High School Musical, Wiener Stadthalle

Meistens ist es so, dass es bei einem Musical zuerst die Bühnenversion gibt und wenn diese besonders erfolgreich ist, dann folgt eine Verfilmung. Im Fall des ”High School Musicals” lief es komplett anders. Es handelt sich um einen US-amerikanischen Fernsehfilm des Disney Channels aus dem Jahr 2006. Der Film wurde mit seinen Songs zum Mitsingen ein voller Erfolg und kassierte gleich etliche Auszeichnungen wie z.B. Emmy’s, Teen Choice Awards und ist sogar aufgrund der Tatsache, die meisten Hits eines Soundtracks auf einmal in den US-Charts zu haben im Guiness Buch der Rekorde 2008. Dass eine Bühnenversion nicht lange ausbleiben würde, war die klare und logische Schlussfolgerung. Die europäische Uraufführung wurde von der Wiener Holding und dem Performing Center Austria nach Österreich in die Wiener Stadthalle geholt. Die Regie übernahmen Werner Sobotka und Hannes Muik. Die musikalische Leitung lag in den Händen von Michael Schnack und für die Choreographie verantwortlich zeichneten Sabine Arthold und Ramesh Nair.

Probenbeginn war am 8.8. und nach etlichen medienwirksamen Auftritten und guter Promotion konnte am 25.9. die Premiere in der randvollen Halle F über die Bühne gehen. Und was wäre eine Premiere ohne die dazugehörigen Promis? Im Publikum saßen u.a. Christina und Jacqueline Lugner, Kurt Sobotka, Pia Baresch, Martin Niedermair, Lana Gordon, Jacqueline Braun, Adi Hirschal samt Tochter Maddalena, Erwin Kiennast, Rob Fowler und Sabine Mayer, Alfons Haider, Kathrin Zechner u.v.a.m

Die Bühne war zweckmässig eingerichtet (Bühnenbild Sam Madwar). Eine Wand in Backsteinstil stellt die Schule dar, bewegliche Sitztribünen, Baskettballkörbe oder das berühmt berüchtigte schwarze Brett, auf dem alle Neuigkeiten veröffentlicht standen, mehr wurde eigentlich auch schon gar nicht mehr benötigt. Zuviel wäre den rund 50 Darstellern auch – vor allem beim Tanzen – eindeutig im Weg gewesen.

Die Handlung ist einfach gestrickt und erinnert an die Zeiten von ”Grease”. Lediglich die Darsteller sind um einiges jünger, sowohl im Film, als auch auf der Bühne, was vermutlich auch der Grund dafür war, dass ein relativ junges Publikum in die Stadthalle gekommen war.

Troy Bolton (Gernot Romic) seines Zeichens Kapitän der Basketballmannschaft ”Wildcats” besucht am Silvesterabend eine Party und trifft dort auf Gabriella Montez (Daniela Lehner). Beide müssen an einem Karaokewettbewerb teilnehmen und singen gemeinsam ”Start of something new”, das sich nur am Anfang nach Amateurgesang anhört. Nach dem Austausch der Handynummern verlieren sie sich aus den Augen. In der Schule treffen sie einander zufällig wieder. Das Casting für das traditionelle Weihnachtsmusical steht an. Zu spät kommen Gabriella und Troy auf die Bühne, das Casting ist laut Mrs. Darbus (Steffi Paschke) schon vorbei. Doch Kelsi Neilson (Hanna Kastner) gibt den beiden die Möglichkeit den Song auf ihre Art zu interpretieren und sie können die verblüffte Lehrerin überzeugen, ihnen eine weitere Chance zu geben. Die beiden Cliquen von Gabriella und Troy, die ”Wildcats” und die ”Brainiacs” bekommen das Engagement der beiden für’s Singen mit und fühlen sich vernachlässigt. Für die schlauen Köpfe steht der Akademische Zehnkampf an, bei dem sie mit Hilfe von Gabriella gewinnen möchten und das Basketballteam hat ein wichtiges Spiel. Die Freunde der beiden Chad Danforth (Christian Petru) und Taylor McKessie (Isabel Trinkaus) beschließen, die beiden gegeneinander auszuspielen, damit sie nicht mehr miteinander singen möchten. Troy wird wütend gemacht und sagt Dinge über Gabriella, die ihm im Inneren selbst leid tun, er aber regelrecht von seiner Mannschaft dazu gezwungen wird. Die Mädels haben es so geschickt eingefädelt, dass Gabriella dies mitanhört und sehr enttäuscht reagiert. Mit der Zeit erkennen die beiden Gruppen aber, was sie ihren Freunden angetan haben und teilen ihnen mit, dass sie voll und ganz hinter ihnen stehen werden. Sie haben aber die Rechnung ohne Sharpay und Ryan gemacht. Da die beiden ihre Engagements im Musical zu verlieren drohen, lässt die ehrgeizige Sharpay den Callback für das Casting auf den gleichen Tag wie den Zehnkampf und das Baskettballspiel verlegen. Alles scheint verloren, doch wozu sind gute Freunde da? Taylor sorgt für einen Stromausfall. Beide Veranstaltungen werden kurzfristig unterbrochen und Troy kann mit Gabriella zum Vorsingen. Ihre Darbietung von ”Breaking free” schlägt ”Bop to the top” von Sharpay und Ryan um Längen und sie erhalten (natürlich) die Hauptrollen. Alle sind glücklich und singen ”We’re all in this together. Ein kleiner Kuss zwischen den beiden Verliebten besiegelt das Happy-End.

Der Großteil der jugendlichen Darsteller besteht aus Schülern des Performing Centers Austria und der Performing Youth Company. Ein ganz geringer Teil, vielleicht eine Handvoll, ist bereits mit der Ausbildung fertig. Es war aber mit Sicherheit für alle eine große Herausforderung in einer deutschsprachigen Erstaufführung mitzuwirken.

Sowohl Gernot Romic (Troy Bolton) als auch Daniela Lehner (Gabriella Montez) sind beide noch mitten in ihrer Ausbildung und können sich darüber freuen, die Hauptrollen ergattert zu haben. Beide sind jung, frisch und unverbraucht, geradezu ideal, um die beiden Teenies zu spielen, die ihre erste Liebe erleben, aber auch gleichzeitig für ihre Freunde dasein möchten. Beide spielen die braven Highschoolkids, wie aus dem Bilderbuch und lassen die Schmetterlinge im Bauch, das typische Zeichen für Verliebte, sichtbar werden.

Das schrägste Pärchen der Show sind aber mit Sicherheit die Geschwister Sharpay und Ryan Evans alias Nina Tatzber und Peter Lesiak. Rosa ist die Lieblingsfarbe der beiden, zumindest von Sharpay, da Ryan hauptsächlich als Schoßhündchen immer hinter ihr herläuft. Er darf nicht einmal während der Songs seine Räder schlagen, da seine Schwester diese nicht mag. Nina spielt die amerikanische Tussi, die von Zicke über Intrigantin bis zur Angeberin alles in einem ist, sehr überzeugend. Mit überzeichneten Bewegungen wie einem extra herausgestreckten Popo und einem Fuß mehr oder weniger elegant in der Höhe zieht sie berechnend alle Register in Sachen Intrigen und weiß genau, wie sie ihre Vorstellungen verwirklichen kann. Für Lacher sorgt Peter Lesiak, der als etwas dümmlicher Ryan immer hinter Sharpay herwackelt und nie das letzte Wort haben darf, wenn er überhaupt zum sprechen kommt. Erst zum Schluss wächst er über sich hinaus und beichtet Mrs. Darbus Sharpay’s Intrige, die nur mehr wütend davonstolziert.

Als beste Freunde von Troy und Gabriella erkennen Taylor McKessie alias Isabel Trinkaus und Chad Danforth (Christian Petru) gerade noch rechtzeitig, dass man die beiden nicht im Stich lassen kann und helfen ihnen, den Traum vom gemeinsamen Singen zu verwirklichen. Während Christian vor allem im Kreis der Sportler beim Basketballspielen eine gute Figur macht, steckt Isabel oft in einem weißen Kittel, der die Mathe- und Chemiegenies auszeichnet. Beide dürfen ab und zu kurz tonangebend in diversen Songs sein und machen ihre Sache gut.

Als tollpatschiger Zeke Baylor steht Nikolaus Stich auf der Bühne. Besonders herrlich die Szene, als er seine geheime Kochleidenschaft preisgibt, Sharpay mit einer Torte hinterherläuft und diese im Endeffekt direkt auf ihrem Oberteil landet.

Kelsi Neilson alias Hanna Kastner ist die Verfasserin des Musicals, für das die Rollen vergeben werden sollen und die einzige, die anfangs an das gesangliche Newcomerduo Troy und Gabriella glaubt. Hanna sticht vor allem durch ihre unsichere Haltung hervor, die sie für die Rolle unbedingt braucht und darf erst beim gelungenen Finale aus sich herausgehen.

Als schrullige Lehrerin Mrs. Darbus konnte man Steffi Paschke ins Boot holen. Schon allein ihr Outfit sorgt für schmunzeln im Publikum und ihre übertriebene Ausdrucksweise hat es auch in sich.

Coach Bolton, Vater von Troy wird von Christian Frank dargestellt. Er mimt den strengen Vater und Trainer, zeigt jedoch am Schluss auch Gefühle, da er sehr stolz auf das ist, was sein Sohn geleistet hat.

Flotte, im wahrsten Sinn des Wortes atemraubende (vor allem für die Sänger) Choreographien, bei denen oft das gesamte Ensemble auf der Bühne steht, zeichnen das Stück aus und man weiß gar nicht, wohin man sehen soll, da alle mit Feuereifer dabei sein.

Leider machte die Tontechnik an dem Abend den Darstellern oft einen Strich durch die Rechnung. Mikros waren zu laut oder zu leise und die Qualität des Gesangs ging dadurch oft etwas verloren. Man muss den Technikern allerdings zu gute halten, dass sie für den Aufbau der Ausrüstung lediglich zwei Tage zur Verfügung hatten. Dafür, dass man nur so kurz Zeit gehabt hatte, um diese Riesenshow auf die Beine zu stellen, waren die Verantwortlichen froh, dass alles andere gut über die Bühne ging.

Sehr schade, dass die Show nur so kurz in der Stadthalle am Spielplan stand, da die angesetzten Shows sehr schnell so gut wie ausverkauft waren.

Der Musical Cocktail bat die 4 Hauptdarsteller Gernot Romic, Daniela Lehner, Nina Tatzber und Peter Lesiak zu einem Kurzinterview:

Daniela, Gernot und Nina – eure Namen sind dem breiten Publikum noch kein Begriff, was versprecht ihr euch von eurem Auftritt im ”High School Musical”?

Nina: Man erhofft sich natürlich, dass man bekannter wird. Es sehen doch einige wichtige Personen im Publikum zu, die für die weitere Karriere ausschlaggebend sein könnten.

Gernot: Wir hoffen, glaube ich alle, dass es für uns eine Art Sprungbrett ist. Es ist sicher gut, wenn man im Lebenslauf verschiedenes vorweisen kann, so auch z.B. eine Premiere im deutschsprachigen Raum wie eben das ”High School Musical”.

Daniela: Für mich persönlich ist es auch wichtig, dass ehemalige Schulkameraden von mir erfahren, was ich jetzt mache und dass man sieht, dass sich das ”Herumgehüpfe” auch auszahlen kann und man damit auch große Hallen, wie die Halle F der Wiener Stadthalle füllen kann.

Du stellst eine begabte Schülerin dar – wie waren deine Erfahrungen in der Schulzeit, deine Noten?

Daniela: Ich war keine schlechte Schülerin, aber auch keine Streberin. Natürlich gab es Phasen, wo ich nicht so gerne gelernt habe. Zum Unterschied zu Gabriella war ich weniger gut in den Fächern Mathematik und Physik, mir lagen Deutsch und die Sprachen mehr.

Sharpay bekommt durch kleine Intrigen im Stück fast alles, was sie möchte, kannst du dich mir ihrem Charakter identifizieren?

Nina: Nein, überhaupt nicht. Privat bin ich ganz anders, keine Zicke und Intrigantin. Es ist aber schön, wenn man diese andere Seite auf der Bühne einmal ausleben kann.

Zac Efron wurde mit der Darstellung seines Troy Bolton schlagartig zum Liebling der Teenies. Wie wird deine Wirkung auf das weibliche Publikum sein?

Gernot: Also ich erwarte nicht, dass jetzt alle Mädels auf mich fliegen werden. Ich wurde zwar vorgewarnt, aber so ganz kann ich mir das nicht vorstellen. Es wird sicher Fans geben, die beim Bühnenausgang stehen, aber ich glaube nicht, dass es kreischende Massen wegen mir geben wird. Ich hoffe zunächst, dass die Show gut läuft und alles was dann kommt, das wird sich zeigen.

Du bist einer der Musicaldarsteller mit mehr Erfahrung, was hat dich dazu bewogen im High School Musical mitzumachen, wo doch eher Newcomer am Start sind?

Peter: Ich wollte schon immer gerne mit Werner Sobotka zusammenarbeiten. Dieses Stück war das erste, wo es für mich zeitmässig und auch vom Typ her gepasst hat und ich freue mich auf eine neue Erfahrung mehr.

Was würdet ihr alles für die große Liebe tun bzw. habt ihr schon einmal etwas Verrücktes/Außergewöhnliches getan, um jemanden zu erobern?

Nina: Gibt es die große Liebe überhaupt?

Peter: Ich glaube, dass auch schon ein kleines Präsent oder ein spontaner Besuch dem anderen Freude machen kann, es muss nicht immer etwas Großartiges und Aufwändiges sein. Für Außenstehende wirkt das vielleicht dann nicht allzu Besonders, aber es ist vor allem wichtig, dass sich die betroffene Person freut sich. Ich glaube mit vielen Kleinigkeiten kann man auch seine große Liebe erobern.
Quelle: Andrea Martin

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  • Gernot Romic, Daniela Lehner, Nina Tatzber, Peter Lesiak,Christian Petru
    Gernot Romic, Daniela Lehner, Nina Tatzber, Peter Lesiak,Christian Petru
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  • Nina Tatzber, Peter Lesiak, Christian Petru
    Nina Tatzber, Peter Lesiak, Christian Petru
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