Österreichisch-Irisches „Joint Venture“ – Interview mit Karin Seyfried und Sean Gerard

Privat und auf der Bühne ein Traumpaar: Als der „Jimmy“ im rheinischen Miami die „Laura“ freite

Der Name Karin Seyfried hat in der deutschsprachigen Musicalwelt seit Jahren einen guten Klang. Talent, Fleiß, Zähigkeit und Wandlungsfähigkeit sind die Fundamente, auf die sich ihrer Reputation stützt. Die charmante und liebenswerte Österreicherin hat die unterschiedlichsten Charaktere und Frauenpersönlichkeiten verkörpert, und das jeweils absolut authentisch und glaubwürdig. Die Fähigkeit, auf der Bühne voll und ganz in einer Rolle aufzugehen und sich damit zu identifizieren ist eine der Voraussetzungen, in diesem anstrengenden, aber auch schönen Beruf bestehen zu können. Schauspiel, Gesang und Tanz verknüpft sie, je nach Rollenprofil und Anforderung, zu einem gleichwertigen, homogenen Mit- und Nebeneinander. Diese elementaren Eckpunkte der Musicalsparte sind bei der studierten Ballerina ausnahmslos gleich umfangreich ausgeprägt.

Zicke, Latino-Queen und Kaiserin

Der Durchbruch hier zu Lande glückte der Wienerin als zickige ”Stephanie Mangano” in der Kölner Inszenierung des Bee Gee-Musicals ”Saturday Night Fever”, um dann mit ”Miami Nights” als Latino-Queen ”Laura Maria Consuela Martinez Montoya Gomez”im benachbarten Düsseldorf noch einmal ein paar Sprossen auf der Leiter der Publikumsgunst nach oben zu klettern. Den anspruchsvollen Part der Kaiserin ”Elisabeth” in dem gleichnamigen Levay/Kunze-Hit in Stuttgart meisterte die hübsche Künstlerin ebenso souverän wie jenen der Isabella Massini in der Neuauflage von Gaudi. Sie gehörte bereits zur Premierencast der Wiener ”Elisabeth”-Inszenierung und stand in Folge bei Disneys ”Die Schöne und das Biest”, bei ”Grease” dem ”Phantom der Oper”, ”La Cage aux Folles” und ”Sunset Boulevard” (hier als ”Betty”) auf der Besetzungsliste. Die Rolle der ”Peggy” in ”42nd Street” geriet zum großen Triumph. In der diesjährigen Tecklenburger Spielzeit punktete Karin Seyfried dann gleich in doppelter Mission: als ”Lisa” in ”Jekyll & Hyde” sowie als kubanische Tanzprinzessin in ”Miami Nights”. Und zur Zeit ist sie in ener konzertanten Aufführungsreihe von Leonard Bernsteins ”The Mass” in Bukarest zu erleben.

Zwischen Fußballfeld und Pokertisch

Nicht minder vielseitig und wandelbar kommt ihr Ehemann Sean Gerard daher. Auch der polyglotte Ire mit dem gewinnenden, verschmitzten Lächeln ist von Hause aus ein begnadeter, diplomierter Tänzer. Zur Zeit kann man ihn beim Löwenking in Hamburg gleich in drei Rollen erleben: als ”Timon”, ”Zazu” und ”Ed”. Seine Karriere als Musicaldarsteller hatte Gerard im Rahmen einer ausgedehnten ”Fiddler of the Roof”-Tournee durch Großbritannien begründet, sein Deutschlanddebüt gab er weiland am Bonner Stadttheater als ”Claude” in ”Hair”. Danach lief der Tenor als ”Jimmy Miller” (”Miami Nights”) im Düsseldorfer Capitol zu Hochform auf, um in Folge bei mehreren Produktionen in seiner Lieblingsstadt Wien seinen Mann zu stehen: in ”Barbarella”, ”Broadway Can Bounce” und ”Romeo und Julia”. Bei letzterer Inszenierung beeindruckte er als ”Superswing” in gleich vier Rollen: ”Benvolio”, ”Tybald”, Paris und ”Pater Lorenzo”. Als ”Judas” machte der semiprofessionelle Kicker, der sich auf dem Fußballfeld ebenso zu Hause fühlt wie am Pokertisch, in der konzertanten Fasssung von ”Jesus Christ Superstar” im Wiener Raimundtheater eine herausragende Figur, um ”nebenbei” auch mal bei ”Les Misérables” in St. Gallen auf die Barrikaden zu steigen. Die Antwort auf die Frage nach seinem Vorbild kommt wie aus der Pistrole geschossen: ”Mein Frau!”

Was sie bewegt und was sie ärgert, worauf es ihnen im richtigen Leben und auf der Bühne ankommt und was sie sich für die Zukunft wünschen, verrieten die beiden sympathischen Künstler unserem Mitarbeiter Jürgen Heimann.

Karin, Sean, was war das für ein Gefühl, nach zwei Jahren wieder einmal gemeinsam als Laura Gomez und Jimmy Miller auf einer Bühne zu stehen?

SEAN: Also ich kann für uns beide sagen, dass wir es sehr genossen haben. Es war aufregend und hat uns wirklich viel Freude und Spaß gemacht.

KARIN: Und es war das erste Mal, dass wir als Ehepaar zusammen in einem Stück gespielt haben.

Ihr seid ja in Düsseldorf hunderte Male in diese Rollen geschlüpft. Wisst Ihr noch genau, wie oft?

K: Das waren ca. 430 Shows in eineinhalb Jahren für mich.

S: Ich war zwei Jahre dabei und habe zunächst ja im Ensemble gespielt. Als Jimmy Miller dürften es für mich so um die 250 Vorstellungen gewesen sein.

Wer also könnte es besser beurteilen als Ihr: Was war in der Tecklenburger Inszenierung von ”Miami Nights” anders als in Düsseldorf? Was fandet Ihr besser oder vielleicht nicht so gut?

S: Die Rollen waren zurück haltender ausgelegt, nicht so überzeichnet. Bei den Charakteren wurde nicht ganz so dick aufgetragen, sodass sie mitunter wie eine Karikatur wirkten.

K: Es gab auch keine Drehbühne. Da war ich sehr gespannt, wie Dean (Welterlen) und Doris (Marlies) das umsetzen würden.

S: Ja, Doris hat eine tolle Choreographie gemacht. Ich würde gerne wissen, wie das auf einem richtigen Tanzboden ausgesehen hätte. Der Untergrund in Tecklenburg bestand ja aus Holz und Stein. Das war sehr schwierig bei Regen – und auch sehr gefährlich.

K: Und dann war die Bühne natürlich viiiiiiel größer als in festen Häusern und musste entsprechend ‚bevölkert’ werden. Deshalb waren auch erheblich mehr Darsteller in Aktion.

Kubanischer Akzent mit Wiener Einschlag

Konntet Ihr auf Eure Erfahrung aus Düsseldorf aufbauen, oder musstet Ihr die Rollen, weil der Regisseur dieses oder jenes vielleicht anders sah und anders anpackte, neu erfinden bzw. aufbauen?

S: Es war toll mit Dean zu arbeiten. Er hatte neue Ideen und war trotzdem begeistert und offen dafür, was wir ihm angeboten bzw. vorgeschlagen haben.

K: Ich habe die Laura bei der Welturaufführung in Düsseldorf ja quasi mit geboren, wenn man das so sagen darf. Meine neue Herausforderung bestand diesmal darin, den kubanischen Akzent des Mädels so rüber zu bringen, dass es nicht aufgesetzt wirkte. Und ich war sehr froh (und verblüfft), als sich einige Zuschauer nach der Vorstellung darüber wunderten, dass die Laura privat ja völlig akzentfrei spreche. Okay, vielleicht mit etwas Wiener Dialekt…..

Die Inszenierung war ein Riesenerfolg und trat sehr schnell aus dem Schatten des wesentlich bekannteren ”Jekyll & Hyde” heraus. Zur Premiere kamen sogar deutlich mehr Besucher. Habt Ihr mit dieser Entwicklung gerechnet?

K. Nein, ich wirklich nicht. Zumal Kollegen mir geschildert hatten, wie überschwänglich ‚Les Misérables’ im vergangenen Jahr vom Publikum aufgenommen worden war. Da habe ich, ehrlich gesagt, dem diesjährigen ‚Zweitstück’ nicht so eine enorme Resonanz zugetraut. Aber ich habe mich gerne eines Besseren belehren lassen (lacht).

S: Ich war mir von Anfang an sicher, dass Miami Nights die Leute begeistern würde. Es passte in dieser Konstellation einfach perfekt auf diese große Bühne.

Karin, Du warst ja hier in gleich zwei Hauptrollen zu sehen. Einmal als Lisa in J&H, und dann eben als Laura. War das nicht etwas viel auf einmal?

K: Auf gar keinen Fall. Das hat mich richtig gefordert und in Anspruch genommen. So etwas macht wir Spaß. Zumal es sich ja auch um zwei völlig verschiedene Frauenfiguren handelte, was es noch einmal interessanter für mich gemacht hat. Ich hab’ es richtig genossen. Das waren super Kollegen und tolle Regisseure. Und Tecklenburg hat mich in den drei Monaten, in denen ich hier war, ganz einfach verzaubert.

”Wir haben uns in Tecklenburg wie zu Hause gefühlt”

Es war das erste Mal für Euch Beide, dass Ihr auf Deutschlands größter Freilichtbühne gespielt habt. Euer Kollege Patrick Stanke behauptet ja inzwischen, Tecklenburg mache süchtig. Wie seid Ihr aufgenommen worden?

S: Wie Karin schon sagte, alle hier waren wirklich sehr freundlich und total nett. Und das gilt nicht nur für die unmittelbar an der Produktion beteiligten Leute. Ein außergewöhnliches familiäres Klima. Wir haben uns wie zu Hause gefühlt, und das ist nicht nur so daher gesagt.

K: Manchmal habe ich mich wie ‘ne kleine Berühmtheit gefühlt. Wir sind durch das Städtchen gegangen und wurden erkannt. Die Leute haben getuschelt. Okay, Sean hat das nicht so mitgekriegt…

S: Echt? Das ist mir gar nicht aufgefallen.

Ihr beide seid ja hervorragende Tänzer. In der nächsten Saison setzen die Tecklenburger ”Footloose” auf den Spielplan. Wäre dies nach ”MN” nicht auch etwas für Euch?

K: ‘Mozart’ kommt ja auch….

S: Ich würde wirklich sehr gerne wieder in Tecklenburg spielen. Vielleicht als ‘Ren’ bei ‘Footloose’. Mit etwas Glück, wer wei߅.!

Wechseln wir mal ins Private: Kennen- und lieben gelernt habt Ihr Euch während Eures MN-Engagements in Düsseldorf.

S: Ja, und deshalb hat das Stück für uns auch eine ganz besondere Bedeutung. Wir sind während unserer Düsseldorfer Zeit ganz dicke Freunde geworden. Und diese Freundschaft ist auch die starke Basis für unsere Ehe.

K: Für mich war es besonders schön und eindrucksvoll, als Ehepaar MN zu spielen.

Ihr beiden habt ja während der inzwischen zu Ende gegangenen Spielzeit im Münsterland Euren zweijährigen Hochzeitstag feiern können. Normalerweise seht ihr Euch ja wohl nicht so oft wie während dieser Sommerspielzeit ….

K: Na ja, einfach war es auch hier nicht, da Sean parallel noch beim ‚König der Löwen’ spielen musste. Allerdings haben wir uns am Hochzeitstag ein romantisches Mittagessen gegönnt….

S: ..und zwar im Hotel Bismarckshöhe. Und Karin hat mich mit 20 roten Rosen überrascht.

Euer Beruf ist ja jetzt nicht gerade familien-/beziehungsfördernd bzw. -erhaltend. Wie geht Ihr damit um, wenn Sean beispielsweise ein Engagement in Hamburg hat, während Du Karin in Stuttgart auf der Bühne stehst und Ihr Euch möglicherweise wochenlang nicht seht? Ist das nicht eine immense Belastung für Eure Ehe? Die Handy-Provider freuen sich bestimmt….

K: Das stimmt. Wir haben aber einen Duo-Vertrag, das macht die Handyrechnung kalkulierbar. Wenigstens leben wir jetzt schon mal im selben Land! Hi,hi. Sean ist im April endlich von Wien nach Hamburg umgezogen.

S: Trotzdem kamen wir auch bisher sehr gut zurecht. Man braucht natürlich Vertrauen und muß viel, viel miteinander reden. Manchmal hat man sich am Telefon mehr zu sagen, als wenn man zusammen lebt und sich gegenüber steht.

Euer Job hat, wie alle anderen auch, seine Schatten- und Sonnenseiten. Wo liegen die Nachteile, wo die Vorteile? Und: Habt Ihr es jemals bereut, diesen Weg eingeschlagen zu haben?

K: Wir haben beide unser Hobby zum Beruf machen können, und das ist wunderbar.

S: Doch, wenn man mal eine schlechte Show hat, dann nimmt man es auch mit nach Hause ins Private. Man kann so etwas nicht einfach beim Bühnenausgang abgeben.

Co-Pilot beim Putzen

Sean kocht gerne und gut, Du assistierst ihm in der Küche. Ist das auch in anderen Bereichen so?

S: Beim Putzen und beim Autofahren!

K: Ja, Sean ist der beste Co-Pilot.

Wer von Euch ist der bessere UNO- bzw. Backgammon-Spieler?

K: ICH!

S: ICH!

Dass Ihr gemeinsam in einer Produktion verpflichtet seid, ist für Euch und andere Musical-Paare ja wohl die ganz große Aufnahme und, ich denke, man kann es so sagen, ein großer, persönlicher Glücksfall. Wie hat sich das ergeben?

K: Das war eigentlich wie immer. Wir haben ganz normal an den Auditions teilgenommen und man hat uns engagiert.

”Miami Nights” lebt ja auch von den großen Chartstürmern der 80er Jahre. Ist das auch die Musik, die Ihr privat gerne hört, oder liegen die Präferenzen da etwas anders?

S: Ich steh’ eher auf R&B!

K: Ich mag’ die Musik der 80-er zwar sehr, aber zu Hause genieße ich doch lieber etwas Souliges.

Karin, Du hast mir seinerzeit in Düsseldorf einmal gesagt, eine Deiner großen Wunschrollen wäre ”Elisabeth” Dieser Traum ist ja inzwischen, siehe Stuttgart, für Dich in Erfüllung gegangen. Gibt es inzwischen neue Ziele bzw. Träume? Was wäre in dieser Hinsicht für Dich erstrebenswert?

K: Neue Traumrollen? Davon gibt’s zum Glück genug. Ich nenne einmal ‘Sweet Charity’, ‘Spiderwoman’ oder die ‘Roxy’ aus ‘Chicago’.

Sehnsucht nach dem Ga-Ga-Land

Und für Dich, Sean?

S: Also, mich würde es reizen, bei ‘Blood Brothers’ einen der Brüder zu übernehmen. Aber noch mehr interessiert mich die Figur des ‘Galileo’ in ‘We will rock you” oder die des ‘Ren’ in ‘Footloose’.

Wie sehen kurzfristig Eure weiteren Pläne und Engagements aus? Sean ist ja immer noch in Hamburg beim König der Löwen. Und Du, Karin, wo wird man Dich demnächst erleben können?

S: Karin bestreitet eine Konzertreihe von Leonard Bernsteins ‘The Mass’ in Bukarest. Und ich bin weiterhin beim ‚König der Löwen’ in Hamburg sowie zwischendurch bei ‘Les Miserables’ in St Gallen unter Vertrag.

Karin, um einige Deiner Rollen abzuarbeiten: Die Kaiserin Elisabeth war selbstbewusst und stolz, Stephanie Mangano (Saturday Night Fever) zickig und karrierebewusst, Isabella (Gaudi) eine raffinierte Verführerin und Laura Gomez (Miami Nights) liebenswert und nett. Welche Eigenschaften davon glaubst Du, gehören wirklich zu Dir? Oder soll Sean da lieber antworten?

K: Das ist ja interessant. Die Antwort überlasse ich aber lieber meinem Mann!

S: Oh, oh! Selbstbewusst und stolz ist sie durch ihr österreichisches Blut. Karrierebewusst auf jeden Fall, zickig nein, raffinierte Verführerin nur für mich und liebenswert und nett für die ganze Welt. Von allen 4 Rollen etwas.

Die Rolle des smarten, ehrlichen Jimmy Miller mit dem gewinnenden Lächeln scheint Sean ja auf den Leib geschrieben bzw. ins Gesicht geschnitten zu sein. Er ist, wenn man so die Diskussionen und Beiträge in diversen Internetforen und auf Fanseiten verfolgt, offenbar ein Frauen- und Mädchenschwarm. Macht Dich das eifersüchtig, Karin?

K: Aber nein! Naja, vielleicht doch ein kleines bisschen. Für eine Beziehung ist es gesund, wenn man weiß, dass es ‚Konkurrenz’ gibt. Dann wird die Partnerschaft nicht selbstverständlich. Fest zu stellen, dass andere Frauen Sean ebenfalls attraktiv finden, er aber immer mich wählt, dass ist ein schönes Kompliment.

Es gehört ja heuer fast zum guten Ton: Nahezu jeder Künstler hat eine eigene Internetpräsenz. Ihr verzichtet auf so etwas. Warum?

S: Wir haben schon oft darüber nachgedacht. Aber wenn wir schon eine eigene Homepage ins Netz stellen, dann müsste sie wirklich richtig professionell gestaltet sein.

K: Einige Fans haben es mir schon angeboten. Sean ist aber mit einer Info-Seite online:

www.sean-gerard.at.gg

”Das Urteil des Publikums zählt für uns allermeisten”

Künstler, die täglich vom Rampenlicht beleuchtet werden, stehen ja mehr oder weniger unter permanenter Beobachtung. Wie geht Ihr mit Kritik um? Den ein oder anderen Verriss hat es sicherlich schon gegeben….

S: Geschmäcker sind zum Glück verschieden! Karin und ich analysieren natürlich genau, wie man über uns urteilt. Und dann geht es darum, was nimmt man davon an, also, was ist berechtigt, und was nicht. Wir fragen uns, was sollten wir vielleicht künftig anders machen und was sollte genau so bleiben, wie es ist.

K: Am allerwichtigsten sind aber die Reaktionen des Publikums, also der Menschen, für die man eigentlich auf der Bühne steht. Was der Zuschauer sagt, ist entscheidend, nicht so sehr die Meinung der Feuilletonisten. Und deshalb freuen wir uns auch immer über Post von Theaterbesuchern, sei sie nun lobend oder tadelnd.

Apropos Kritik(er): Bei vielen Feuilleton-Vertretern scheint ja die Meinung vorzuherrschen, ein Stück müsse immer auch eine (möglichst tiefe) Botschaft transportieren. Je ernster und getragener (oder auch verquerer), desto besser. Wie seht Ihr das als Künstler? Ist das Sinn, Zweck und Bestimmung des Theaters? Oder anders gefragt: Was macht Euch mehr Spaß bzw. fordert Euch mehr heraus, eine leichte, lockere Inszenierung, oder eher etwas in Richtung Drama?

S: Nicht jeder kann’s lustig. Frag’ einen guten Schauspieler. Der behauptet, nur die Besten könnten auch komisch sein. Mir persönlich macht es ja auch viel Spaß, Leute zum Lachen zu bringen. Aber genau so wichtig ist es für mich, wenn ich Menschen emotional packen und berühren kann.

K: Ich finde, sowohl das Lustige, als auch das Traurige haben ihre elementare Daseinsberechtigung – gerade auch im Theater. Darin spiegelt sich auch das reale Leben wider. Der Mensch braucht Beides. Ein leichtverdauliches, lockeres Stück, nachdem der Besucher beschwingt nach Hause geht, und eine Inszenierung, die ihn aufwühlt bzw. zu Tränen rührt, sind absolut gleichrangig.

”Man braucht in diesem Job ein starkes Selbstbewusstsein”

Die Konkurrenz in der Musicalszene ist ja in den vergangenen Jahren wesentlich größer geworden. Herrscht unter den Künstlern Ellenbogenmentalität und Kampf jeder gegen jeden um die besten Jobs, oder überwiegen Kollegialität und Miteinander?

K: Wie in jedem anderen Job gibt es auch bei uns solche und solche Kollegen.

S: Man braucht in diesem Beruf auf jeden Fall ein starkes Selbstbewusstsein.

In diesem Zusammenhang: Haben die Casting- und Superstar-Such-Shows im Fernsehen der Branche irgendetwas gebracht bzw. sie beflügelt? So nach dem Motto: Frisches Blut usw…..Oder schadet das Eurem Berufsstand eher?

K: Ich finde, sie schaden uns eher. Das Level sinkt. Andererseits wird so aber auch Interesse am Genre geweckt. Vielleicht finden so auch Leute den Weg ins Theater, die sonst nie gekommen wären.

Ein Wort zu den Ticketpreisen. 100 Euro und mehr pro Karte werden mitunter verlangt – und sogar bezahlt. Andererseits klagen viele Produzenten über zurückgehende Besucherzahlen.

K: Nun, niedrigere Preise – mehr Publikum.

S: Ja, aber dann besteht auch die Gefahr, dass die Qualität leidet.

Was müsste sich Eurer Meinung nach ändern, damit mehr Leute den Weg ins Theater finden?

S: Bei uns gibt es zu wenig TRIPLE THREADS – Sänger, Tänzer und Schauspieler in Personalunion. Früher gab es mehr Musicals, in denen das alles verlangt wurde. Und das Publikum erwartet das eigentlich auch. Heutzutage aber werden meistens nur noch zwei dieser Kategorien bedient.

K: Stimmt. Doch wenn ‚Otto-Normal-Verbraucher’ Sänger hören will, dann geht er in ein Konzert oder in die Oper. Interessiert er sich für Tanz, fühlt er sich im Ballett oder bei ‚Lord of the Dance’ vielleicht besser aufgehoben.

Ich würde am liebsten eine Musical-Show im Fernsehen machen, so wie es früher die wirklich großen und guten Entertainer praktiziert haben. Mit Sketchen, kleinen Dokus, Backstage-Interviews und diversen Gesangs und Tanzeinlagen. TRIPLE THREADS! Wenn das Fernsehen das Genre Musical ernster nehmen und ihm die Aufmerksamkeit schenken würde, die es eigentlich verdient, kämen auch wieder mehr Menschen zu uns. Was aber eher kontraproduktiv ist, sind mit heißer Nadel gestrickte Musical-Sendungen und -Shows, in denen man schon an der Moderation erkennt, dass die Leute wirklich keine Ahnung (und kein Interesse) haben.

Vielleicht noch ein Wort zu den Fans: Es gibt ja solche und solche. Ist das eine lästige Begleiterscheinung Eurer Tätigkeit, oder freut Ihr Euch, wenn andere Menschen Anteil an Eurer Arbeit nehmen

S: Es ist immer schön, Fans zu treffen. Ihr Feedback ist uns wichtig. An dieser Stelle auch ein riesiges Dankeschön an meine Wiener Fans. Was mich manchmal jedoch ziemlich irritiert, ist, dass manche mehr daran interessiert sind, wie Du Dich privat (zu Ihnen) verhälst, als an dem, was Du auf der Bühne zeigst. Doch das sind dann zum Glück nur Ausnahmen.

K: Ja, meistens freuen sie sich, Dich zu treffen, etwas zu quatschen oder noch ein Foto zu machen. Warum nicht? Das gehört einfach dazu und ist in gewisser Hinsicht ja auch Bestätigung. Unser Leben und unser Beruf ist doch eigentlich echt toll”
Quelle: Jürgen Heimann

[yasr_visitor_votes size=”small”]

  • Karin Seyfried: Musical-Exportschlager aus Wien.
    Karin Seyfried: Musical-Exportschlager aus Wien.
    © Heiner Schäffer


  • © Heiner Schäffer
  • Karin Seyfried und Sean Gerard ergänzen sich nicht nur auf der Bühne prächtig: Sie sind auch privat ein (Ehe-)Paar.
    Karin Seyfried und Sean Gerard ergänzen sich nicht nur auf der Bühne prächtig: Sie sind auch privat ein (Ehe-)Paar.
    © Heiner Schäffer


  • © Heiner Schäffer


  • © Heiner Schäffer


  • © Heiner Schäffer


  • © Heiner Schäffer


  • © Heiner Schäffer
  • Als „Laura Maria Consuela Martinez Montoya Gomez“ und “Jimmy Miller” avancierten Karin Seyfried und Sean Gerard in der diesjährigen Tecklenburger Spielsaison zu Publikumslieblingen. Es war das erste Mal, dass die Beiden seit der Uraufführung von „Miami Nights“ in Düsseldorf gemeinsam auf der Bühne standen.
    Als „Laura Maria Consuela Martinez Montoya Gomez“ und “Jimmy Miller” avancierten Karin Seyfried und Sean Gerard in der diesjährigen Tecklenburger Spielsaison zu Publikumslieblingen. Es war das erste Mal, dass die Beiden seit der Uraufführung von „Miami Nights“ in Düsseldorf gemeinsam auf der Bühne standen.
    © Heiner Schäffer
  • Irischer Sunnyboy mit einem Faible für Poker und Fußball.
    Irischer Sunnyboy mit einem Faible für Poker und Fußball.
    © Heiner Schäffer

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!