We will rock you, Raimundtheater

”Sehr verehrtes Publikum,

wir müssen sie darauf aufmerksam machen, dass in der Show Stroboskop-Effekte (schnelle Lichtblitze) sowie teilweise laute Soundeffekte und Musik vorkommen. Gehörschutz erhalten sie am Souvenirshop und den Garderoben”.

Mit diesem Hinweis werden die Besucher seit 24.1. im Raimundtheater begrüsst. ”We will rock you” ist kein herkömmliches Musical, auch wenn es alle drei Disziplinen, den Gesang, das Schauspiel und das Tanzen, vereint. Es ist viel mehr ein Rockkonzert der etwas anderen Art, das seinen Erfolg der Rockgruppe Queen verdankt. Dank unsterblicher Hits wie ”We are the champions”, ”Radio Ga Ga” oder ”I want to break free”, die auch nach dem frühen Ableben des extravaganten Frontman Freddie Mercury noch immer Menschenmassen bewegen, war es fast undenkbar, dass ein Stück, bestehend aus diesen Songs, ein Flop werden wird. Das dachte sich auch Ben Elton (Story, Script, Director) und nachdem er sich den Segen und die Unterstützung von Brian May und Roger Taylor (beide Gründungsmitglieder von Queen) gesichert hatte, konnte das Stück eine Premiere nach der anderen erleben.

2002 war die Uraufführung in London und seitdem folgten nach England auch die USA, Deutschland, Australien, Russland, Spanien, Japan, Südafrika, Schweiz und Kanada. Ob das altehrwürdige Raimundtheater, das so ein Rockspektakel noch nie erlebt hatte, der richtige Spielort ist, bleibt in Frage gestellt, aber angesichts der Tatsache , dass Hallen in Wien rar sind und nicht so lange durchgehend bespielt werden können, gab es wohl keine Alternative. In jedem Fall ist es sicher eines der Stücke, das die Leute, die sonst nicht gerne ins Musical gehen, aufgrund des Rockcharakters doch dazubringt ein, zwei oder gleich mehrere Male zu gehen. Billig ist ein Besuch von ”We will rock you” allerdings leider nicht. Da die VBW in Kooperation mit der BB Promotion GmbH diese Produktion nach Wien geholt haben, liegen die Entscheidungen über Ticketkonditionen allein bei den Produzenten, die sich aufgrund der hohen Produktionskosten nicht in der Lage sahen, Ermässigungen zu gewähren. Die üblichen Preiskategorien im Theater wurden um einiges angehoben und auch die beliebten Musicalclub-Ermässigungen gingen verloren.

Muss ein Musical eigentlich immer eine gute Geschichte vorweisen können, um zu funktionieren? Man sollte meinen ja, doch es gibt schon einige Beispiele, bei denen die Musik, aufgrund ihrer Popularität alles andere in den Hintergrund drängt. Ist z.B. die Geschichte des Stücks ”Mamma Mia” sehr einfach gestrickt, so ist bei ”We will rock you” fast noch weniger Story vorhanden. Aber der anhaltende Erfolg gibt dem Leading Team Recht, das richtige getan zu haben. Das richtige war in dem Fall gute 20 Hits der Band Queen, die durch den charismatischen, viel zu früh verstorbenen Freddie Mercury, beinahe unsterblich geworden ist, zu nehmen und rundherum eine Handlung zu erfinden, damit die Aufführung der Songs keinem Konzert gleicht. Kaum hören die Leute die ersten Klänge der Lieder, können sie meist den Text schon mitsingen und was will man mehr, als ein Publikum, das mitgeht. Die Handlung die in ferner Zukunft spielt, wird von knapp 30 Darstellern erzählt, die zum Großteil alle schon ”We will rock you” Erfahrung haben und bereits in Köln und Zürich in der Show aufgetreten sind. Selbstgemachte Musik und vor allem Instrumente sind auf dem Planeten e.bay verboten, die Welt der Musik besteht nur noch aus Downloads. Dass dies so bleibt, dafür sorgt die Killer Queen. Ihr Handlanger Kashoggi unterstützt sie nach bestem Wissen und Gewissen. In jedem Land gibt es aber auch Menschen, die mit der Regierung nicht zufrieden sind und versuchen, sich dagegen aufzulehnen. In diesem Fall sind es die Bohemians, angeführt von Galileo, der mit Hilfe von Scaramouche, Vic, Ozzy und einer illustren Schar von interessanten Charakteren versucht den heiligen Gral der Rockmusik (eine E-Gitarre) zu finden. Auf dem Weg zum Ziel, dass natürlich erreicht wird (sonst könnte ja nicht ”We are the champions” angestimmt werden) gibt es einige Hürden zu überwinden, die für die Bohemians aber, dank ihres Glaubens an die wahre und echte Musik, natürlich nicht allzu schwer zu bewältigen sind. Das Stück ist eine Mischung aus farbenfrohen Outfits, bei denen vor allem die Rockoutfits der Bohemians herausstechen, grellen Lichteffekten und jeder Menge fantasievollen Videoeinspielungen, die einmal mehr klarmachen sollen, dass die computerisierte Welt die Überhand gewonnen hat.

Extra für Wien wurden Gags auf die österreichische, aber auch deutsche Musikszene bezogen, was für viele Lacher während der Show sorgte. Anspielungen auf Songs wie ”Ba Ba Ba Banküberfall” (EAV), ”Schifoan” oder ”Die Blume aus dem Gemeindebau” (Wolfgang Ambros), ”99 Luftballons” Nena, wurden gemacht und verschiedene Künstler werden beim Namen genannt wie z.B. Mondscheiner, Tokio Hotel, DJ Ötzi, Christina Stürmer, STS (”wer zum Teufel sind Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz?”). Auch gibt es als Insidergag eine Anspielung auf ”Mitten im Achten” und als Grund, warum sich keiner mehr an die englische Sprache erinnert, wird das Jahr 2008 genannt, indem Österreich die EURO gewonnen hatte.

Nachdem sich das Schicksal erfüllt hat und die elektrische Gitarre gefunden wurde, ist Party mit den besten Queen Songs angesagt. ”We will rock you”, ”We are the champions” und ”Bohemian Rhapsody” werden vom gesamten Ensemble, allen voran Serkan Kaya zum Besten gegeben. Das Publikum ist nicht mehr auf den Plätzen zu halten. Es bedarf nicht einmal mehr der Aufforderung des Sängers, dass alle mitmachen sollen, obwohl diese natürlich kommt. Alle singen, klatschen im Rhythmus mit und es herrscht ausgelassene Stimmung. Nach etlichen Vorhängen und sogar einer weiteren Zugabe ist das Publikum erst zufrieden und beginnt erst gegen 22:45 die Garderoben und die Souvenierstände (zwecks Kauf der CD) zu stürmen.

Serkan Kaya – Galileo:

Mit wirren Gedanken im Kopf und als stotternden Typen, der sich selbst nicht versteht, lernt das Publikum Galileo kennen. Mit der Zeit begreift er aber, was für eine wichtige Rolle ihm beschieden ist und er ist für die Rettung der Welt bereit. ”I want to break free”, ”Who wants to live forever” gemeinsam mit Jessica Kessler und natürlich die Megahits beim Finale – bei keinem ist Serkan zu stoppen und legt sich mächtig ins Zeug.

Jessica Kessler – Scaramouche:

Sie ist ein aufmüpfiger Teenager, auf gut österreichisch ein Springinkerl, dass sich nicht mag. Sie hasst es, wenn man ein i an ihren Namen hängt und wenn man sie Baby nennt. Erst nachdem sie ein heißes Outfit der Bohemians angelegt hat, wird sie selbstsicherer und macht sich mit Galileo auf, die Welt zu retten. Über die Gags, die bei Jessica fast am laufenden Band in ihren Texten eingebaut worden sind, kann man immer herzhaft lachen, lediglich ihre Stimme ist vielleicht nicht ganz so rockig, wie die der Kollegen.

Brigitte Oelke – Killer Queen:

Sehr sexy gekleidet, mal im Tigerlook oder in Lack und Leder, macht sie immer eine gute Figur. Ihre Löwenmähne ist unübersehbar und sie schafft es sogar mit ihrem herzförmigen Thron in die Luft zu gehen. Sie hat mit Sicherheit den teuflischsten Lacher der Show, der nicht nur beim Wachsen der Bikinizone zum Tragen kommt. Alle müssen nach ihrer Pfeife tanzen, was sie mit ihre tollen Rockröhre eindrucksvoll bei ”Play the game” und ”Another one bites the dust” unter Beweis stellt.

Martin Berger – Kashoggi:

Der Hippihassende Handlanger der Killer Queen, der immer eine Sonnenbrille trägt, steht ihr in Sachen Lacher in nichts nach. Sobald er aber Fehler macht, wird er von der Killer Queen verbannt und hat nichts mehr zu lachen. Seine Songs sind ”A kind of magic” und ”Seven Seas of Rhye”.

Rahel A.-J. Fischer – Ozzy:

Sie hat eine sehr schöne klare Stimme, die leider nur selten allein zum Einsatz kommt. Allein darf sie jedoch ”No-one but you” singen, indem sie sich an bereits verstorbene Rockgrößen erinnert. Der Song ist einer der ruhigeren Momente der Show und sie interpretiert ihn mit viel Gefühl.

Darryll Smith – Vic:

Der aus der Karibik stammende Sänger hat beim Sprechen einen herzigen, aber gut verständlichen Dialekt und spielt den in sich selbst verliebten Vic. Eigentlich wäre er Brit in Anspielung an Britney Spears gewesen, aber vermutlich aus Anlass der vielen kleinen und großen Skandälchen rund um ihre Person hat man sich entschieden den Charakter umzubenennen. Sein neuer Name ist Vic, in Anlehnung an Victoria Beckham. Mit ”Crazy little thing called love” geht so richtig die Post ab, leider muss er viel zu früh sein Leben lassen, da er sich opfert.

Maciej Salamon – Doc:

Natürlich konnte sein Name nur vom einzig und wahren Dr. Kurt Ostbahn stammen was einmal mehr ein gelungener Seitenhieb auf die österreichische Musikszene war. Besonders gelungen als Salamon eine ”Videokastagnette” als ”mein Schatz” à la Gollum aus ”Herr der Ringe” bezeichnet. Sein Song war ”These are the days of our lives”, indem er sich an vergangene Zeiten erinnert, wo englisch noch keine tote Sprache war.

Das restliche Ensemble trat einmal als Ga Ga Boys und Girls mit stereotypem, aber stets freundlichem Grinsen und roboterhaften Bewegungen auf, das andere Mal als rebellische Bohemians in bunten Rocker – Outfits und mit wilden Frisuren. ”Radio Ga Ga” oder ”One Vision” waren nur einige der Songs, in denen das Ensemble zeigen konnte, wie gut es eingespielt ist.

Quelle: Andrea Martin

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