Les Miserables, Grazer Oper

Am 15.12.2007 fand in der Grazer Oper die Premiere des Musicals ”Les Miserables” von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg statt. Somit setzt auch dieses Theater auf altbewährtes und immer wieder gern Gesehenes. Das Premierenpublikum war in jeder Hinsicht begeistert und auch einige Prominente ließen es sich nicht entgehen, dem Schicksal der Elenden beizuwohnen. So waren z.B. Pia Baresch (mit Babybäuchlein), Boris Pfeifer, Christian Stadlhofer, Lotte Ledl und als Abordnung von ”Musical-die Show” Doris Fuhrmann, Jack Poppell, Ariane Swoboda, Ernst Vokurek, Natalie Alison, Marvin Dietmann im Publikum zu finden.

Nachfolgend ein Einblick in die Handlung, die auf dem Roman von Victor Hugo basiert:

Sträfling Nr. 24601, Jean Valjean wird nach 19 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Trotz seiner wiedererlangten Freiheit, ist er ein Außenseiter der Gesellschaft. Er verschafft sich eine andere Identität und wird unter dem Namen Madeleine Fabriksbesitzer und sogar Bürgermeister. In seiner Fabrik arbeitet Fantine, verliert jedoch aufgrund eines Streits ihre Anstellung. Sie hat ein Kind, für das sie sorgen muss und verkauft zu guter letzt sogar sich selbst. Bei einem Streit mit einem Freier wird sie von Valjean unterstützt und ins Krankenhaus gebracht. Durch einen Zufall erkennt Polizeiinspektor Javert seinen ehemaligen Gefangenen Valjean. Fantine liegt im Sterben, Valjean verspricht ihr, sich um ihr Kind zu kümmern. Der Exhäftling kann gerade noch rechtzeitig vor Javert fliehen und findet Cosette, die Tochter von Fantine beim Ehepaar Thénardier, die ein Wirtshaus führen. Er kauft die Kleine frei und nimmt sie mit nach Paris. Einige Jahre sind vergangen. Eine Studentenrevolution bahnt sich an. Inmitten dieser verliebt sich Cosette in den Studenten Marius. Eponine, die leibliche Tochter der Thénardiers verhilft beiden zu Rendevous, obwohl sie selbst ein Auge auf Marius geworfen hat. Während der Kämpfe trennt die zwei Parteien die Barrikade. Eponine wird von Marius beauftragt einen Abschiedsbrief an Cosette zu überbringen. Valjean fängt ihn ab und erfährt von der Liebe der beiden. Javert hat sich inzwischen bei den Studenten eingeschlichen, um sie auszuspionieren, wird jedoch vom jungen Gavroche verraten. Valjean schließt sich den Kämpfenden an und erhält die Erlaubnis den Gefangenen Javert zu erschießen. Er lässt ihn jedoch laufen. Unerbitterte Kämpfe führen dazu, dass sämtliche Studenten getötet werden. Marius überlebt schwerverletzt und wird von Valjean gerettet, indem er ihn mit letzter Kraft in die Kanalisation schleppt. Thénardier bereichert sich dort an den Schätzen der Toten und stiehlt auch den Ring von Marius. Der Inspektor konnte Jean Valjean finden. Dieser bittet für das Leben von Marius um etwas Aufschub der Verhaftung. Javert lässt ihn gehen. Diese Reaktion kommt für ihn jedoch so unerwartet und er kann damit nicht umgehen, dass er sich in die Seine stürzt. Auf der Hochzeit von Cosette und Marius zeigt Thénardier Marius den Ring, in der Meinung in Valjean einen Mörder entlarvt zu haben. Marius erkennt sein Eigentum und weiß nun, wer ihn gerettet hat. Im Kreis seiner Lieben und der Geister der Verstorbenen stirbt Jean Valjean.

Für die Inszenierung zeichnete der Intendant des Stadttheaters Klagenfurt, Josef Ernst Köpplinger verantwortlich und diese konnte sich wirklich sehen lassen. Jede Menge special effects machten das Stück zu einem besonderen Erlebnis. Die Bühne wirkte bei keiner Szene überladen. Im Hintergrund gab es Häuserfronten, die gehoben und auf jede Seite verschoben werden konnten. Einzelne Räume wurden nur mit wenigen Requisiten dargestellt, Hauptargument lag auf den agierenden Personen. Eindrucksvoll waren die Barrikaden, die aus Brettern, Kisten, Kästen, Sesseln, Rädern etc. bestanden. Sie bildeten den Schutz zwischen Angreifern und Verteidigern. Die getroffenen Studenten durften ordentlich das künstliche Blut spritzen lassen und bleiben reglos in der Kulisse hängen. Als der Kampf vorbei ist, haben sogar einzelne Teile der Barrikade Feuer gefangen. Einzig der etwas übermässige Regen beim Lied ”Der Regen fällt” von Eponine sorgte für schmunzeln, da zeitweise zuviel Wasser von oben herabstürzte. Grundsätzlich war es ein guter Regieeinfall so diesen Song zu untermalen. Mit Licht und Nebeleinsatz und einem übergroßen Gitter wurde die Kanalisation auf gespenstische Art auf die Bühne gezaubert, man hörte sogar das Wasser tropfen.

Für die Rolle des Jean Valjean konnte Daniel Prohaska gewonnen werden, der dem Grazer Publikum schon ein Begriff sein sollte. Wie aus dem sehr informativen Programmheft ersichtlich ist, spielt Prohaska zu Beginn einen 46jährigen Mann, der gerade entlassen wurde. Mit seinen gerade erste 34 Jahren wirkte er aber doch noch sehr jung, um ihm diese Rolle von Anfang an abzunehmen. Mit der Zeit wurden ihm allerdings die Haare grau gefärbt, was etwas half, sich einen älteren Mann vorstellen zu können. Erst am Ende des Stücks, als Valjean stirbt, hat sich Prohaska die Rolle so zu eigen gemacht, dass man ihm den alten, kranken Mann, der vielen im Leben erlebt hat, abnimmt. Gut gelang ihm die Darstellung des Zwiespalts in Valjean. Soll er zu seiner Vergangenheit stehen oder führt er weiterhin ein Leben, unerkannt in der Funktion des Bürgermeisters. Gesanglich erbrachte er eine gute Leistung, besonders die hohen Töne bei seinem Solo ”Bring ihn heim” saßen.

Seinen Gegenspieler Javert mimte Erwin Windegger. Den gestrengen, ”Diener Gottes” der etwas anderen Art, nahm man ihm, aufgrund seines Aussehens, sofort ab – hier bedurfte es weder einer Perücke, noch eines großen Schminkaufwandes. Er gab absolut glaubwürdig eine Respektsperson und überzeugte stimmlich bei seinem Solo ”Stern”, das er unter einem stimmungsvollen Sternenhimmel sang.

Lange ist es schon her, seit Carin Filipcic in einem ihrer Lieblingsstücke auf der Bühne stand. In Graz hatte man sie für die Rolle der Fantine engagiert. Leider ist sie nicht sehr lange in dieser auf der Bühne zu sehen, da sie sehr zeitig stirbt. Dennoch schafft sie es, das Publikum auch mit ihrem kurzen Auftritt zu begeistern und in ihren Bann zu ziehen. Fast ungeschminkt stand sie bei ”Ich hab geträumt vor langer Zeit” auf der Bühne und singt diesen Song mit viel Hingabe. Auch den Kampf mit dem Tod, den Fantine verliert, stellt sie glaubhaft dar. Gottseidank wurde sie beim Kampf hinter den Barrikaden als Helferin der Studentin noch einmal auf die Bühne geholt, auf ihre Stimme als Ensembleverstärkung konnte und wollte man nicht verzichten.

Schon fast einen alten ”Les Miserables”-Hasen konnte man für die Rolle des Marius verpflichten – Jesper Tyden. Er gab den frischverliebten Studenten überzeugend und er schien in seiner Rolle wirklich aufzugehen. In den Duetten ist er seinen Gesangspartnerinnen überlegen, versucht aber dennoch sie stimmlich nicht allzu sehr an die Wand zu singen. Das melancholische ”Dunkles Schweigen an den Tischen” singt er mit viel Gefühl, während im Hintergrund seine getöteten Freunde in den Raum treten.

Otto Jaus als Enjolras merkte man nicht unbedingt an, dass er den Anführer der Studenten gab. Gesanglich ist eigentlich nichts auszusetzen, aber als Person ging er etwas in der Studentenmenge unter.

Martina Dorothea Rumpf als Cosette und Ina Trabesinger als Eponine können nicht so ganz überzeugen. Vom Typ her wäre vielleicht eine Besetzung in der jeweils anderen Rolle besser gewesen. Stimmlich gesehen wirken beide etwas leise und verhalten.

Das Paar des Abends war zweifelsohne das Wirtshausehepaar – die Thénardiers. Dagmar Hellberg und Harald Hofbauer spielten herrlich amüsant die ausgefuchsten ”Pflegeeltern” von Cosette und sorgen für die Lacher während des Stücks. Beide beweisen Mut zur Häßlichkeit. Hellberg’s struppige karottenfarbene Perücke und Hofbauer’s strähnige Haarpracht, lassen die beiden so richtig unsympathisch erscheinen. Beide geben bei ”Herr im Haus” so richtig Gas und Hofbauer erinnert bei der Kanalisationsszene durch sein Erscheinungsbild an Jekyll & Hyde.

Die zwei jüngsten Gesangssolisten waren Magdalena Hammer als kleine Cosette und Lorenz Rafolt als Gavroche. Magdalena sang ein unschuldiges ”In meinem Schloss”, während Lorenz alles andere als unsicher wirkte. Er war cool und gelassen, so als ob er schon jahrelang auf der Bühne steht. Einen beeindruckenden Abgang lieferte er, als er mehrmals angeschossen wurde, seine Stimme immer dünner und krächzender wird und er als erster einen Blutstrahl spritzen lassen darf.

Das restliche Ensemble bestand aus: Oliver Frischknecht, Lisa Antoni, Peter Lesiak, Nicole Maria Baumann, Dave Mandell, Barbara Gall, John Ramsten, Bettina Oswald, Stefan Schmitz, Uschi Plautz und Andreas Wanasek. Der Chor der Grazer Oper und auch die Statisterie unterstützen noch zusätzlich.

Alles in allem ein sehenswertes Stück, dass aufgrund toll einstudierter Gruppenszenen (”Lied des Volkes”, ”Morgen schon”) und tollen Effekten beeindrucken konnte.
Quelle: Andrea Martin

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