Deutschlands beliebteste Musical-Gala mit sechs exzellenten Solisten: Ein Fest für Fans und Künstler

Pia Douwes verlieh der 9. Sommernacht des Musicals in Dinslaken kaiserlichen Glanz

Zwanglos, locker und gelöst präsentierten sich die Akteure auf den Brettern des von hohen, schattigen Bäumen gesäumten Freilufttheaters – Bäder in der Menge inklusive. Irgendwie ist es eine einzige, große Familie, die sich hier einmal im Jahr trifft, um gemeinsam ein großen Fest zu feiern. Diese unvergleichliche Atmosphäre ist es auch, die Besucher aus allen Teilen Deutschlands anlockt – und immer wiederkommen lässt. Man darf sich unter Freunden wähnen. Und: Das ungute Gefühl, irgendwie finanziell über den Tisch gezogen zu werden, das einen andernorts bei anderen, überteuerten Shows mit schöner Regelmäßigkeit beschleichen mag, kommt hier nie auf. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in Dinslaken im positiven Sinne mehr als ausgeglichen. Nirgends sonst bekommt der Besucher für sein Eintrittsgeld in Qualität und Quantität so viel geboten.

Das Glück der Tüchtigen

Dabei schien das Ganze diesmal unter gleich zwei ungünstigen Sternen zu stehen. Der bereits fest eingeplante Yngve Gasoy-Romdal hatte den Gastgebern aus gesundheitlichen Gründen einen Korb geben müssen, während die Wetterprognosen ebenfalls das Schlimmste befürchten ließen. Doch in beiden Fällen hatten die Macher vom Niederrhein offenbar das Glück des Tüchtigen auf ihrer Seite. Ethan Freeman sprang spontan und kurzfristig für seinen norwegischen Kollegen ein, und während es ringsum wie aus Eimer kübelte, blieben die Himmelsschleusen über dem Burgtheater bei angenehmen, sommerlichen Temperaturen geschlossen. Was will man mehr?

”We-will-rock-you”-lastig

Neben den beiden musi-calischen Schwergewichten Douwes und Freeman hatten die Dinslakener aber natürlich noch mehr an exponierten Szenegrößen zu bieten, wobei es völlig unerheblich war, dass die meisten von ihnen schon wiederholt hier zu Gast gewesen sind. Was gut ist, kommt (gerne) wieder und wird auch gerne vom Publikum angenommen. Allen voran der ewig junge Andy Bieber, dem es stets aufs Neue gelingt, sein Publikum zu be- und zu verzaubern. Auch die temperamentvolle Peti van der Velde zählt hier zu den alten Bekannten, während Jessica Kessler als Dinslakener Eigengewächs sowieso Heimvorteil genießt. Der Mann an ihrer Seite war Dinslaken-Debütant und ”We-will-rock-you”-Dreamteam-Partner Serkan Kaya. Diese Personalkonstellation ließ erahnen, woher der Wind an diesem Abend wehen würde: Aus dem (Züricher) Ga-Ga-Land. Immerhin sechs der 27 Programmtitel waren dem Queen-Musical entliehen, der Titelsong als Opener inklusive. Für den quirligen ”Türken aus Essen” war das der passende Einstand, während Peti van der Velde, die ebenfalls zur aktiven Bohemian-Truppe zählt, mit ”Noone but you” noch einen draufsetze. Und dann ging es Schlag auf Schlag.

Ethan Freeman, wie immer bestens disponiert, bestellte herzliche Grüße von ”Leroy Brown”, ehe sich Europas Musical-Lady Nr. 1 in Velma Kelly verwandelte: All that Jazz. Mit ihrer Interpretation des ”Chicago”-Hits hängte ”Kaiserin Pia” die Latte gleich zu Anfang ziemlich hoch, um wenig später mit ”Defying Gravity” aus Wicked eine ganz andere Seiten ihrer facettenreichen Bühnenpersönlichkeiten zu offenbaren. Jessica Kessler hatte sich zuvor mit ”Hero” empfohlen, während Andy Bieber mit ”Origin of Love” aus ”Hedwig” Pluspunkte sammelte. Sein Duette mit Pia Douwes, ”Any fool could see” aus dem Musical Paris sowie ”Wenn ich tanzen will” aus ”Elisabeth”, zählten in Folge sicherlich zu den Highlights des bunten Programmreigens, der die schönsten Melodien aus ”Grease”, ”Die Schöne und das Biets”, ”La cage aux folles”, ”Les Misérables”, ”König der Löwen”, ”3 Musketiere”,”Jekyll & Hyde” und ”Mamma Mia” beinhaltete. Also: Für jeden etwas.

Der Hammer (”to fall”)

Serkan Kayan war es vorbehalten, auch den zweiten Teil zu eröffnen. Er ließ die Flipperkugel rollen: Pinnball Wizzard. Dass Pia Douwes um ”Ich gehör nur mir” nicht herumkommen würde, lag auf der Hand. Niemand singt dieses wunderbare Levay/Kunze-Juwel so wie sie! Das mag auch ohne Abstriche auf Ethan Freemans ”Sterne” (Les Mis) und ”Dies ist die Stunde (J&H) zutreffen. Ihre stilistische und gesangliche Bandbreite demonstrierte Peti van der Velde, die sich souverän zwischen so unterschiedlichen Songs wie ”Annother One bites the Dust” (We will rock you), ”He lives in you” (König der Löwen) oder ”I am what I am” (La cage aux folles) bewegte. Ihre Freundin Jessica Kessler ist in dieser Hinsicht nicht weniger umtriebig und beschlagen. Ein Riesentalent, das seinen Karriere-Zenit noch längst nicht erreicht hat. So richtig krachen ließ sie es im Verein mit ihrem Bühnenpartner Serkan bei ”Hammer to fall”. Da bekommt man doch glatt Lust, auch einmal nach Zürich zu reisen….

Die Champions feiern nächstes Jahr Jubiläum

”We are the Champions” war der wie die Faust aufs Auge passende Finalsong, den alle Beteiligten gemeinsam zelebrierten, ehe es als Zugabe noch ”We are the Famlily” sein durfte. Der Abschluss eines klangvollen, wunderschönen Konzerts, an dessen Gelingen nicht zuletzt auch die brillante Live-Band unter der Leitung von Bertram Ernst ihren Anteil hatte. Letzterer war allerdings nur ”Ersatzmann”, weil Kollege Hermann Eckstein, der ihm die Position des ”Kapellmeisters” im vergangenen Jahr streitig gemacht hatte, verhindert war. Aber der skurrile Bandleader mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen Outfit dürfte es sich nicht nehmen lassen, 2008 wieder mit von der Partie zu sein. Dann nämlich wird ein extra großes Fass aufgemacht. Die ”Sommernacht des Musicals” feiert Geburtstag – ihren 10.

Die Jubiläumsausgabe, für die der Ticketvorverkauf inzwischen schon angelaufen ist, soll und dürfte dann natürlich etwas ganz Besonderes werden. Thomas Bauchrowitz will sich bemühen, alle Künstler, die in den vorangegangenen neun Jahren auf der Dinslakener Musicalbühne gestanden haben, zum Mitmachen zu gewinnen. Und das waren eine ganze Menge. Die klangvollsten Namen der deutschen und europäischen Musicallandschaft haben sich seitdem ins hiesige Gästebuch eingetragen. Darunter die angesagtesten Größen der Branche, aber auch Namen, die fast vergessen sind. Nicht wenige von ihnen haben eigentlich erst hier den Grundstein für ihre spätere, steile Karriere legen können.

Werbung in eigener Sache

Die Sommernacht ist irgendwie auch eine Art Sprungbrett für hoffnungsvolle Nachwuchstalente. Und die bekommen, so ist es Tradition, Jahr für Jahr ihre Chance. Diesmal konnte das Ensemble von ”Jinai” vor einem großen und wohlwollend eingestimmten Publikum Werbung in eigener Sache machen. Hörte (und sah) sich nicht schlecht an. Bei ”Jinai” handelt es sich um ein neues, mit zahlreichen gefälligen Melodien gewürztes Musical aus der Feder von Marco Chimienti. Es erzählt die Geschichte einer englischen Missionarin, die während des Chinesisch-Japanischen Kriegs zwischen die Fronten gerät und unter Einsatz ihres eigenen Lebens hundert Waisenkinder vor dem Tod rettet. Offizielle Premiere soll im Spätherbst sein. Weitere Infos unter www.jinai-themusical.com.
Quelle: Jürgen Heimann

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