentlich die Geschichte schon fertig erzählt ist und sich bereits alle wieder liebhaben.

Zur Show selbst. Die Story ist eine Mischung aus ”Dirty Dancing” und ”Miami Nights” (aus diesem Stück stammt der Nachname von Jenny’s Familie ”Miller”, der auch für die Tanzschule von Jenny’s Eltern namensgebend ist). Von jeder Show wurde ein wenig ausgeborgt und zu einem Ganzen zusammengefügt. Die ”Dirty Dancing”-Hauptdarstellerin Jennifer Grey war beispielsweise Namensgeberin für die weibliche Hauptrolle, die Jenny hieß. Ihr Tanzlehrer wurde mit dem gleichen Vornamen wie Tony Manero aus ”Saturday Night Fever” benannt.

Ein toller Tänzer, Tony, will einen Wettbewerb gewinnen. Seine Tanzpartnerin verletzt sich aber und ein Ersatz muss her. Der findet sich in Jenny, die anfangs jedoch sehr unbeweglich und steif agiert. Sie verliebt sich in den Südamerikaner Tony, was wiederum ihre Eltern nicht gern sehen. Tony’s Aufenthaltsgenehmigung läuft ab und er muss das Land verlassen. Schließlich gibt sich Jenny’s Vater doch einen Ruck und hilft ihm bezüglich des Visums. Zu guter letzt gewinnen die beiden natürlich noch den Tanzwettbewerb – Ende gut alles gut.

Ein großes Plus der Show waren die vielen Songs. Knapp 30 wurden, meist von denselben Sängern/innen dargeboten und waren eine gute Mischung aus Liedern der 60er Jahre. Leider konnte man manchmal nicht nachvollziehen, warum ein bestimmter Song gespielt wurde. So wurde beispielsweise die Bühne von der Tanzschule in eine Strandszene umgewandelt, untermalt von ”Blue Moon”, obwohl es nicht Nacht war. Die Gesangsnummern teilten sich einige wenige Darsteller.

Sanna Nymann darf u.a. ”Peaches ’n Cream”, ”Nobody does it better” oder ”Total eclipse of the heart” interpretieren. Stimmlich gesehen sticht sie nicht sonderlich hervor und wirkt zeitweise etwas steif. Leider überhaupt nicht vorteilhaft ist das grauenhaft arrangierte ”Total eclipse of the heart”, bei dem Janina Elkin (Jenny) und Andreas Rohner (Tony) einen wirklich schönen Siegestanz mit tollen Figuren hinlegen. Für diese Szene wäre ein anderer Titel wesentlich besser geeignet gewesen.

Claudia Brand, die Jenny’s Mutter Maria spielt, darf leider nur zweimal singen. Mit Michael Wallfass gibt es ein witziges ”Never on sunday” und mit ihrer Bühnentochter ein schönes Duett mit ”Daydream believer”. Das war dann auch schon der erste und einzige gesangliche Beitrag von Janina Elkin. Warum sie als ausgebildete Sängerin eigentlich gar nicht singen darf, bleibt ein Rätsel. Für die Rolle der Jenny, die anfangs etwas schüchtern ist und erst mit der Zeit aus sich herausgeht, wirkt Elkin viel zu erwachsen, was vor allem an ihrer tiefen Stimme liegt. Überzeugend wirkt sie, als sie ihren Vater mit allen Mitteln um Hilfe bittet. Michael Wallfass als Jenny’s Vater Bill singt daraufhin ”I can help” nach dem Motto ”Vater ist der Beste”. Er hat eine gute Stimme und zeigt eine humorige Darbietung. Andreas Rohner nimmt man den Südamerikaner nicht so ganz ab, aber er zeigt, dass er ein guter Tänzer ist und auch in den romantischen Szenen mit Janina Elkin Gefühl zeigen kann. Auch hier stellt sich die Frage, warum er nicht singen darf. Ein Duett zwischen den beiden wäre sicher schön gewesen. Frank Brunet, der Jenny’s Bruder Paul spielt, darf als Verstärkung einigen Kollegen beim Singen unter die Arme greifen. Schade nur, dass er die ganze Show im Anzug herumlaufen muss, was ihn ein bisschen in seinem Bewegungsdrang hemmt.

Stimmlich konnte Jens Ochmann am meisten überzeugen. In Topform präsentiert er Songs wie ”Be my guest”, ”Sexy eyes” (mit sexy Hüftschwung) oder ”I hear you knocking”. Auch bei ”I’m ready” rockt und rollt er über die Bühne und zeigt bewegliche Beine.

Beim Tanzfinale gibt es statt der fünf im Programmheft aufgelisteten Titel nur drei zu hören.

Erst als die ersten Klänge von ”I’ve had the time of my life” erklingen, geht das Publikum so richtig ab und singt sogar mit. Schade, dass der Knopf erst so spät aufgegangen ist, wo eigentlich schon alles wieder vorbei war. Und weil es so schön war, gab es als Zugabe noch ein weiteres Mal ”I’ve had the time of my life” zu hören.

Die Orchestrierung war im Großen und Ganzen wirklich gut und nicht zu laut, was bei manchen Tourneeproduktionen leider oft der Fall ist. Die Tanzeinlagen (Choreographie Lacy Darryl Phillips) waren ab und zu etwas ”dirty”, aber man hätte aus einigen Szenen mehr herausholen können. Ein Dankeschön an die Verantwortlichen, dass Darsteller gewählt wurden, die ausnahmslos alle gut deutsch konnten und das Verstehen der Texte so erleichterte.

”Dance Fever” ist eine nette Tanzshow, sollte aber nicht unbedingt bei der Werbung in Zusammenhang mit ”Dirty Dancing” gebracht werden, da man sonst Gefahr läuft das Publikum zu enttäuschen.
Quelle: Andrea Martin

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0 Comments

  1. Nadja

    Ich war am 09.1.08 (Nürnberg) in dem Musical “Dance Fever”, ich fand es sooo super ;). War total begeistert.

    Großes Lob an die Tänzer und Sänger, ihr seid spitze! 😉

    Liebe Grüße

    Reply

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