Interview Ilse La Monaca, Rasmus Borkowski

Die Rolle der Tracy Turnblad ist meines Wissen deine erste große Hauptrolle, noch dazu in einer deutschsprachigen Uraufführung – was war das für ein Gefühl für dich, als du erfahren hast, dass du die Rolle bekommen hast?

Ilse La Monaca: Das war ein unglaubliches Gefühl. Ich bekam den Anruf einen Tag nach dem Callback in Berlin und hatte gerade eine 10stündige Autofahrt vor mir, während der ich, vor lauter Freude, fast nur geweint habe.

Tracy verliebt sich ja Hals über Kopf in Link – das ist auch gut zu verstehen, da er ein Idol für viele ist. Warum glaubst du, entscheidet er sich relativ rasch gegen Amber und für Tracy?

Rasmus Borkowski (Ilse lässt ihm den Vortritt): Ich habe mich auch gefragt, als ich das Stück gesehen habe, warum er sich ausgerechnet in Tracy verliebt, glaube aber, dass letztlich nicht das ”warum” entscheidend ist, sondern, dass er sich verliebt. Er ist bis zu dem Zusammentreffen mit Tracy immer nach Äußerlichkeiten gegangen. Tracy hat ihm aber gezeigt, dass nicht nur das Aussehen zählt, es ist wichtiger, dass man sich selbst glücklich fühlt, wenn man einen Menschen ansieht. Es ist nicht unbedingt wichtig, wie sich diese Liebesgeschichte der beiden entwickelt, sondern, dass Link seine ersten richtigen Liebesgefühle entwickeln konnte.

Ilse, könntest du dir vorstellen mit jemandem wie Link zusammenzusein, der aus der Ferne betrachtet nur gutaussehend ist und in sich selbst verliebt wirkt? Was muss eine Person haben, damit man auch in ihr Inneres sehen möchte?

Ilse La Monaca: Link ist der typisch gut aussehende Herzensbrecher und natürlich geht man meistens zuerst nach dem Äußeren und findet eine Person aufgrund ihres Erscheinungsbildes anziehend. Aber ganz klar sind auch die inneren Werte wichtig, sonst nützt einem das gute Aussehen auch nichts. Ich brauche einen Mann, mit dem ich gut reden, lachen und weinen kann.

Ilse – inwiefern kannst du dich mit Tracy Turnblad identifizieren? Gab es vielleicht auch einmal während deiner Schulzeit einen gutaussehenden Typen à la Link?

Ilse La Monaca: Ich kann mich eigentlich ganz gut mit Tracy identifizieren. Ich bin auch ein Einzelkind, in meiner Schulzeit war ich nie wirklich schlank, sondern immer etwas dicklicher und es kam auch vor, dass ich gehänselt wurde. Es gab einen Link (nach langem Überlegen), aber es war zwecklos bei dieser Person, da er sich nicht für Frauen interessierte.

Tracy ist eine selbstbewusste junge Frau, die mit sich und ihrer Figur keine Probleme hat. Was würdest du jungen Frauen raten, die ähnlich sind wie sie, sich aber nicht so ganz wohl in ihrer Haut fühlen?

Ilse La Monaca: Es gibt viele Wege, wie man mehr aus sich machen kann, wenn man mit seinem Äußeren nicht zufrieden ist und damit meine ich jetzt nicht die plastische Chirurgie. Mit Kleidung, Frisur und Make up kann man wirklich viel verändern, man muss sich nur Mühe geben und zu sich selbst stehen. Ich habe für die Rolle der Tracy extra 20 kg zugenommen und komme trotzdem zurecht mit meiner Figur. Jeder Mensch hat spezielle Fähigkeiten und auf diese sollte er sich dann konzentrieren und beweisen, dass es wichtigeres gibt als das Aussehen.

Rasmus Borkowski: Eine entscheidende Aussage des Stücks ist es auch, dass es ein Fehler ist, einem Ideal zu folgen, man sollte sich nach niemandem richten, sondern sich selbst so akzeptieren, wie man ist.

Rasmus, könntest du dir vorstellen mit jemandem à la Tracy Turnblad zusammenzusein – was muss für dich jemand haben, um anziehend zu wirken?

Rasmus Borkowski: Ja, das könnte ich mir schon vorstellen. Natürlich ist das Aussehen nicht unbedeutend, dass gebe ich zu, aber für mich zählen trotzdem die inneren Werte bei meiner Partnerin. Vom Charakter her, muss es einfach für mich passen, dann finde ich einen Menschen auch anziehend.

Seit ”Romeo & Julia” in Wien kann man sagen, dass für dich ein Highlight nach dem anderen kommt – ”Mozart! in concert”, ”Die 3 Musketiere”, diverse Galas und jetzt ”Hairspray”. Kannst du den Rummel um deine Person schon realisieren oder fühlst du dich manchmal wie in einem Traum?

Rasmus Borkowski: Bei ”Romeo & Julia” in Wien war noch alles neu für mich, aber mittlerweile habe ich mich in diesem Spiel gefunden und kann meine Situation realistisch betrachten. Ich versuche soviel wie möglich zu arbeiten und bevorzuge eigentlich Produktionen, in denen ich etwas lernen kann. Ich möchte nicht nur Rollen spielen, um irgendetwas zu machen, sondern weil ich mich weiterentwickeln möchte. Hier in St. Gallen ist noch kein großer Rummel, aber ich bin gespannt, wie es sein wird, wenn ”Hairspray” gut anläuft.

Zac Efron, der Troy aus ”Highschool Musical” und eben der Link aus ”Hairspray” ist der Mädchenschwarm schlechthin geworden – wie gehst du damit um, wenn dich viele Mädchen gleichzeitig beim Theater belagern?

Rasmus Borkowski: Mittlerweile hab ich mich an Fans, die nach der Vorstellung warten, gewöhnt, auch wenn es nie wieder soviele waren, wie zu ”Romeo & Julia”-Zeiten. Fans sind ein Teil meines Jobs und solange die Mädels und Jungs freundlich sind und mir auch ab und zu Zeit für mich selbst lassen, ist es für mich ein tolles Gefühl.

Rasmus, du scheinst doch irgendwie ein Abo auf Draufgängerollen wie D’Artagnan, Mercutio etc. zu haben. Welche Rollen, die komplett anders sind, würdest du gerne einmal spielen?

Rasmus Borkowski: Mir werden natürlich oft Rollen angeboten, die zu meinem Typ und Charakter passen und ich denke, dass ich noch ein paar Jahre diese Rollen, die mir wie auf den Leib geschneidert scheinen, spielen werde. Für die Zukunft wünsche ich mir natürlich auch einmal die Rolle des Bösen oder des Killers, aber es ist natürlich auch der Romeo oder der Link eine Herausforderung, die ich gerne annehme.

In dem Musical geht es ja um verschiedene Problematiken. Da wäre der Konflikt zwischen schwarz und weiß, die Liebe von einem etwas stärkeren Teenager zu einem Mädchenschwarm und dann natürlich die Sache mit der etwas anderen Mutter. Was glaubt ihr möchte das Stück aussagen?

Rasmus Borkowski: Es gibt viele wichtige Aussagen, die nachwievor sehr aktuell sind z.B. dass Rassentrennung falsch ist. Die Liebe zwischen Edna und Wilbur ist etwas Besonderes. Sie sind seit Jahrzehnten verheiratet und ihre Liebe hält noch immer, das finde ich, ist etwas Wunderbares. Das Stück sagt viel über die wirklich entscheidenden Grundlagen des Lebens aus, Liebe, Haß, Neid, sind gut im Stück verpackt, ohne kitschig zu wirken und regen zum Nachdenken an. Ich finde auch, dass es Menschen wie Tracy braucht, die sich für etwas einsetzen und den Mund aufmachen, denn nur so kann man etwas verändern.

Ilse La Monaca: Alle sind gleich, egal ob dick, dünn, schwarz, weiß, häßlich oder schön. Jeder ist ein Mensch, der es verdient geliebt zu werden.

Ist Edna Turnblad eine Mama, die man sich gerne wünschen würde? Wenn ja warum?

Rasmus Borkowski: Dazu sage ich nichts.

Ilse La Monaca: Ja natürlich, sie ist einfach so eine liebe Frau, sie liebt ihr Tochter und ihren Mann. Sie fühlte sich nicht immer wohl in ihrer Haut, aber das ändert sich während des Stücks und dann ist sie auch glücklich. Sie hat gelernt ihr Leben anzunehmen und zufrieden damit zu sein.

Was darf sich das Publikum von ”Hairspray” in St. Gallen erwarten?

Ilse La Monaca: Viel Spaß von Anfang bis Ende. Nach dem Stück verläßt man sicher mit einem Lachen im Gesicht das Theater und singt vielleicht auch noch das ein oder andere Lied.

Rasmus Borkowski: Ich glaube, jeder der ”Hairspray” sieht genießt es und jeder kann etwas für sich mitnehmen, es ist wirklich ein tolles Stück

Tracy will am liebsten nur tanzen. Was bedeutet für euch das Tanzen, vielleicht auch im Zusammenhang mit eurem Beruf – dem Musicaldarsteller?

Ilse La Monaca: Ich tanze schon, seit dem ich 5 Jahre alt bin, das gehört einfach zu meinem Leben dazu. Ich tanze eigentlich überall, auch abseits der Bühne und kann mir mein Leben nicht ohne das Tanzen vorstellen.

Rasmus Borkowski: Ja…..(etwas zögerlich) ich tanze sehr gerne und kann auch tanzen, habe aber keine vergleichbare Tanzausbildung wie jemand, der drei Jahre Tanz studiert hat und deshalb muss ich sicher mehr als einige Kollegen arbeiten und stets dazulernen. Aber ich verspreche, dass das Produkt das gleiche sein wird!

Wie gefällt euch die deutsche Übersetzung der gesprochenen und gesungenen Texte?

Rasmus Borkowski: Sehr gut, mich hat eigentlich nicht wirklich etwas daran gestört.

(Ilse stimmt ihm zu)

War es für euch beide schon immer klar ”ich werde Musicaldarsteller” oder gab es auch einmal einen anderen Berufswunsch?

Rasmus Borkowski: Ich möchte mich eigentlich nicht als Musicaldarsteller bezeichnen. Ich bin Schauspieler, Sänger und mache im Moment Musicals, weil ich dieses Genre liebe, aber ich würde Musicaldarsteller nicht als meine Berufsbezeichnung wählen. Ich wusste aber sehr wohl, dass ich immer ans Theater möchte, in welcher Form auch immer.

Ilse La Monaca: Singen, tanzen und schauspielern wollte ich schon immer und eigentlich hatte ich vor, eine Kleinkunstausbildung in Belgien zu machen. Mit 16 Jahren habe ich dann von einem Freund vom Musical erfahren und war, nachdem ich einige in London gesehen hatte, sehr begeistert von dieser Art des Theaters. Ich habe das dann drei Jahre lang in London studiert. Während meiner Zeit in Belgien habe ich aber auch viele andere Sachen gemacht, ich habe im Fernsehen als Sängerin gearbeitet, war Sängerin in einer Kinderband, habe in Soap operas gespielt und im Studio Backing vocals gesungen.

Gibt es für euch schon Pläne nach St. Gallen oder stehen weitere Engagements noch in den Sternen?

Rasmus Borkowski: Dazu kann ich noch nichts sagen.

Rasmus Borkowski: Dazu ist es im Moment noch zu früh, beim nächsten Gespräch kann ich sicher mehr sagen.

Ilse La Monaca: Wir spielen ”Hairspray” bis ca. Frühjahr 2009 und dann sehe weiter, was passiert.

Ein herzliches Dankeschön an Ilse La Monaca und Rasmus Borkowski für dieses interessante Gespräch, viel Spaß bei ”Hairspray” und alles Gute für die Zukunft.
Quelle: Andrea Martin

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