Jesus Christ Superstar in konzertanter Fassung auf der summerstage am Theaterplatz in Baden

Baden genießt zweifellos den Ruf eine Theaterstadt zu sein und um diesem gerecht zu werden, gibt es u.a. das Stadttheater und im Sommer die Sommerarena oberhalb des Casinos mit seinem zu öffnendem Dach. In diesem Sommer hatte man sich für drei Tage etwas Besonderes einfallen lassen. Direkt vor den Stufen des Stadttheaters befindet sich ein großer Platz, auf diesem wurden jede Menge Sesselreihen aufgestellt, über die Stiegen selbst eine große Bühne gestellt und schon war die summerstage am Theaterplatz geboren. Am ersten Tag hatte man Konstantin Wecker und am zweiten Wolfgang Ambros nach Baden geholt. Am dritten gab es ein Schmankerl für alle Musicalfans. ”Jesus Christ Superstar” wurde in einer konzertanten Fassung gebracht. 13 Darsteller standen dicht gedrängt auf der Bühne. Auf der rechten Seite agierten meistens Jesus und Judas. Hinter den Sängern befand sich das Badener Städtische Orchester unter der Leitung von Franz Josef Breznik. Bei den Darstellern dominierte der Jeanslook, so als ob jeder in seinen Kleiderschrank gegriffen und seine Lieblingskleidung herausgeholt hätte. Vielleicht hätte man die einzelnen Gruppen – Priester, Soulgirls (hier stach nur Claudia Rohnefeld mit einem bunten Oberteil und einem rosa Haarband hervor), Judas, Maria Magdalena und Jesus mittels verschiedener Art von Bekleidung besser hervorheben sollen. Am einfallslosesten war aber das Outfit von Zoltan Tombor, der als Herodes auftrat. Die Person in dieser Rolle sollte doch etwas extravagant wirken, auch wenn es ”nur” eine konzertante Version des Stücks ist. Ein buntes Hawaihemd hätte sicher besser zur einzigen lustigen Nummer gepasst wie ein einheitliches Beige.

Die Geschichte des Musicals – die Darstellung der letzten sieben Tage im Leben des Jesus von Nazareth ist hinlänglich bekannt und es soll an dieser Stelle gleich auf die Leistung der Sänger eingegangen werden.

Als Jesus stand Darius Merstein-MacLeod auf der Bühne. Dieses Musical ist kein unbekanntes Stück für ihn, was man ihm auch anmerkte. Stimmlich sah man ihm zwar manchmal seine Anstrengungen im Gesicht an, aber diese machten sich auch bezahlt. Speziell den Song ”Gethsemane” lebte er voll und ganz aus und steigerte sich enorm in jede Zeile des Textes hinein, dass er am Schluss sogar vor lauter Verzweiflung am Boden kniete. Am meisten verblüffte er, gemeinsam mit seinen Kollegen beim Finale, das gleich mehrmals wiederholt werden musste. Beim Titel ”Superstar” wurde gerockt, was das Zeug hielt und Darius übernahm sogar zeitweise die Leadstimme, die sonst der Judasdarsteller singt. Hier merkte man auch seine Judaserfahrung und vielleicht hätte man ihm auch in Baden in dieser Rolle engagieren sollen, da er ungeahnte Kräfte entfesselte und auf der Bühne tobte.

Die Judasfigur wurde von Boris Pfeifer dargestellt, der bereits 2004/05 an der Oper in Graz diesen Part gespielt hatte (Anm.d.Red.: ab 7.2.2008 kann man ihn in dieser Rolle am Stadttheater Klagenfurt zu erleben). Leider stellten die Gesangsparts enorme Herausforderungen an Pfeifer’s Stimme. Oft brach sie ihm regelrecht weg oder es erfolgte ein nicht sehr sauberer Übergang in die Kopfstimme. Er verausgabte sich stimmlich total, was man ihm auch anmerkte. Für Boris Pfeifer gibt es mit Sicherheit Rollen, die zu seiner Stimme besser passen, die des Judas war es leider nicht. Zum Schluss konnte er beim gemeinsamen Auftritt trotzdem punkten, indem er ordentlich mit seinem Hinterteil wackelte und versuchte mit ”Come on, come on” im Robbie Williams Stil den Leuten einzuheizen.

Patricia Nessy, die Maria Magdalena spielte, ging leider optisch etwas unter, da sie die meiste Zeit neben den festgewurzelten Soulgirls stand und nur bei ihren Solos in den Vordergrund trat. ”Everything’s alright” hätte etwas mehr Gefühl vertragen und bei ”I don’t know how to love him” wirkte sie zu energiegeladen und verführerisch statt rat- und hilflos. Ihr Duett mit Martin Niedermair, der den Petrus verkörperte, war trotz etwas zeitversetzter Einsätze schön interpretiert.

Aris Sas war von der Optik her vielleicht ein etwas gewöhnungsbedürftiger Pontius Pilatus, dafür gab es eine gesanglich einwandfreie Leistung mit schöner tiefer Stimme. Vor allem die einzelnen Peitschenschläge brüllte er mit aller Kraft und legte viel Power in seine Stimme, von der man eher ruhigere Töne gewöhnt ist. Vom Gesang her wurde ”King Herod’s Song” von Zoltan Tombor gut rübergebracht, lediglich die Umsetzung auf der Bühne war langweilig und speziell aus diesem Song kann man so einiges herausholen. Schon bei der konzertanten Version von ”Jesus Christ Superstar” dieses Jahr im Raimundtheater gab Stefan Cerny den Kaiphas. Was hat dieser Mann doch für eine genial tiefe Stimme. Kaum, dass man glaubt, es geht nicht mehr tiefer, wird man, mit noch tieferen Tönen, eines besseren belehrt. Wem es absolut nicht an Power fehlt, das war Max Volt, dem die Anweisung, wie ein Zinnsoldat zu stehen, scheinbar nicht mitgeteilt worden war und der versuchte speziell bei den Gruppensongs auch ein Gruppenfeeling aufkommen zu lassen. Vergeblich versuchte er seine Kollegen zu animieren und aus ihrer Erstarrung zu lösen, erst beim Finale, bei dem sich alle wirklich wie ausgewechselt präsentierten, ging sein Plan auf. Auch sein ”Simon Zealotes” war, wie auch schon im Raimundtheater, eines der Highlights, das dem Publikum, zumindest für kurze Zeit etwas einheizte.

Als Soulgirls standen Claudia Rohnefeld, Monika Zirngast, Dessislava Valeva-Philipova und Carola Baumann auf der Bühne. Einige wirkten sehr angespannt und auch der nötige Soul fehlte leider bei manchen. Weiters im Ensemble waren Joachim Feichtinger, Jonny Kreuter und Lutz Standop, die auch erst beim Finale so richtig zum Leben erwachten.

Die summerstage ist eine gute Idee, um den Platz vor dem Theater einmal anderweitig, als nur für Fussgänger zu nützen. ”Jesus Christ Superstar” zu wählen, war sicher auch kein Fehler, da sich dieses Stück gut für konzertante Fassungen eignet, lediglich auf die Umsetzung sollte beim nächsten Mal und das wird es sicherlich wieder geben, mehr geachtet werden.
Quelle: Andrea Martin

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  • Darius Merstein MacLeod, Boris Pfeifer, Patricia Nessy, Max Volt, Aris Sas
    Darius Merstein MacLeod, Boris Pfeifer, Patricia Nessy, Max Volt, Aris Sas
    © Nina Walde
  • Nessy, Volt, Sas, Pfeifer
    Nessy, Volt, Sas, Pfeifer
    © Nina Walde
  • Merstein MacLeod, Nessy, Volt, Sas
    Merstein MacLeod, Nessy, Volt, Sas
    © Nina Walde

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