„One thing I’ll say for him – Jesus is cool“

”Jesus Christ Superstar” ist ein Musical, daß viele Möglichkeiten zur Interpretation und Aufführung bietet. So kann man es zum Beispiel in der Zeit darstellen, in der es laut der Bibel angesiedelt ist, man kann es jedoch auch moderner gestalten und zum Beispiel aktuelle Themen darin verarbeiten. Es ist bisher immer ein ”Entweder / Oder” gewesen – bis zum 08.12.2007 in Ingolstadt. Denn hier wurde die Moderne und das Klassische gemischt, sehr zur Freude des Publikums, welches die Darsteller mit 15minütigen Standing Ovations belohnte und nach Zugaben verlangte. Natürlich wurde der Wunsch erfüllt und so gab es das Lied ”Jesus Christ Superstar” als Zugabe, wo es dann kaum mehr jemanden auf seinem Sitz hielt.

Für die größten Lacher sorgte Ulrich Kielhorn als König Herodes, der mit seinem Outfit und seinem Auftritt an Frank’N’Furter aus der ”Rocky Horror Show” erinnerte. Während die Apostel (u. a. Martin Werth, Norbert Aberle und Aurel Bereuter), Maria Magdalena (Eva Rodekirchen) und Judas (Alexander di Capri) moderne Kleidung trugen, waren die Priester, Pontius Pilatus und auch Jesus so gekleidet, wie man es von diversen Bildern kennt. Wobei man zugeben muß, einen kurzhaarigen Jesus zu sehen, ist doch ein wenig gewöhnungsbedürftig, tut jedoch der gesamten Interpretation keinen Abbruch, und Peter Reisser war ein wunderbarer Jesus, egal ob er verzweifelt Gott anrief und nach dem Sinn seiner Taten oder ob er seine Jünger beruhigte, oder aber seinen erhitzen Kopf in Maria Magdalenas Schoß bettete. Reisser in seinem weißen Outfit und Eva Rodekirchen in schwarzem kurzem Rock und knappen Oberteil gaben einen wundervollen Kontrast, so daß sie immer aus der Reihe der Jünger herausstach. Ebenso wie auch Judas, der mit seiner Jeanshose und später mit der Lederhose und dem Netzhemd die Herzen des weiblichen Publikums höher schlagen ließ.

Ein bunt gemischtes Ensemble sang und tanzte sich in die Herzen der Zuschauer, bezaubernde Tänzerinnen (Natalie Brockmann, Katharina Felling, Ariane Funabashi, Yasuko Kayamori, Iamnia Oberste-Lehn, Anne Christine Römeth, Sarah Schedl, Judith Seibert und Annette Taubmann) führten durch die Instrumentalteile und tanzten zu den Gesangsstücken im Hintergrund und die Soulgirls Verena Bauer, Claudia Ketzle und Barbara Seitle beeindruckten durch ihre gewaltigen Stimmen. Die Musiker unterstützten die Darsteller auf der Bühne, so daß es ein gelungenes Gesamtbild ergab, welches von den Zuschauern gewürdigt wurde.

Das Musical wird komplett in Englisch dargeboten, doch es gibt deutsche Übertitel, die man erst später bemerkt, da man von der Handlung auf der Bühne gefesselt wird. Da die Priester und auch Pontius Pilatus manchmal von der Seite aufgehen und von den Treppen ihre Lieder und Monologe geben, muß man manchmal sehr schnell reagieren, um beides (Übersetzung und Handlung) gleichzeitig verfolgen zu können. Doch alle Darsteller sprechen ein sehr gutes und verständliches Englisch, so daß man, wenn man der englischen Sprache mächtig ist, auch ohne die Übertitel folgen kann.

Zuguterletzt kann man folgende Schlüsse aus dem Musical ziehen: 15minütiger Applaus bei der Premiere sprechen für sich, und Windows hat nicht einmal vor Jesus Respekt, da man während einer Szene kurz das Windows-Menü eingeblendet sah. Doch all dies, die kleinen Fehler, die auftraten, machen dieses Musical noch liebenswerter und sehenswerter. Im Foyer hörte man später viele begeisterte Zuschauer, die sich angeregt unterhielten oder leise die Lieder des Musicals vor sich hin summten.

Gibt es ein besseres Kompliment als begeisterte Zuschauer, die noch an der Garderobe leise vor sich hin singen: ”Jesus Christ, Jesus Christ, who are you what have you sacrificed? Jesus Christ Superstar do you think you’re what they say you are?”
Quelle: Christine Daaé

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0 Comments

  1. Regina

    Dem Bericht stimme ich im Prinzip zu. Zur Darstellung des Herodes möche ich jedoch anmerken, dass da so manchem das Lachen -gewolltermaßen – im Hals stecken blieb! Ulrich Kielhorn war grotesk schaurig-schrecklich anzusehen und hat dieser Figur einen ganz wunderbar eigenwilligen Charakter verliehen.
    Und zu Judas – zugegeben: dieser Judas sah blendend aus, aber die Herzen höherschlagen ließ doch eher seine perfekte, und das kann man ohne Übertreibung sagen, sensationelle musikalische Leistung.

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  2. Charlie

    Ich stimme dem Bericht zu:

    Judas überzeugte vielleicht die weiblichen (und wohl eher noch männlichen) Fans mit seinem Kostüm. Bei seiner \\\”musikalischen Leistung\\\” gingen die Meinungen doch sehr auseinander. Mich konnte gerade Di Capri überhaupt nicht überzeugen – und mit dieser Meinung war ich auch an der Garderobe nicht allein.

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