Interview mit Maximilian Koepl

1.Was bedeutet für Sie Musical im Allgemeinen ?

Musical ist für mich d i e zeitgemäße Verbindung von Musik mit Schauspiel. Durch die Verwendung entsprechender musikalischer Elemente und einer bewegenden Story kann ich als Musical-Autor und Komponist anderen Menschen Gefühle vermitteln und sie einladen, sich in eine andere Welt entführen zu lassen, im günstigsten Fall mit bleibenden Eindrücken für das ganze Leben.

2.Was bedeutet für Sie das Musical ”Mondnacht” im Speziellen ?

Die “Mondnacht” ist so konzipiert, dass der Zuschauer oder Zuhörer ganz bewusst hin- und hergezogen wird zwischen höchst angenehmen, fast romantischen Gefühlen einerseits und dem Eintauchen in grausame Geschehnisse andererseits, wie sie unserer Welt eben auch innewohnen. So ist das Werk trotz seines Fantasy-Charakters ein durchaus realistisches Abbild unseres menschlichen Fühlens und Erlebens. Es thematisiert die immer wieder enttäuschte Sehnsucht der Menschen nach Frieden und berührt damit einen Bereich, der viele von uns bewegt. Ganz wie im richtigen Leben kann auch die Mondnacht-Musical-Story keine Lösungen anbieten, aber sie möchte dazu einladen, das Phänomen Gewalt in seinen ganzen zerstörerischen Dimensionen zu reflektieren und von einer sanften Welt ohne Gewalt zu träumen, oder noch besser: Sie herbeizusehnen, mit Worten und Taten.

3.Wie kamen Sie auf die Idee, ein Musical zu machen ?

Die Musik zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben, obwohl ich mir – genau wie etwa Paul McCartney – die Grundlagen der Musik nur autodidaktisch erarbeitet habe. Letzteres hat mich nicht daran gehindert, zunächst als Amateur-Musiker, später auch als Leader professioneller Cover-Bands jahrelang im In- und Ausland auf der Bühne zu stehen. Irgendwann lag es jedoch nahe, selbst kreativ zu werden. Vor allem durch Andrew Lloyd Webbers wunderbare Musik wurde meine Aufmerksamkeit auf die Kunstform “Musical” gelenkt. Aus meinem engsten Freundeskreis heraus wurde ich in meinem Vorhaben, ein “eigenes” Musical zu wagen, sofort bestärkt und unterstützt. Sechs Jahre Freizeit und fünfstellige Summen mussten letztlich investiert werden, um aus eigenen Gedanken und musikalischen Ideen ein Musical zu kreieren, inklusive der Produktion einer CD mit den 16 Liedern des Werkes.

4.Was unterscheidet Ihr Musical von anderen Musicals ?

Zum einen das Thema. In vielen der mir bekannten Musicals geht es primär – ohne das auch nur im geringsten negativ bewerten zu wollen – um Personen, Charaktere oder um Beziehungskisten. Figuren mit individuellem Charakter gibt es in der “Mondnacht” natürlich auch, doch im Vordergrund steht keine private, “persönliche” Geschichte, sondern ein gesellschaftliches Phänomen: Die Gewalt in ihrer irrsinnigsten Form. Zum zweiten besteht im Gegensatz zu manch anderen Musicals die Musik auch aus längeren instrumentalen Passagen. Dies ganz bewußt, um bestimmte Szenen in ihrer emotionalen Wirkung zu intensivieren, die durch Worte bzw. Texte eher gestört würden. Die vorgesehenen Bildprojektionen auf den Bühnenhintergrund werden hierzu ein Übriges tun. Was drittens auch noch ungewöhnlich sein dürfte: Die Story, die Musik und die Lied-Texte stammen aus einer Hand.

5.Was ist für Sie ein Fantasy-Musical ?

Fantasy bedeutet im Wortsinn wohl eine fantastische, also real nicht denkbare Handlung. So ist die “Mondnacht” auch tatsächlich eine Art modernes Märchen, mit einem Schluss, der genau genommen keiner ist, der zum Nachdenken anregt, viel Raum für Fantasie lässt … eben Fantasy.

6.Wird das Musical touren ?

Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Mein Team und ich haben Fühler in mehrere Richtungen ausgestreckt, doch hinsichtlich des organisatorischen und finanziellen Aufwands bewegt sich ein Musical in anderen Dimensionen als ein Theaterstück.

7.Was versprechen Sie sich von Ihrem Musical ?

Ich sehe die “Mondnacht” als kulturellen Beitrag, der Menschen berühren soll.

8.Identifizieren Sie sich in irgendeiner Weise mit Ihrem Musical ?

Die “Mondnacht” spiegelt exakt mein eigenes Seelenleben wieder: Einerseits die Freude am Leben, die Bewunderung einer großartigen Schöpfung, das Erleben und Fühlen schöner Dinge. Und andererseits das intensive und grenzenlose Mitgefühl für Menschen oder Mitgeschöpfe, die Opfer von Gewalt werden. Dieser Kontrast schlägt sich auch in meiner Musik nieder.

9.Was möchten Sie den Zuschauern / Zuhörern mit Ihrem Musical sagen ?

Selbst wenn es die beste Geschichte und die schönste Musik der Welt wäre: Ein Musical kann die gesellschaftlichen Realitäten nicht ändern. Noch nie haben Friedensgedichte, Friedenslieder oder Filme einen Krieg verhindert. Auch ich stehe – mit meiner Geschichte und meiner Musik – letztlich hilflos und ratlos da. Aber eine kleine Botschaft habe ich doch, und die richtet sich an alle, die unter Gewalt leiden, als Opfer oder als Mit-Leidende: Ihr seid nicht vergessen, und ihr seid nicht alleine! Und uns allen bleibt die Hoffnung: Es wird einen neuen Himmel und eine neue Erde geben.

10.Sind Sie nervös, ob Ihr Musical gut beim Publikum ankommt ?

Eher nein. Ich werde die Dinge nehmen, wie sie kommen. Erste Reaktionen, auch von mir unbekannten Hörern der CD, gibt es ja bereits, und die sind erfreulich positiv. Im übrigen wäre ich ein seltsamer Komponist, wenn ich nicht an den Erfolg meines Werkes glauben würde. Am Tag der Uraufführung werde ich allerdings genau so viel “Lampenfieber” haben wie die Akteure auf der Bühne.

11.Warum wählten Sie ein Musical und nicht zum Beispiel ein Theaterstück ?

Theater ist gut, Musical im Falle der “Mondnacht” aber noch idealer. Ich kenne kein Medium, das Gefühle besser transportieren könnte als die Musik.

12.Wie verlaufen die Vorbereitungen bisher ? Was ist noch geplant ? (Vorabaufführungen, etc.)

Es geht voran, in kleinen Schritten. Ich habe ein kleines, aber tolles Team an meiner Seite, dem ich hier an dieser Stelle für die großartige Unterstützung von Herzen danken möchte. Ohne diese Leute um mich herum würde es dieses Musical nicht geben. Auch meine Heimatgemeinde Ursensollen (Nähe Amberg im nördlichen Bayern) unterstützt das Projekt sehr. So wird es – voraussichtlich im Jahr 2008 – dort eine erste öffentliche Präsentation der Musik geben, als Open-Air mit Livegesang, Hintergrundbildern und einem Erzähler, der durch die Geschichte führt. Schauspiel, Choreografie und Bühnenbild bleiben aus Kostengründen aber der eigentlichen Uraufführung vorbehalten. Und die ist ohne Partner und wohl auch ohne Sponsoren im geplanten Umfang nicht zu realisieren. Aber sie wird kommen …

13.Möchten Sie unseren Lesern noch etwas mit auf den Weg geben ?

Es war beim Besuch des “Phantoms der Oper”, als sich eine neben mir im

Publikum sitzende Frau bei der Szene der schmerzlichsten Enttäuschung die Tränen aus den Augen wischte. Für Menschen wie diese Frau habe ich mein Musical geschrieben. Wenn auch Sie, liebe Leser, intensives Mitgefühl kennen, wenn Sie Gefühle zeigen, lachen und weinen können, dann gehören Sie genau zu dem Publikum, das ich mir für die “Mondnacht” wünsche!

14.Möchten Sie uns noch etwas mitteilen ?

Ich möchte meinen großen Respekt zum Ausdruck bringen, was das Team der “Bühnenzeitung” bzw. des “Musicalzirkels” auf die Beine stellt. Und das alles ohne kommerziellen Hintergrund. Wo gibt es so etwas noch? Macht weiter so! Viel Erfolg auf Euerem Weg, der ein kleines Stückchen auch unserer ist!
Quelle: Alexander Brock / Maximilian Koepl

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