Aus dem Ga-Ga-Land nach Mittelerde

Frodo und Gandolf sollen den Musicalstandort Köln retten: „Herr der Ringe“ als WWRY-Nachfolger?

Hobbits als Retter in der Not?

Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation und des darüber entstandenen kommunalpolitischen Hickhacks muss den Stadtvätern der britische Produzent Kevin Wallace wie der Retter in der Not erscheinen. Wallace will sein Musical ”Herr der Ringe”, das seit Juli 2007 im Londoner Westend (Royal Theatre) zu Hause ist und im Februar 2006 in Toronto Weltpremiere feierte, in die Jecken-Metropole verlagern – für die Dauer von (zunächst) drei Jahren. Und ihm ist es egal, wo dann genau die Musik spielt. Hauptsache, der Standort ist gut mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und es sind genügend Hotelkapazitäten in der Nähe. Diese Einstellung wiederum kommt den Kölnern entgegen. Sie beharren im Rahmen der weiteren Stadtentwicklungsplanung darauf, dass ein neues Musicaltheater nur im Rechtsrheinischen entstehen darf, in Kalk an den Köln-Arcaden oder im Barmer Viertel im Stadtteil Deutz.

Keine Nutzungsverlängerung

In dieser Frage sind die Noch-Betreiber des Musical Domes nicht so pflegeleicht. Sie bemühen sich seit Monaten um eine nochmalige Nutzungsverlängerung am Breslauer Platz, auch mit der Option, den ”Müllsack” abzureißen und an gleicher Stelle für 25 Millionen Euro ein völlig neues, festes Theater zu errichten. Mit diesem Vorschlag beißen ”Dome”-Hausherr Thomas Krauth und Michael Brenner bei den Stadtverantwortlichen jedoch auf Granit. Und inzwischen geht es wohl nur noch darum, ob hier in der Zeit zwischen dem Abzug von WWRY und der (unabwendbaren) Räumung des Zeltes in 2009 noch eine Interims-Inszenierung platziert wird. Dann stünde die Stadt Köln bis zur (möglichen) Spielbetriebsaufnahme des ”Herrn der Ringe” im Herbst 2009 nicht ganz ”ohne” da.

Der Übergang wäre mehr oder weniger ein nahtloser, zumal die englische Produktionsfirma ihr Haus in Gestalt eines 2.200 Plätze fassenden Mobil-Theaters, das damit größer wäre als der derzeitige Musical Dome, auch gleich selbst mitbringen würde. Die Konstruktion ließe sich innerhalb von zwei bis drei Monaten errichten. Entsprechende Gespräche zwischen Stadt und Vertretern der Kevin Wallace Limited laufen seit dem vergangenen Jahr. Sie seien recht viel versprechend, verlautet aus dem Rathaus.

Ein erster Versuch, den Tolkien-Stoff auf deutschem Boden in einem Musical zu verarbeiten, war Ende der 90-er Jahre in Berlin kläglich gescheitert. Die Inszenierung, die in einem Circuszelt ähnlichen Planentempel über die Bühne ging, musste nach nur einem halben Jahr Spielzeit einpacken. Damals hatte natürlich auch noch nicht der durch die Filmtrilogie ausgelöste Hype eingesetzt.

Begrabene Hunde

Die von der Stadt favorisierten rechtsrheinischen Standorte halten die Betreiber des Musical Domes für völlig ungeeignet, dort eine Großproduktion zu installieren – auch weil sie zu weit vom Zentrum entfernt sind. Derzeit rekrutieren sich 15 Prozent ihrer Besucher aus Laufkundschaft. Diese entschieden sich spontan zum Ticketkauf. Die Frage ist natürlich berechtigt, woher diese “Spontis” in Deutz oder in Kalk kommen sollen, wohin sich normalerweise kein Tourist ohne triftigen Grund verirrt. Dort, argumentiert Brenner, stimme das Umfeld ganz einfach nicht. Anders ausgedrückt: Hier ist der Hund begraben! Wie das exemplarische Beispiel der Köln-Arena zeigt, werden dort nach Vorstellungsende die Bürgersteige hochgeklappt. Wer sich von den Besuchern dann noch ins Nachtleben stürzen möchte, findet allenfalls die Nacht – aber kein -Leben. Ob Gandolfs Zauberkraft ausreicht, das zu ändern?
Quelle: Jürgen Heimann

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