Der „Rächer der Enterbten“ traf in Tecklenburg 24 mal ins Schwarze

Nach „Robin Hood“ präsentiert die Freilichtbühne in der kommenden Spielzeit „Cinderella“ für ihre jungen Besucher

Seit einigen Jahren bieten die Tecklenburger Freilichtspiele neben ihren Hauptinszenierungen jeweils auch ein spezielles Musical für Kinder. Eine Strategie, die sich als äußerst erfolgreich erwiesen hat und die die Besucherzahlen weiter nach oben treibt. Die Vorstellungen werden samt und sonders stark frequentiert. Und als angenehme Begleiterscheinung zieht man sich damit auch die Theater(stamm)gäste von morgen heran. Wem’s gefallen hat, kommt wieder, und das mitunter auf Jahre hinaus. 36.000 Gäste, und das ist ein guter Schnitt, kamen allein in diesem Jahr zum König der Bogenschützen, der insgesamt 24 Mal ins Schwarze traf.

Bei der Themenwahl können die Münsterländer eigentlich aus dem Vollen schöpfen. Es gibt genügend (oft sattsam bekannte) Stoffe aus Film, Fernsehen und Literatur, die für eine Bühnen-Adaption geeignet erscheinen. Ob ”Ronja Räubertochter”, wie im vergangenen Jahr, ”Pippi Langstrumpf”, ”Die Schöne und das Biest”, ”Biene Maja”, ”Das Dschungelbuch”, ”Pinoccio”, ”Räuber Hotzenplotz”, ”Dornröschen” oder halt ”Robin Hood”, die handelnden (Titel-)Figuren kennt jedes Kind. Bei der Umsetzung der Stücke kochen die Tecklenburger dann ihr eigenes Süppchen und verlassen sich lieber auf ihre eigene Kreativität, anstatt auf eventuell bereits vorhandene Vorlagen zurück zu greifen. Die Storyline selbst ist ja durch die Wahl des Stoffs vorgegeben, alles andere hingegen erfolgt in und unter eigener Regie.

Einer für alle, alle für einen

Das gilt vor allem auch für den Text und die Musik, wobei Radulf Beuleke, der Intendant der Bühne, und Klaus Hillebrecht, deren musikalischer Leiter, ein kongeniales und gut aufeinander eingespieltes Autoren-/Komponisten-Tandem abgeben. Das zeigte sich auch wieder in der Saison 2007, als besagter Robert von Locksley seinen gefürchteten Bogen im Theater auf der Burg spannte. Wahl-Mallorquiner Hillebrecht hatte wiederum eine gefällige, eingängige und schwungvolle Partitur zur Beuleke’schen Textvorlage abgeliefert, die die Kleinen, die dem Geschehen auf der Bühne mit großer Spannung folgten, an vielen Stellen zum Mitklatschen animierte. Vor allem der Song ”Einer für alle, alle für einen” erwies sich da als Showstopper.

Witzig, spannend, farbenfroh

Die Texte waren kindgerecht, stimmig und witzig formuliert, und zwar im Idiom der Kids von heute. Und so etwas kommt natürlich an. Regie führten Annette Fischer und Michael Schüler aus Hamburg, mit denen die Tecklenburger eine langjährige, fruchtbare Zusammenarbeit verbindet und die auch für die peppige Choreografie verantwortlich zeichneten. Karin Alberti steuerte erneut die phantasievollen und von viel Detailliebe zeugenden Kostüme bei.

Bei der Besetzung profitierten die Hausherren wiederum von der engen Verzahnung zwischen ihnen, der Tecklenburg-Bühne, und der German Musical Academie Osnabrück. Diese Talentschmiede stellte einen wesentlichen Teil der Robin Hood-Cast, war aber auch bei den beiden ”Erwachsenen”-Inszenierungen ”Jekyll & Hyde” und ”Miami Nights” personell nicht unerheblich eingebunden. Den Titelheld verkörperte Thorsten Gangloff, und der junge Mann machte nicht nur als solcher, sondern später auch als tapsiger Tanzschüler in ”Miami Nights” eine gute Figur. Wie es aussieht, wird man ihn künftig noch öfter hier zu sehen bekommen.

Reizende Lady, furchtloser Held

Claudia Balmes gab eine überaus reizende Lady Marian, die aus den Fängen des Sheriffs zu retten Robin wild entschlossen ist. Den Part des Buhmannes und Bösewichts hatte der Intendant selbst übernommen. Radulf Beuleke verlieh dem fiesen Nottingham-Cop überzeugende Konturen. Auf die Lacher der Kinder abonniert war naturgemäß ”Bruder Tuck”. Die dankbare Rolle des listigen, mit zügellosem Appetit ausgestatteten Dickbauch-Mönchs teilten sich Hendrik Bönnschen und Jojo Hartmann. Weitere Figuren: Will Scarlett (Sebastian Benker), Joanna (Imke Strothmann), Königmutter (Ellen Lauper), Lady Rosamunde (Elke Hemmer), Lady Gwendolyn (Doris Seidel).Lionel, der Spielmann (Rolf Lauper) und Prinz John (Hubert Attermeier ) Letzterer lieferte einen herrliche infantiles Muttersöhnchen ab.

Dass die Hillebrecht-Musik vom Band kam, was ja letztendlich auch eine Frage der Kalkulation ist, störte keinen. Hätte man zu jeder Show ein komplettes Orchester aufbieten müssen, die günstigen und für jedermann erschwinglichen Ticketpreise wäre nicht zu halten gewesen. Für einen Einheitspreis von 7 EUR gab’s ein zweistündiges, kurzweiliges Theater- und Musicalvergnügen für Klein und Groß. Und im nächsten Jahr dürfen sie sich auf ”Cinderella” – ”Drei Rätsel für Aschenputtel” freuen.
Quelle: Jürgen Heimann

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  • Vom Hafer gestochen? Der Sheriff (von Nottingham) alias Radulf Beuleke gibt seinem Trakehner die Sporen.
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    © Heiner Schäffer
  • Ritterschlag für den furchtlosen Outlaw aus den Wäldern: Ende gut, alles gut. Mit „Robin Hood“ hatten die Tecklenburger auch in diesem Jahr genau den Geschmack ihres jungen Publikums getroffen.
    Ritterschlag für den furchtlosen Outlaw aus den Wäldern: Ende gut, alles gut. Mit „Robin Hood“ hatten die Tecklenburger auch in diesem Jahr genau den Geschmack ihres jungen Publikums getroffen.
    © Heiner Schäffer
  • Fieser Cop: Der Sheriff von Nottingham (Radulf Beuleke/rechts) hat die schöne  Lady Marian (Claudia Balmes/Mitte) und ihre Begleitung in seine Gewalt gebracht.
    Fieser Cop: Der Sheriff von Nottingham (Radulf Beuleke/rechts) hat die schöne Lady Marian (Claudia Balmes/Mitte) und ihre Begleitung in seine Gewalt gebracht.
    © Heiner Schäffer
  • Scharfschütze: Thorsten Gangloff von der German Musical Academie in Osnabrück machte als Titelheld Robin Hood eine hervorragende Figur.
    Scharfschütze: Thorsten Gangloff von der German Musical Academie in Osnabrück machte als Titelheld Robin Hood eine hervorragende Figur.
    © Heiner Schäffer
  • Schlitzohriger Dickbauch-Mönch: „Bruder Tuck“ hatte die Lacher stets auf seiner Seite. In der Tecklenburger Inszenierung wurde diese dankbare Rolle im Wechsel von Henrik Bönnschen und Jojo Hartmann verkörpert.
    Schlitzohriger Dickbauch-Mönch: „Bruder Tuck“ hatte die Lacher stets auf seiner Seite. In der Tecklenburger Inszenierung wurde diese dankbare Rolle im Wechsel von Henrik Bönnschen und Jojo Hartmann verkörpert.
    © Heiner Schäffer

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