Interview Kudra Owens, Jacqueline Braun

Kudra, du kommst ursprünglich aus den USA. Warum bist du nach Österreich gekommen und wie schwer ist es für dich so eine große Distanz zwischen dir und deiner Familie zu haben?

Kudra: Ich kam auf Umwegen nach Österreich. Ich entschloss mich zu einer kleinen Pause von Amerika, die mich nach Europa bzw. Österreich führte. Von einer Studienkollegin hatte ich einige Namen bekommen wie z.B. Kim Duddy oder Dennis Callahan und nach einem kurzen Aufenthalt während der Bregenzer Sommerfestspiele (”Porgy & Bess”) hielt ich weiterhin Kontakt mit diesen Leuten. Als ich dann 2000 von der Hair Audition erfuhr, wurde ich neugierig, machte diese mit und eines kam zum anderen. Ich lernte meinen Freund kennen und blieb letztendlich in Österreich. Mein Vater ist schon gestorben. Meine Mutter lebt in Florida, aber es ist für mich jetzt nicht so schlimm, dass ich sie nicht so oft sehen kann, da ich schon seit 1994 von meiner Heimatstadt weggezogen bin. Natürlich vermisse ich sie manchmal, aber meine eigene kleine Familie hilft mir dann darüber hinweg.

Jacqueline, du kommst eigentlich aus Holland, wie hat es dich nach Österreich verschlagen und war das Erlernen der Sprache schwierig für dich?

Jacqueline: Als ich 1998/1999 für ”Les Miserables” (Anm.d.Red. sie spielte Fantine und Eponine) nach Duisburg kam, habe ich deutsch auf phonetischer Basis gelernt. Vor sechs Jahren kam ich dann aufgrund meines Engagements in ”Hair” nach Wien und da habe ich die Sprache dann richtig gelernt. Mittlerweile glaube ich, kann ich mich schon recht gut ausdrücken, obwohl ich natürlich noch immer ein paar kleine Fehler mache.

Kudra, wie ist es bei dir mit der deutschen Sprache?

Kudra: Es war und ist noch immer für mich sehr schwer diese Sprache zu erlernen. Ich habe schon etliche Kurse an Volkshochschulen oder bei Privatlehrern besucht, aber deutsch ist für mich nicht so einfach.

Jacqueline, du hast jetzt schon einige Male in ”Jesus Christ Superstar” den Herodes gespielt. Wer hatte die Idee eine männliche Rolle mit einer Frau zu besetzen und wie fühlst du dich, wenn du dich in dem einen Song ”verwandeln” darfst?

Jacqueline: Ich verwandle mich ja nicht in einen Mann, sondern interpretiere lediglich einen männlichen Charakter. Es geht hier vielmehr darum, eine Witzfigur, die noch dazu gefährlich ist, eine Art Clown, bei denen weiß man auch nie, was als nächstes kommt, darzustellen. Ich glaube, da ist es egal, ob ein Mann oder eine Frau spielt.

Der Vorschlag, mit dem ich nie gerechnet hätte, stammt von Caspar Richter. Damals in Passau hätte eigentlich jemand anderer die Rolle spielen sollen. Eine Woche vor der Premiere kam er auf mich zu und meinte, ob ich diesen Song nicht singen könnte und ich nahm diese Herausforderung an. Ich dürfte gut mit meiner Interpretation des Herodes angekommen sein, denn Gottseidank kommt man immer wieder damit auf mich zurück.

Was ist eure Lieblingsmusik und gibt es Musik, die ihr nicht mögt?

Kudra: Ich habe eigentlich keine Lieblingsmusikrichtung, auf die ich mich festlegen möchte, von jedem etwas, alternative Musik, RnB, ein wenig Rock und Pop. Nur Country/Westernmusik mag ich überhaupt nicht.

Jacqueline: Ich mag eigentlich viele verschiedene Musikrichtungen. Von Klassik, Jazz, Rock bis zu Pop, da möchte ich mich eigentlich nicht festlegen. Der Musikstil, der mir am wenigstens liegt, ist aber mit Sicherheit Metal.

Gibt es eine spezielle, vielleicht berühmte, Person, mit der ihr einmal auf der Bühne stehen möchtet? Wenn ja, mit wem und warum?

Kudra: Da gibt es einige Leute (denkt lange nach). Mein großer Traum wäre es aber gemeinsam mit Meryl Streep zu drehen, sie ist einfach eine fabelhafte Schauspielerin.

Jacqueline: Ann Hampton Callaway (kommt wie aus der Pistole geschossen). Das ist eine Jazzsängerin und Songwriterin, die u.a. den Titelsong zu ”Die Nanny” mit Fran Drescher geschrieben hat. Ich habe sie während meines Engagements in ”Napoleon” in London kennengelernt. Ich bewundere sie sehr, da sie sehr gute Songs schreibt und eine vielseitige Person ist.

Weitere Personen, mit denen ich gerne auf der Bühne stehen möchte, wären Tina Turner oder Carly Simon (amerikan. Sängerin und Songschreiberin).

Wann habt ihr oder jemand aus euren Familien herausgefunden, dass ihr tolle Stimmen habt? Wie habt ihr mit dem Training eurer Stimmen begonnen?

Kudra: Bei mir liegt das Singen einfach in der Familie, meine Großeltern väterlicher- und mütterlicherseits waren Sänger und ich bin sogesehen musikalisch vorbelastet. Als ich klein war, wollte ich aber am liebsten Schauspielerin werden. Ich nahm Ballett-, Modern Dance- und Jazzunterricht, das singen kam erst ganz zum Schluss und in meinem ersten Musical spielte ich dann mit 13 Jahren.

Jacqueline: Ich habe schon immer gerne gesungen und als ich die TV-Serie ”Fame” gesehen habe, da wusste ich, dass ich das auch machen möchte.

Als kleines Kind wollte ich Balletttänzerin werden, leider hat das dann aber doch nicht geklappt, weil die körperlichen Voraussetzungen nicht gegeben waren. Ich war damals sehr enttäuscht und wollte nie wieder tanzen. Mit 16/17 habe ich dann in verschiedenen Bands und Jugendtheater gespielt. Nachdem ich 1993 die Kleinkunstakademie abgeschlossen hatte, ging es eigentlich dann gleich mit Musicals los. Mein erstes richtiges Stück, wo ich professionell mitspielte, war ”Cyrano”.

Gibt es einen Charakter in einem Musical, den ihr unbedingt einmal spielen möchtet?

Kudra: Sally Bowles in ”Cabaret” wäre sicher eine interessante Herausforderung, ich liebe Sachen von Bob Fosse und würde gerne etwas in diese Richtung machen.

Jacqueline: Norma Desmond aus ”Sunset Boulevard”, aber ich glaube, für diese Rolle muss ich noch ein wenig älter werden. Die Rolle einer großen Diva würde mich schon reizen.

Ihr werdet wieder im ”Hair”-Ensemble in Amstetten mit dabei sein. Das Stück ist doch etwas ganz Spezielles mit seiner Botschaft ”Love, Freedom, Peace & Happiness”. Was bedeutet das Stück für euch und würdet ihr immer wieder mitspielen wollen oder reicht es jetzt nach der 2. Produktion?

Kudra: Man kann niemals nie sagen, aber ich denke, dass es meine letzte ”Hair”-Produktion sein wird. Ich verbinde sehr gute Erinnerungen mit dem Stück und an meine Zeit im Raimundtheater. Ich würde fast sagen, dass das meine besten Erfahrungen in einer Musicalproduktion bisher waren, was vor allem an dem hervorragenden Team lag. Natürlich ist die Show auch einmalig mit dem politischen Hintergrund und den Aussagen, die transportiert werden. Es gibt soviele verschiedene Leute auf der Welt und man sollte nicht seine Augen vor den Problemen, die es auf der Welt gibt, verschließen. Für mich ist die Botschaft, dass man miteinander leben und sich und die anderen akzeptieren soll, sehr wichtig.

Jacqueline: Ich könnte diese Show, glaube ich, immer wieder spielen, vor allem dann, wenn Kim Duddy Regie führt. Kim Duddy interpretiert die Botschaft von ”freedom” für mich sehr gut. Sie lässt den Darstellern sehr viel Freiheit und gibt ihnen Spielraum für die Darstellung des Charakters. Das ist sehr wichtig, denn nur so kann man wirklich gut zusammenarbeiten.

Jacqueline, du unterrichtest auch. Wo, wen und was möchtest du mit deiner Tätigkeit erreichen?

Jacqueline: Ich gebe privaten Gesangsunterricht. Im Moment jedoch nur für eine Person, da ich aufgrund meines Engagements in ”We will rock you” in Zürich zu lange nicht in Wien war. Weiters unterrichte ich Schauspiel bei den ”Sophistikids”. Wenn wir eine Show machen, betreue ich ca. sechs Personen. Ich bin dann für die musikalische Einstudierung und das staging verantwortlich. Ich möchte das, was man sich selbst, durch langjährige Erfahrung, angeeignet hat, an die zukünftigen Generationen weitergeben. Ich finde, dass die Förderung des Nachwuchses sehr wichtig ist und möchte meinen Teil dazu beitragen.

Wo seht ihr euch selbst in 10 Jahren?

Kudra: Das ist eine schwere Frage, vielleicht bin ich dann wieder in Amerika, wer weiß. Auf jeden Fall möchte ich mehr in Richtung Film und Schauspielen machen, das ist und war schon immer mein großer Traum.

Jacqueline: Das kann ich überhaupt nicht sagen, ich will es eigentlich auch gar nicht wissen. Zuviel über die eigene Zukunft im Vorhinein zu erfahren, finde ich, ist auch nicht gut. Das ist einfach das Los eines Künstlers, dass man nicht weiß, was als nächstes auf einen zukommt. Ich hoffe nur, dass ich glücklich bin.

Die nächsten großen Projekte sind ”Hair” in Amstetten und die Tournee von ”Carmen Cubana”. Gibt es schon Pläne für danach?

Kudra: Nein, eigentlich noch nicht. Aber ich habe vor, mich etwas außerhalb von Österreich, vielleicht in Prag, umzusehen. Ich habe gehört, dass es dort gute Möglichkeiten für englischsprechende Darsteller gibt und da meine Tochter jetzt alt genug ist möchte ich das gerne machen. Aber auch in Wien gibt es eine interessante Sache für mich, nämlich das ”VTP”, das ”Vienna Theatre Project”. Ich habe bereits zwei Sachen mit diesem Team gemacht. Es ist eine kleine Gruppe, die das englischsprachige Theater in Wien fördern möchte.

Jacqueline: Nein. Ich lasse alles auf mich zukommen. Ich plane nur ungern im Voraus, da soviel Unvorhergesehenes passieren kann und da nützt die beste Planung nichts.

Ein herzliches Dankeschön für das interessante Gespräch und viel Glück für den weiteren Lebensweg.
Quelle: Andrea Martin

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