Hair, Musical Sommer Amstetten

Wer geht bei knapp 40° Lufttemperatur schon gern in den Zirkus? Man möchte doch lieber im Strandbad liegen und die Seele baumeln lassen. Trotz wüstenähnlichem Klima hatten sich sehr viele Musicalbegeisterte auf den Weg in die Eishalle Amstetten gemacht, um sich die Premiere von ”Hair”, dem diesjährigen Stück des Musical Sommers Amstetten nicht entgehen zu lassen. Unter den vielen Theaterbesuchern fanden sich u.a. Carsten Lepper, Lana Gordon, Eric Minsk, Rachel Colley, Cedric Lee Bradley, Thomas Mülner, Norman Stehr, Johanna Arrouas, Bettina Mönch, Dr. Madeleine Petrovic, Zoltan Sebestyen (Rob Fowler’s Partner von Morton) und Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll.

Da die letzte ”Hair”-Produktion, für die Kim Duddy, Martin Gellner und Werner Stranka verantwortlich waren, noch nicht allzu lange zurücklag (März 2001 bis Juni 2002 im Raimundtheater), musste man sich entweder etwas komplett Neues einfallen lassen oder Teile der damals sehr erfolgreichen Show übernehmen. Man entschied sich für ein vollkommen neues Grundkonzept, betreffend den Ort des Geschehens wurde der Zirkus gewählt. Einige Ideen von damals wurden übernommen, wie z.B. das Spiel mit den Handpuppen aus der Serie ”Southpark” oder die Alptraumsequenz während ”Walking in space”. Die Musik wurde seinerzeit schon sehr aufgepeppt. Im großen und ganzen hielt man sich an die damaligen Arrangements, baute aber doch noch die ein oder andere Änderung ein, wie z.B. oftmaligen Trommelwirbel, der an eine ”Stomp”-Show erinnerte. Was sich sehr geändert hatte, gemäß dem Zirkusmotto ”Manege frei” waren die Outfits. Es wurde ganz tief in die Kostümkiste gegriffen. Das Ergebnis erinnerte eher an eine riesige Faschingsparty, da es vom Teufelchen, über Captain Jack Sparrow, Sambagirls, Cowboys bis zu einem übergroßen Schmetterling alles gab, je bunter und ausgeflippter, desto besser. Nach Begrüssungen und einleitenden Worten vom Amstettner Bürgermeister Herbert Katzengruber und LH Dr. Erwin Pröll konnte das bunte Treiben beginnen. Claude (Mark Seibert) wurde in einer Zeremonie in das Zirkusensemble (vormals Tribe) aufgenommen. Love, Peace & Happiness war seine Botschaft. Dionne (Kudra Owens) eröffnete mit ”Aquarius”. Schon während des ersten Songs suchte die Cast häufig Kontakt zum Publikum, was für die Gäste eine willkommene Abwechslung war, da sie sich selbst plötzlich mitten im Geschehen befanden. Ein Stillsitzen war bei den Hits, die dieses Stück zu bieten hatte, einfach nicht möglich. Fast jeder hatte eine interessante Frisur bekommen, Zöpfchen, Strähnen, einen Irokesenhaarschnitt oder verrückte Kopfbedeckungen. Für Dominik Hofbauer’s Outfit wurde unverkennbar der ”Fluch der Karibik” als Vorbild genommen, Patricia Meeden trug Federschmuck wie beim Carneval in Rio und Daniella Foligno hatte etwas von einer Knochenfrau. Alle hatten schillernde Kostüme, aber am schillerndsten waren mit Sicherheit die riesigen Schmetterlingsflügel von Pehton Quirante (Woof), die er zu Beginn und am Ende der Show am Rücken trug. Während des Abends hatte er eine kürzere Version am Rücken, um sich und die anderen nicht zu behindern. Berger (Rob Fowler), der den Zirkusdirekter mimte, fand zwar in Amstetten auch nicht seine ”Donna”, dafür saß angeblich seine Mum im Publikum, von der es aber auch kein Geld gab. Er hatte mit seinem Outfit bei der Hitze ein Glück, da er meist nur eine kurze Hose und seine Indianerperlen trug. Nach langer Abstinenz von der Bühne glänzte Quirante wieder einmal auf einer Musicalbühne und überzeugte einmal mehr mit seiner erfrischenden Art. Während seinem ”Sodomy” gab es eine Einführung ins Kamasutra mit eindeutigen Posen, die das Ensemble zum Nachmachen für zuhause empfahl. Ruben Heerenveen (Hud), der mit Pelzmantel im Käfig, wie ein wildes Tier, auf die Bühne geschoben wurde, war mit ordentlich viel Goldschmuck behängt und erinnerte an einen amerikanischen Rapper. Die kräftigen Töne, die er für seinen Song ”Coloured Spade” benötigt hätte, konnte er nicht aufweisen, dafür bekam das Publikum einen sexy Hüftschwung zu sehen. Während Songs wie ”Ain’t got no” oder ”Dead End” gab es ordentlich viel Getrommel zu hören, Kenia Bernal-Gonzales schwang ein Gymnasikband, Lorna Dawson zeigte interessante Fahrübungen im imaginären Auto und von Ines Hengl-Pirker und Carien Keizer blieben vor allem die langen Beine in Erinnerung. Christa Helige brachte die schon etwas verstrahlte Jeanie gut rüber und ging Claude schön auf die Nerven. Bei ihrem Song ”Air” wurde sie vom Ensemble, dass mit Flugzeug-Sauerstoffmasken tanzte, unterstützt. Mark Seibert als Claude durfte auch oft ”oben ohne” agieren, was natürlich dem weiblichen Teil der Gäste besonders freute. Er brachte ein schnelles ”I got life”, das mit tollen Lichteffekten beendet wurde. Die Szenen auf der Bühne spielten einmal direkt in der Manage bzw. hinter den Kulissen des Zirkus. Um diese Situationen darzustellen, wurden Schminktische auf die Bühne geschoben, Zum Teil veränderten die Darsteller dort ihr Aussehen oder nützten kurze Abwesenheiten während einzelner Songs, um mit anderen Outfits weiterzuspielen. Während der Szene, in der Claude’s Musterung nachgestellt wurde, erschien Rob Fowler sogar auf Rollschuhen und Giuliano Mercoli machte für ihn die Beatbox. Rob’s Berger war herrlich spritzig und energiegeladen und er brachte den nötigen drive für diese Rolle mit. Am Ende der Szene fuhr er sogar über seine Kollegen, die sich für ihn klein machten. Für die Szene, die die meisten Lacher erntete, sorgte Ramesh Nair, der die Margaret Mead spielte. Bereits zu ”Hair”-Zeiten im Raimundtheater war er die Zweitbesetzung, spielte aber damals in einem europäischen Kostüm. Dieses Mal hatte man sich, seiner Abstammung entsprechend, etwas Besonderes überlegt. Die Mead wurde zu einer Inderin. Er trat in einem lilafarbenen Sari, mit langem schwarzem Zopf und einem kleinen Handtäschchen, aus dem später ein Mikro gezaubert wurde, auf. Mit herrlich hoher Stimme und ordentlich viel indischem Akzent machte er dem Publikum die Drama Queen. Als Berger die Hand von Margaret Mead nahm und auf sein bestes Stück legte, konnte sie nur mehr vor lauter Verzückung zu ihrem Angetrauteten Hubert (Dave Moskin) ”picture picture” schreien. Mit dem Titellied des Stücks versprühten Rob und Mark Lebensfreude pur und auch die Mead war hin und weg. Bei ”My conviction” zeigte Ramesh noch einmal, was für eine hohe Stimme er aufbieten kann und enthüllte beim obligatorischen Gruppenfoto, was sich unter seinem langen Gewand befindet. Er verkündete auch den ”Big Bang”, für Hubert in der Hochzeitsnacht. Sheila, die statt wie sonst gegen den Vietnamkrieg zu protestieren, zum Irakkrieg Stellung nahm, machte das Publikum auf die Problematik zwischen den unterschiedlichen Völkern aufmerksam. Berger ist wütend, dass sie einfach den Ablauf des Zirkusprogramms stört und beschimpft sie. Sheila ist verletzt und singt ihr Solo ”Easy to be hard”. Sabine Mayer gab den Titel traurig, aber trotzdem mit viel Power zum Besten, die anderen gruppierten sich auf den Stufen neben der Bühne und überließen ihr diese. Lucca Züchner als Crissy legte viel Wehmut in ihren Song ”Frank Mills”, die verflog aber wie im Flug, als die Nummer ”Be-in” begann. Die Einberufungsbefehle werden verbrannt, alle sind schon in ihren Outfits (lediglich in Wickelröcken und mit Tüchern bekleidet) für die finale Szene des ersten Teiles. Claude kann sich nicht für’s Verbrennen erwärmen und stimmt ”Where do I go” an. Das restliche Ensemble verschwindet und kommt zu den letzten Tönen splitternackt auf die Bühne – Hand in Hand, um ihr Zusammenheitsgehörigkeitsgefühl und ihre Verletzbarkeit zu demonstrieren. Durch eine entsprechende Beleuchtung werden sie etwas geschützt, damit nicht alle Einzelheiten so gut sichtbar sind. Der zweite Teil startete mit ”Electric Blues”, ”Black Boys” und ”White Boys”. Speziell zu erwähnen das Quartett Owens, Bernal-Gonzales, Meeden und Herrenveen. Im Supremes-Stil besangen sie ihre Erfahrungen mit ”White Boys” und Ruben zeigte Beine, Busen und Po und sang auch mit höherer Stimme. Dann begaben sich alle, nach dem Genuss von ”Twiggy” (Woof’s gezüchtete Pflanze) auf einen Trip der besonderen Art. Seibert hing gesichert von der Decke und wurde abwechselnd von Nonnen, Soldaten, Indianern, Menschenfressern und indischen Mönchen umtanzt. Nach einem ”Dummy-Tanz” folgte auch wieder die obligatorische Lampenszene. Das Zirkusensemble beschließt nach New York weiterzuziehen und beendet den Tag mit ”Good morning starshine”. Claude zieht in den Irakkrieg und wird gleich am ersten Tag erschossen. Seine Freunde trauern um ihn. ”Let the sun shine in”. Dann geht die Party auf der Bühne so richtig los. Als zusätzlichen Song gab es ”Hippie life” und vom Publikum standing ovations. Zum Dank wurden einige auch von den Darstellern auf die Bühne zum mitfeiern geholt. Ein heißer Abend, sowohl vom Wetter als auch der Darbietung der Darsteller war zu Ende und die Veranstalter konnten mit dem Start der diesjährigen Produktion voll und ganz zufrieden sein. Auch wenn das ”Hippie-sein” durch die Verwandlung in ein Zirkusensemble etwas verloren ging und die Ausarbeitung der Gruppenszenen besser war, als das Hervorheben einzelner Charaktere, Kim Duddy hatte wieder einmal ganze Arbeit geleistet und ein tolles Ensemble zusammengestellt.
Quelle: Andrea Martin

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  • Kudra Owens (Dionne) und Ensemble
    Kudra Owens (Dionne) und Ensemble
    © Musicalsommer Amtstetten
  • Rob Fowler (Berger)
    Rob Fowler (Berger)
    © Musicalsommer Amtstetten
  • Christa Helige (Jeanie)
    Christa Helige (Jeanie)
    © Musicalsommer Amtstetten
  • Ensemble
    Ensemble
    © Musicalsommer Amtstetten
  • Pehton Quirante (Woof) und Ensemble
    Pehton Quirante (Woof) und Ensemble
    © Musicalsommer Amtstetten
  • Lucca Züchner (Crissy)
    Lucca Züchner (Crissy)
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  • Mark Seibert (Claude)
    Mark Seibert (Claude)
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  • Ruben Heerenveen (Hud)
    Ruben Heerenveen (Hud)
    © Musicalsommer Amtstetten
  • Sabine Mayer (Sheila)
    Sabine Mayer (Sheila)
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  • Sabine Mayer (Sheila)
    Sabine Mayer (Sheila)
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  • Ines Hengl Pirker, Carien Keizer, Eric Minsk
    Ines Hengl Pirker, Carien Keizer, Eric Minsk
    © Nina Walde
  • Ensemble
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  • Ensemble
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    © Nina Walde
  • Ensemble
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    © Nina Walde
  • Bettina Mönch, Patricia Meeden, Mark Seibert
    Bettina Mönch, Patricia Meeden, Mark Seibert
    © Nina Walde

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