Das kleine Ich bin Ich, das neue Musical von teatro, Premiere 27.7.2007, Katzelsdorf

Am 27.7.2007 war es wieder einmal soweit und die diesjährige Produktion ”Das kleine Ich bin Ich”, nach dem Kinderbuch von Mira Lobe, feierte im Schloss Katzelsdorf seine Premiere. Aufgrund der zahlreichen Gäste kam es sogar zu einem Rückstau und bis alle auf den Plätzen waren, dauerte es eine Weile. Die Kinder saßen ganz vorne auf Bänken, die Erwachsenen dahinter. Insgesamt waren ca. 200 Besucher gekommen. Teatro ist zwar froh, dass es in dem Schloss spielen kann, aber sehr theaterfreundlich ist der Saal leider nicht. Die Akustik lässt zu wünschen übrig und die Sicht, vor allem für die Reihen ab der Saalmitte ist sehr schlecht, da sich alle in einer Ebene befinden. Nach einleitenden Worten u.a. von Norberto Bertassi, welche besonders berührten, da er versuchte seine Gedanken zu dem Stück näher zu bringen, konnte die Geschichte auch schon beginnen. Insgesamt standen sechs erwachsene Darsteller und 31 Buben und Mädchen unterschiedlichen Alters auf der Bühne. Dass sich die Proben zum Teil etwas chaotisch gestaltet hatten, ist verständlich, da es sicher nicht einfach ist, soviele Personen auf der Bühne zu koordinieren. Am Abend der Premiere war jedoch von Chaos während der Show nichts zu merken. Natürlich hatte das Stück, wie auch schon die Aufführungen in den Vorjahren, wieder eine Botschaft: ”Jedes Lebewesen hat einen Wert in der Gesellschaft und ein Recht auf Existenz, auch wenn es anders ist oder glaubt anders als die anderen zu sein.”

Mitten auf der Blumenwiese und zwischen Schmetterlingen, die von Kindern dargestellt wurden, tanzt ein kleines buntes Tier (Dea Frohn) und ”Freut sich” am Leben. Frohn hat Gummistiefel, ein kariertes Outfit, ein blaues Schwänzchen und Haare sowie orangefarbene Hängeohren. Es trifft auf eine riesige Hornisse (Manfred Schwaiger in schwarz-gelb gestreifter Kleidung mit angenehm tiefer Stimme) und stößt auch auf den coolen Frosch (Aris Sas). Sas hat einen grünen Frack, ein grünes Gilet und eine schwarze, fast schon zu eng anliegende Hose, es fehlte nur mehr der Hut und man hätte ihn für den Grashüpfer Flip aus der ”Biene Maja” halten können. Er ist der Chef-Frosch und macht alles und jeden schlecht. Er wirft dem Tier vor, dass es dumm ist, weil es nicht weiß, wer oder was es ist. Das Tier ist nachdenklich geworden und begibt sich auf die Suche nach seiner Identität. Auf seiner Reise trifft es als erstes auf Pferde. Andrea Malek als Pferdemama mit grazilen Beinbewegungen erzählt ihren Kindern in ”Frei” verbittert, dass heute nur mehr der Mensch zählt. Malek singt sehr melancholisch und macht ihren Kindern klar, dass der Mensch, der sie besitzt tonangebend ist. Weiters im Stall ist u.a. die Ziege alias Bea Knoth. Hier handelt es sich um eine ”Bergsteigerziege” zumindest, wenn man nach dem witzigen Outfit – Bergschuhe, kariertes Hemd, Wanderhose und Ziegenbart – geht. Beide Tierarten werden vom kleinen ”Ich bin Ich” gefragt, ob es nicht auch eines von ihnen sei. Leider müssen beide verneinen, da das Tier doch ganz anders aussieht. In einem Boot (dass sich Frohn umgehängt hat) geht es nun zu den Fischen. Die Fische sind mit Badehauben, Shirts mit Glanzeffekten, die die Schuppen darstellen und durchsichtigen Tüllhöschen dargestellt. Sigrid Spörk ist die Fischmutter und macht einem ihrer Kinder Mut zum ”Fisch sein”, da es fast von einem Netz gefangen worden wäre und nicht mehr schwimmen möchte. Dann gibt es für die Kinder im Publikum einen kleinen Chemieunterricht, denn viele wissen sicher noch nicht, was H2O bedeutet, nachdem ein Tanz benannt wurde. Auch von den Fischen wird das Tier informiert, dass es nicht zu ihnen gehört. Das kleine ”Ich bin Ich” ist aber trotzdem noch immer fröhlich und guter Dinge. Leider wirkt dies bei Frohn fast schon zu übertrieben und man würde sich manchmal etwas weniger Gelächter wünschen. Das Tier fährt im Boot weiter und kommt zu zwei Inseln, die sich beim Näherkommen als Nilpferde entpuppen. Manfred Schwaiger in grauer Latzhose ist ein echt wienerisches Nilpferd, das am liebsten Schnitzel isst und Bier trinkt. Im ”Nilpferdlied” ärgert sich das graue Tier über seinen Namen, da es doch nichts mit einem Pferd gemeinsam hat. Witzig sind auch die Gesten, die man dem Nilpferd zugeordnet hat – es muss sich dauernd kratzen. Das kleine ”Ich bin Ich” singt im tiefsten Nilpferddialekt sein kleines Liedchen, um zu beweisen, dass es auch ein solches Tier ist. Als das bunte Tier jedoch gesteht, dass es kein Schnitzel mag, ist das Papa-Nilpferd nicht mehr so friedfertig, grunzt und schnauft, dass es eine wahre Freude ist. Nach jeder Begegnung mit einer neuen Tierart erscheint auch der Frosch. Er freut sich jedes Mal diebisch, dass das Tier wieder erfolglos war. Aris spielt den Frosch herrlich zynisch und ist so nicht wirklich ein Sympathieträger beim Publikum. Das Nilpferdkind macht das Tier auf den bunten Schwanz der Papageien aufmerksam, da dieser so ähnlich aussieht, wie der des Tieres. Das Papageienoberhaupt spielt Andrea Malek. In bunten Kostümen macht sie gemeinsam mit den anderen Papageien das Tier im ”Papageienrap” klar, dass es keines von ihnen ist. Diese Tiergruppe ist sehr eingebildet und jagt das Tier fort. Der Frosch will es zur Aufgabe überrede. Nach einer sehr sehr langen Pause, in der sich das Publikum stärken konnte, schläft das kleine ”Ich bin Ich” vor lauter Anstrengung ein. Der Mond geht in Form von Andrea Malek, die ein weißes Kleid anhat und eher wie eine gütige Fee wirkt, auf und verspricht in ”Das Wiegelied” das Tier zu beschützen. Süß, wie sich zwei Kinder als Wölkchen um das Tier gruppieren, damit es weich liegt. Die folgende Szene ist sehr raffiniert inszeniert. Einige Kinder erscheinen in schicken, hippen Outfits in schwarz-weiß als Hunde, hängen dabei aber an Schnüren, die Leinen darstellen sollen. Die Hunde sind so richtige Snobs und nehmen von dem Tier gar keine Notiz. Spörk und Schwaiger sind die Anführer und noch hochnäsiger als die anderen Hunde. In ”Cin Cin” prosten sie sich gegenseitig zu und erzählen wie toll sie sind. In dem Lied gibt es einen kleinen Sprachunterricht in englisch und französisch, der aber eher für die Eltern ist, da zuviel Text dabei ist, den kleinere Kinder noch nicht verstehen. Traurig muss das bunte Tier feststellen, dass es auch nicht zur Familie der Hunde gehört. Noch bevor das Tier ganz in Selbstmitleid versinkt, kommt die ”Selbsterkenntnis” und es weiß ”ich bin ich”. Plötzlich wird es hell erleuchtet, der Mond geht im Hintergrund auf und wirkt sehr stolz. Seifenblasen kommen wie von Geisterhand von oben auf die Bühne und rund um das Tier erscheinen alle Tiere denen es auf seiner Reise begegnet ist. Alle Tiere? Nein nicht alle. Der Frosch sitzt abseits, fühlt sich unwichtig, von allen verlassen und bringt seine Gefühle in dem Titel ”Die Einsamkeit” zum Ausdruck. Die Schuld für seinen Zustand sucht er jedoch nicht bei sich, sondern bei den anderen. Das kleine ”Ich bin Ich” geht zu ihm und macht ihm Mut zum Froschsein. Der Frosch ist froh, dass ihn jemand als Freund haben möchte und schließt sich der Gemeinschaft an. Zum Schluss gibt es noch ein kleines Finaltänzchen (”Alles was du brauchst”) von allen und in der Luft explodierende Glitzerschlangen erschrecken die Darsteller. Was dann kam, war für ein Theaterstück sehr außergewöhnlich, aber da es sich bei dem Großteil der Personen auf der Bühne um Kinder handelte, auch wieder verständlich. Auch nach einer Zugabe wollten sich diese nämlich nicht von der Bühne verabschieden und brüllten was das Zeug hielt, damit Technik und Musiker wieder ihre Plätze einnahmen, um noch einen Song zu spielen. Ziel des kleinen Aufstandes war das Lied ”H2O” noch einmal zu singen. Letztendlich hatte das Publikum ein Einsehen und rief lautstark ”Zugabe” und unter tosendem Jubel bekamen die Kinder ihren Song. Obwohl ein großes Durcheinander herrschte und keiner dort stand, wo er eigentlich hätte stehen sollen, erfanden die Kids noch eine kleine Choreographie, die sogar in einer passablen Schlussposition endete – alle Achtung.

Norberto Bertassi hat mit teatro einen Verein geschaffen, der sich immer mehr einen Namen macht, von vielen tatkräftig unterstützt wird und aus der Theaterlandschaft bald nicht mehr wegzudenken ist. Anfangs haben ihn alle komisch angesehen und Bertassi war auch etwas skeptisch, was die Umsetzung des Stücks von Mira Lobe anbelangte. Es gelang nach vielen Wochen harter Arbeit mit seinem großen und immer einsatzbereiten Team wieder einmal eine Uraufführung zu spielen. Viel Schweiß und harte Arbeit waren nötig, bis die Premiere über die Bühne gehen konnte, aber Bertassi und seine Mannschaft zeigten erneut was man mit viel Eifer und hoher Leistungsbereitschaft alles auf die Beine stellen kann. Man kann dem Projekt nur weiterhin viel Erfolg wünschen.
Quelle: Andrea Martin

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