Carmen Cubana, 13.-22.9.2007, Wiener Stadthalle

Nach einem äußerst erfolgreichen Musicalsommer 2006, bei dem ”Carmen Cubana” das erste Mal dem Publikum in Amstetten präsentiert wurde, entschloss man sich, das Musical auf eine kleine Tournee zu schicken. Am 21.8.fand in München die Premiere statt, das Gastspiel in Linz fiel leider aus, dafür wurde es von 13.-22.9. in der Halle F der Wiener Stadthalle so richtig feurig. Am Tag der Premiere drängten sich die Leute in die Halle, viele hatten das Stück schon in Amstetten gesehen und freuten sich auf die Wiederaufnahme. Natürlich waren, wie bei jeder Premiere jede Menge Promis unter den Gästen: Reinhard Jesionek, Adriana Zartl, Nina Proll, Christoph Fälbl, Steffi Paschke, Herbert Steinböck, Natalie Alison, Wolfgang Pissecker, Markus Spiegel, Carin Filipcic, Cornelia Zenz, Andreas Bieber, Marcello de Nardo und viele viele mehr. Die Veranstalter hatten Glück gehabt und konnten zum Großteil fast die komplette Cast aus Amstetten präsentieren. So standen neben Lana Gordon als Carmen, Jacqueline Braun und Kudra Owens als Mercedes und Francesca, Ruben Heerenveen in der Rolle des Escamillo auch Walter Reynolds als Lilas Pastias, Alvin Le-Bass als Sergeant Cooper und Dennis Le Gree als Rum auf der Bühne. Der Neuzugang bei den Hauptdarstellern war Rob Fowler als unglücklich verliebter Joe. Im Ensemble neu waren: Pehton Quirante (Morales), Hugo Cortes, Dominik Hofbauer, Andras Simonffy, die sich gut eingegliedert hatten.

Die Handlung von George Bizet’s ”Carmen” wurde in das Jahr 1994 und nach Kuba verlegt. Dort wird in der Bar von Lilas Pastias ”Fiesta del fuego” gefeiert. Sofort ist man gefesselt von heißen Rhythmen und der Energie der Darsteller, die pure Lebensfreude ausstrahlen. Nicht alle sind mit ihrem Leben zufrieden. Carmen flieht mit Freunden in einem kleinen Boot, wird jedoch schiffbrüchig. In letzter Sekunde kann sie gerettet werden und landet auf der Marinebasis Guantanamo. Die Gefangenen können nur mehr ein verzweifeltes ”Back to Cuba” singen, der amerikanische Traum scheint in weiter Ferne. Während die Soldaten im Gefängnis arbeiten, provoziert sie Carmen mit ”Habanera”. Ein Song, bei dem Gordon weiß, wie sie ihre Reize einzusetzen hat. Am Ende wirft sie Joe eine rote Rose zu, die er, als es keiner sieht, aufhebt. Die Rose ist das Symbol für Carmen. Eine wunderschöne Blume, die aber auch ob ihrer Dornen unangenehm sein kann. Um dieses Symbol gut darstellen zu können, trägt Lana fast ausschließlich rote Kleidung, die spärlicher nicht ausfallen hätte können. Rob Fowler als muskelbepackter Soldat singt noch über seine Zukunftspläne mit ”Lena”, doch es hat sich schon jemand anderer auch in sein Herz geschlichen, auch wenn er es nicht wahrhaben möchte. Nachdem Carmen im Streit einen weiblichen Mithäftling verletzt hat, wird sie zu Sergeant Cooper gebracht. Sie lehnt ein eindeutiges Angebot, das ihr die Freiheit verschaffen hätte können, ab. Während Cooper den Vorfall zu Protokoll bringt, fallen Joe und Carmen im Warteraum übereinander her. Eine sehr leidenschaftliche Szene, bei der die Gewänder vom Leib gerissen werden und es ordentlich zu knistern beginnt. Joe verhilft Carmen zur Flucht. Er selbst wird in eine Zelle verfrachtet und denkt in ”The rose” über seine Liebste nach. Carmen arbeitet nach ihrer gelungenen Flucht wieder bei Lilas Pastias. Dort verkehrt auch Sergeant Cooper. Da er in illegale Geschäfte mit dem Barbesitzer Lilas verwickelt ist, muss Carmen nett zu ihm sein. Sie hofft, dass Joe eines Tages auftauchen wird. Ihre quirrligen Freundinnen Mercedes und Francesca versuchen sie aufzuheitern. Sie berichten ihr von ihrem Engagement als Backgroundsängerinnen beim Popsänger Escamillo. Dieser taucht mit seinem Manager Rum und dessen Assistent Morales in der Bar auf. Er lässt sich überreden, gemeinsam mit seinen Boys, Hugo Cortes, Andras Simonffy, Steven Seale und Pehton Quirante (Ähnlichkeiten mit existierenden Boygroups sind durchaus erwünscht) sein Lied ”Be my lady” zu singen. Ruben groovt was das Zeug hält und zeigt seine ganz eigenen Tanzmoves. Escamillo ist von Carmen’s Ausstrahlung fasziniert und lädt sie ein auf seine Tournee mitzukommen. Mercedes, Francesca, Rum und Morales versuchen in ”Away” alles, um sie vom Leben an der Seite von Escamillo zu überzeugen, doch ihre Gedanken kreisen nur um Joe. Lana legt mit ”If I had to do it all again” ein starkes Solo hin. Das Publikum ist restlos begeistert. Plötzlich erscheint Joe in der Bar. Beide sind überwältigt. Doch während sie in Leidenschaft versinken, erscheint Cooper. Er provoziert Joe und zieht ein Messer. In der Hitze des Gefechts ersticht Joe den Sergeant. In Havanna tauchen Joe und Carmen unter. Carmen hat sich entschlossen Escamillo zu begleiten, da sie sich einen Karrierekick erhofft und das Geld gut brauchen kann. Joe weiht sie nicht in ihre Pläne ein. Escamillo liefert einen fulminanten Auftritt bei ”Te quiero” mit Feuerwerk und tollen Tanzeinlagen. Nach dem Erfolg des Auftritts erscheint Lilas (dessen Wohnung die aktuelle Zufluchtsstätte der beiden ist) bei Joe und bringt gleich jede Menge Freunde mit. Joe erfährt, was passiert ist und reagiert verärgert. Carmen wirft einen Blick in die Tarotkarten und da die Karten niemals lügen (so auch das Motto der Show) sieht sie, dass sie nicht mehr viel Zeit hat. Diese Erkenntnis verändert sie und sie stürzt sich in die Arme von Escamillo, die sie so möglichst schnell berühmt machen soll. Joe erwischt seine Liebe in den Armen des anderen. Zu dritt liefern sie ein starkes gesangliches Duell bei ”Too late for love”, bei dem auch die Lichteffekte gut gesetzt sind. Mit ”Good good lovin” hat Carmen ihren ersten Soloauftritt. Ein hitverdächtiger Ohrwurm mit viel Power. Joe verpasst sie nur knapp und bricht bei ”Sad Song” zusammen. Carmen tritt mit ihren Freundinnen auf Escamillos Tour auf. Mit ”It’s my life” sorgen die drei Rockröhren mit einem grandiosen Auftritt für Partystimmung. Die Farben rot und schwarz dominieren in diesem Song. Joe entführt Carmen und stellt sie vor die Wahl. Sie will ihn jedoch nicht heiraten und sich nicht binden. Somit hat sie ihr Leben verwirkt. Joe zieht sein Messer. Carmen stirbt in seinen Armen.

Nur zögerlich applaudiert das Publikum, da die Todesszene doch eine sehr emotionale ist.

Doch die Trauer währt nicht lange, das Ensemble kommt auf die Bühne und lässt sich beim Schlussapplaus mit standing ovations feiern. Als Zugabe gibt es noch einmal ”Fiesta del fuego”, bei dem sogar Kim Duddy auf der Bühne zu tanzen beginnt.

Auch wenn die Sterbenden etwas zu schnell tot waren, die Dialoge ab und zu mit vielen obszönen Wörtern gespickt waren, so ist ”Carmen Cubana” im großen und ganzen kein trauriges Stück, sondern ein gelungenes Musical mit viel Tanz und eingängigen Hits, die man sich gerne auch öfters anhört (und das auch kann, da von der Amstettner Produktion sowohl eine CD als auch eine DVD entstanden sind).

Lana Gordon ist die perfekte Carmen. Eine Wahnsinnsstimme, tolle Bühnenpräsenz und eine sympathische Ausstrahlung – die österreichische Musicalszene hat mit der Amerikanerin eindeutig einen neuen Stern, der noch lange leuchten wird. Auch Jacqueline Braun und Kudra Owens glänzen gesanglich neben Lana Gordon. Vor allem zu dritt geben sie ein unschlagbares Trio, bei dem die Spice Girls einpacken können. Rob Fowler hat es bei soviel geballter Frauenpower nicht leicht. Er versucht zwar sein Bestes, hat aber manchmal Schwierigkeiten sich gesanglich Gehör zu verschaffen. Ruben Heerenveen als cooler Popsänger bringt so schnell nichts aus der Ruhe und er liefert einen souveränen Auftritt, bei dem ihm die Damenwelt zu Füssen liegt. Vom großen Tanzensemble sind vor allem Kenia Bernal Gonzales und Neuzugang Hugo Cortes zu erwähnen. Beide sorgen immer wieder für akrobatische Einlagen und tolle Tanzszenen, die weit mehr sind, als Popogewackel, obwohl das natürlich auch schön anzusehen war.

Hoffentlich darf ”Carmen Cubana” noch viele so fulminante Premieren erleben, Potential zu einem Dauerbrenner ist auf jeden Fall vorhanden.

Darsteller:

Carmen – Lana Gordon

Joe – Rob Fowler

Escamillo – Ruben Heerenveen

Lilas Pastia – Walter Reynolds

Mercedes – Jacqueline Braun

Francesca – Kudra Owens

Rum – Dennis Le Gree

Sergeant Cooper – Alvin Le-Bass

Morales, Pepe – Pehton Quirante

Ensemble:

Brian Carmack, Carla Weissmann, Laura Fernandez, Kenia Bernal Gonzales,

Steven Seale, Lorna Dawson, Ines Hengl-Pirker, Hugo Cortes, Andras Simonffy,

Karen Henry, Michelle Marier, José Wanderley, Dominik Hofbauer

Quelle: Andrea Martin

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