The last five years, Kammeroper

Am 22.11. kam es zur österreichischen Erstaufführung von ”The last five years” von Jason Robert Brown in der Kammeroper. Die am 24.11. besuchte Vorstellung war nahezu ausverkauft. Ein Merkmal bei vielen derartigen Stücken in diesem Theater ist, dass sie in englischer Sprache gespielt werden. Für diejenigen, die dieser Sprache nicht oder nur eingeschränkt mächtig sind, gibt es für Teile des gesungenen und gesprochenen Textes oberhalb der Bühne eine eingeblendete deutsche Übersetzung.

Das erste, was auf der Bühne ins Auge sticht, ist die riesengroße Außenansicht eines Koffers, der mit einem Schloss samt Schlüssel versehen ist. Sobald das Licht gedimmt wird, bewegt sich der Schlüssel und der Koffer öffnet sich auf gespenstische Art und Weise. Der Bühnenrand wird leider durch den Kofferrand etwas erhöht, dass es vielleicht etwas unangenehm für die erste Reihe wird. Im Inneren des Koffers findet dann sozusagen im Schnelldurchlauf (90 Minuten) die Beziehung zwischen Jamie und Catherine statt. Fünf Jahre dauerte ihr gemeinsamer Lebensweg. Dieser wird von Catherine, dargestellt von Caroline Frank, im Rückwärtsgang erzählt, nämlich ab dem Zeitpunkt der Trennung. In der Rolle des Jamie zeigt Rob Fowler den Beginn ab dem ersten Kennenlernen. Auch wenn sie zeitweise gemeinsam auf der Bühne stehen, finden sie gesanglich nur einmal zusammen, nämlich als Jamie um Catherine’s Hand anhält. Für beide Darsteller war es ihr Debüt an der Kammeroper.

An Technik hat das Stück einiges zu bieten, so werden kleine Filmchen an die Wand projiziert, im vorderen Bereich wird ein Bett einmal links, dann wieder rechts hochgefahren, auch die Darsteller erscheinen und versinken wie von Geisterhand, eine Duschszene sorgt für einen unerwarteten Anblick und auch ein Weihnachtsbaum darf nicht fehlen.

Eine Spezialität des Stücks ist die Tatsache, dass es zwischen den Liedern keinen gesprochenen Text, außer ein paar Telefonate von Jamie, gibt. Somit müssen sie alle Emotionen und Gefühle in den jeweiligen Solis zum Ausdruck bringen.

Zur Geschichte:

Jamie, ein jüdischer Schriftsteller lernt Catherine kennen. Es scheint die große Liebe zu sein. Leider entfernen sich beide im Laufe der Jahre voneinander. Er hat in seinem Beruf Erfolg, sie ist Musicaldarstellerin, bleibt aber erfolglos. Catherine kann die vielen Rückschläge nicht verkraften und möchte von Jamie nicht abhängig sein. Weil er von seiner Frau nicht mehr das bekommt, was er gerne hätte, kommt es zu einem Seitensprung von Jamie. Er möchte sein Leben nicht mehr vor Catherine rechtfertigen und zieht die Konsequenzen – er zieht aus und verlässt sie für immer.

Besonders Rob Fowler kam die Tatsache, dass es sich um ein englischsprachiges Stück handelte zugute, da er aus Großbritannien stammt. Er war es auch, der in der Produktion sprichwörtlich die Hosen anhatte, auch wenn es in einigen Szenen nur die Unterhose war. Er lebte jeden seiner Songs und bewies sehr gute Alleinunterhalterqualitäten, da die Darsteller doch meistens alleine auf der Bühne standen und so das Publikum für sich gewinnen mussten. Die Lieder passten gut zu seiner Stimme und besondere Highlights waren ”Moving too fast” und ”The Schmuel Songs”. Bei ersterem Titel bekam man viel nackte Haut zu sehen, da er im Bett begann. Außer den rosa Socken trug er nur eine Boxershort und man sah sein Brustpiercing und die Tattoos. Danach folgte eine Szene im Bad, bei der er sich komplett (bis auf einen kleinen, fast unsichtbaren Schutz) auszog und man seinen knackigen Po durch das matte Glas sehen konnte. Beim anderen Lied spielte er gleich mehrere Personen auf einmal, setzte einen jüdischen Akzent auf und zeigte wie man sich mit einer Mütze verwandeln kann. Er ließ sich auch nicht aus der Fassung bringen, als er plötzlich von einer Tür die Schnalle in der Hand hatte, sondern steckte diese lässig ein.

Ihm stand Caroline Frank als Bühnenpartnerin zur Seite, auch wenn sie sich nicht oft begegneten. Sie hatte stimmlich einige Probleme die Songs zu meistern, speziell wenn sie sich schauspielerisch besonders in die Rolle hineinsteigerte hatte die Stimme darunter zu leiden. Einer ihrer schönsten Songs war aber ”I’m a part of that”, bei dem sie sich freut doch ein Teil von Jamie’s Leben zu sein. Um Fowler in Sachen nackte Haut in nichts nachzustehen, durfte sie bei ”Summer in Ohio” kurz ihren rosa Bademantel öffnen und schwarze Unterwäsche mit rosa Akzenten hervorblitzen lassen. Interessant war, als bei der ”Audition Sequence” kurz sämtliche Wände beiseite geschoben bzw. emporgehoben wurden und man einen Blick auf das Orchester, das von Michael Schnack am Klavier begleitet wurde, sehen konnte. Er war es auch, der für die musikalische Leitung und die Inszenierung verantwortlich war.

Auch wenn die Geschichte um eine gescheiterte Beziehung keine aufregende Handlung hat, ist es doch wieder die Alltäglichkeit dieser, die das Stück interessant macht. Es gibt für keinen der beiden Charaktere ein Happy End, aber genau das ist es, was eine Nähe zur Realität schafft. Vielleicht ertappt sich der ein oder andere Theaterbesucher dabei, über seine aktuelle oder vergangene Beziehung nachzudenken und Parallelen zu ziehen.
Quelle: Andrea Martin

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