Jesus Christ Superstar, Stadttheater Klagenfurt

Am 7.2. war es wieder einmal soweit. Neointendant Josef E. Köpplinger, der auch Regie führte, hatte sich wieder einmal “Jesus Christ Superstar” hergenommen, um es dem Publikum in Klagenfurt zu präsentieren. Im Saal befanden sich am Premierenabend auch einige bekannte Gesichter, allen voran Dagmar Koller, Natalie Alison, Ina Trabesinger, Dagmar Hellberg, Ariane Swoboda, Patricia Nessy, Mariano Carlini, Dagmar Bernhard und auch LH Dr. Jörg Haider gab sich in einer Loge die Ehre. “Jesus Christ Superstar” ist mit Sicherheit eines der meistgespielten Stücke, das von den letzten sieben Tagen Jesus Christus erzählt und diese Geschichte immer von Interesse sein wird. Egal, ob als durchgespieltes Musical oder in einer konzertanten Fassung, bei diesem Stück kann man eigentlich fast nichts falsch machen. Es kommt natürlich schon auf die Inszenierung an und diese kann sehr unterschiedlich ausfallen. Diese Fassung war eine äußerst moderne und peppige Variante, bei der man es vielleicht hie und da etwas zu gut mit der Verdeutlichung des Begriffs modern gemeint hatte.

Sehr schräg die Darstellung des letzten Abendmahls, das mehr einer Party unter Freunden mit Popcorn, Cola und Bier gleicht. Der Wein, den Jesus austeilt, wird in Pappbechern serviert und auch Zigaretten werden geraucht.

Das komplette Ensemble trug moderne, zeitgemäße Kleidung von Jeans und Shirts bis zu punkigen Outfits und Sachen im Military Look (Kostüme Gera Graf). Einzige Ausnahme Boris Pfeifer als Judas und Korbinian Arendt, die in schwarzem Leder waren und Daniel Prohaska, der eine weiße Hose, ein schwarzes Shirt und einen weißen Umhang trug. Die Priester trugen alle elegante Anzüge, des öfteren hatten sie Sonnenbrillen im Blues Brothers Stil auf, was sie aber nicht wirklich böse und mächtig erscheinen ließ. Lediglich vor Dennis Kozeluh, der etwas asiatisch angehaucht war, sah angsteinflössend aus. Seine tiefe Stimme verlieh dem Kaiphas Darsteller noch zusätzlichen Respekt. Die Bühne (Rainer Sinell) wurde von riesigen Gerüsten beherrscht, die sich bei Bedarf drehen ließen. Gespielt wurde auf verschiedenen Ebenen. Grelle Lichteffekte halfen, um einzelne Titel gut in Szene zu setzen.

Die Geschichte sollte hinlänglich bekannt sein, deshalb hier nur ein kurzer Überblick. Jesus wird von den Menschen und seinen engsten Freunden, seinen Jüngern verehrt. Maria Magdalena ist sein ruhender Pol, der ihm Kraft gibt. Judas ist eifersüchtig auf ihn und liefert ihn letztendlich den Priestern aus. Diese sehen in ihm eine Gefahr, da sein politischer Einfluss zu groß geworden ist. Pontius Pilatus, der römische Statthalter von Judäa lässt ihn auspeitschen und verurteilt ihn im Namen des Volkes zum Tode am Kreuz.

Die Darsteller der Hauptrollen sind zum Teil schon gut mit ihren Rollen vertraut, für andere ist es Neuland. Das Ensemble ist als Gesamteinheit gesehen gut aufeinander eingespielt, lediglich einige Szenen wirken choreographisch etwas überlastet. So werden z.B. bei “Whatx0092s the buzz” oder “Hosanna” wilde Tanzszenen gezeigt, die von Hip Hop über Breakdanceeinlagen bis zu akrobatischen Elementen unterstützt werden. Etwas weniger wäre mehr gewesen, zumal es sich bei “Jesus Christ Superstar” um kein Tanzmusical handelt.

Daniel Prohaska der schon mehrmals den Jesus dargestellt hatte, verkörperte ihn auch in dieser Produktion. Leider hatte er des öfteren mit den Tönen zu kämpfen und die innere Magie, die ein Jesus-Darsteller ausstrahlen sollte, auch wenn er nicht gerade im Mittelpunkt einer Szene steht, ist nicht immer vorhanden. Während seines Solos “Gethsemane” leuchten am kompletten Gerüst kleine Lichter, es wirkt, als würde er unter Sternen singen. Ein weiterer interessanter Effekt, als die Leinwand, auf der während des Songs Bilder von Katastrophen gezeigt werden, plötzlich zu zerfließen beginnt. Als hätte man Säure eingesetzt, löst sie sich gespenstisch auf. Schauspielerisch läuft er erst bei seiner Auspeitschung zu Höchstformen auf – schmerzverzerrt und mit blutigem Rücken nimmt er sein Schicksal hin. Die Schlussszene fällt etwas gewöhnungsbedürftig aus. Prohaska klettert auf eine Leiter, die das Kreuz (!) darstellen sollte, streckt die Hände aus und stirbt.

Den Judas verkörperte auch ein Künstler, für den diese Rolle kein Neuland war. Für Boris Pfeifer gäbe es aber sicher wesentlich passendere Rollen, da seine Stimme den Höhen und Tiefen leider nicht immer gewachsen ist. Besonders der Wechsel zwischen Kopf- und Bruststimme ist schwierig für ihn. Auch wirkt er viel zu nett, um einen Verräter darzustellen. Erst beim fetzigen “Superstar” geht die Party ab. Von der Decke kommt er in einem Gefährt, das Engelsflügel hat, auf die Bühne geschwebt und singt als Elvis Look-Alike. In weiß-silbernem Schlaghosenanzug mit breitem Gürtel und Haartolle rockt er, unterstützt vom Ensemble, das Wunderkerzen und Pom Poms schwenkt, dann entschwebt er wieder.

Maria Magdalena wird von der in Österreich noch unbekannten Julia de Aquino gespielt. Sie ist eine entzückende Erscheinung mit kleinem sympathischem s-Fehler, die mit sanfter Stimme “Everythingx0092s alright” oder “I donx0092t know how to love him” singt. Sie wirkt vielleicht noch eine Spur unsicher, man nimmt ihr aber dennoch ihre Verzweiflung ab, die sie aufgrund der so unterschiedlichen Berufungen von Jesu und ihr empfindet.

Während der Proben hatten sich einige Darsteller verletzt. Ziemlich heftig hatte es aber den Pontius Pilatius Darsteller Erwin Windegger erwischt. Drei Tage vor der Premiere hatte er sich bei seinem Sturz auf die Bühne die Schulter ausgekugelt, was höllische Schmerzen mit sich zog. Bei der Premiere war allerdings nichts davon zu merken, obwohl er den Arm ruhiger hielt und nicht so stark belastete. Seinen Song “Pilates Dream”, den er in einem roten Mantel und mit freiem Oberkörper singt, interpretiert er stimmgewaltig und legt seine ganze Kraft hinein. Von Mitgliedern des Ensembles wird er mit Taschenlampen angeleuchtet, was diese Szene gespenstisch wirken lässt. Er verhört Jesus mit aller Kraft und ist entsetzt, wie die Meute auf Jesus während seiner Auspeitschung reagiert.

Neben Dennis Kozeluh als Kaiphas gefällt auch Mark Nordike als Annas, der mit seinen abwechselnd hohen und tiefen Tönen sowohl Judas als auch Jesus das Leben schwer macht. Die weiteren Priester werden von Frank Berg, Willi Jeschofnik und Krassimir Tassev dargestellt. Einen besonderen Auftritt absolviert Previn Moore als König Herodes. Mit einem Trike kommt er lässig, umgarnt von echten (Soulgirls) und falschen Damen (Ernst Gabriel Vokurek, Peter Lesiak, Otto Jaus, die auf irrsinnig hohen Stöckelschuhen kunstvoll durch die Gegend stolzieren) angefahren und gibt seinen Song in weißem Pelzmantel und Goldkrone zum Besten. Moore sorgt für Stimmung, auch wenn schon fast zuviel Action rund um ihn herum geboten wurde.

Korbinian Arendt als Simon Zealotes hat seinen großen Auftritt bei “Simon Zealotes”, während Dave Mandell als Petrus gemeinsam mit de Aquino ein ruhiges Duett mit “Could we start again” hatte. Die restlichen Jünger werden von Marvin Dietmann, Dominik Hofbauer, Otto Jaus, Peter Lesiak, Alexander Moitzi, Hannes Muik, John Ramsten, Christian Schleinzer, Stefan Schmitz und Ernst Gabriel Vokurek dargestellt. Zusätzlich sind im Ensemble Charlie Fischer, Claudia Kraxner, Tina Podstawa, Nora Schleicher, Dijana Torriani und Marianne Vaga.

Das Trio der Soulgirls besteht aus Asha Lindsey, Scarlette Douglas und Susanne Seimel. Ihre Einsätze haben sie u.a. bei “King Herods Song” und “Superstar”, wo sie in extravaganten Outfits mit hohen Frisuren gesanglich und optisch unterstützen.

Das Premierenpublikum war in jedem Fall zufrieden, spendete Applaus und bedachte die Leistungen der Darsteller mit standing ovations.
Quelle: Andrea Martin

[yasr_visitor_votes size=”small”]

  • Korbinian Arendt, Previn Moore, Erwin Windegger, Dennis Kozeluh
    Korbinian Arendt, Previn Moore, Erwin Windegger, Dennis Kozeluh
    © Andrea Martin
  • Juliana de Aquino, Dagmar Koller
    Juliana de Aquino, Dagmar Koller
    © Andrea Martin
  • Boris Pfeifer, Previn Moore, Daniel Prohaska, Erwin Windegger
    Boris Pfeifer, Previn Moore, Daniel Prohaska, Erwin Windegger
    © Andrea Martin

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!