Die Legende einer Heiligen

Wie wir schon bei der Rezension zur CD von diesem Musical feststellten, ist es immer schwierig, ein Musical über eine wahre historische Gestalt zu machen. Zum einen möchte man die Geschichte erzählen, zum anderen möchte man aber auch das heutige Publikum unterhalten. Und wie die beiden Dichterfürsten Wolfram von Eschenbach (Kristian Korsholm Vetter) und Walther von der Vogelweide (Jesse Garon) so passend nachfragten: Was unterhält uns heutzutage eigentlich noch, was sind noch Wunder für uns?

Es war schon interessant, in der Pause den Zuschauerreaktionen zu lauschen, die doch sehr weit auseinander gingen. So sprachen die einen von einem “Super Musical mit klasse Sängern” und die anderen von “Scheinheiligem Quatsch”. Zwei sehr extreme Meinung, so finden wir. Doch es zeigt auch, wie unterschiedlich die Zuschauer das Geschehen aufnehmen. Die einen schauen nach der schaupielerischen und sängerischen Leistung, die anderen schauen auf die Geschichte an sich.

Streckenweise erinnert das Musical fast schon erschreckend an andere Musicals, wie zum Beispiel die Eröffnungsszene doch sehr an die Eröffnungsszene eines anderen Elisabeth-Musicals erinnert, oder die Tanzeinlage im Glitterkostüm doch mehr nach Cabaret anmutet. Auch die Zuschauer waren zunehmend irritiert darüber. Man gab zwar am Ende Standing Ovations für die Darstellung, doch zog sich das Ende für die Geschmäcker vieler Leute zu lange hin. So endet das Musical nicht mit dem Tode Elisabeths (Sabrina Weckerlin), wie anzunehmen war, sondern hört man dann noch einmal Conrad von Marburg (Chris Murray) das Ende aller Zeiten prophezeien. Man mag sich denken, das Ende aller Zeiten könnte auch das Ende des Musicals bedeuten, bildlich gesprochen, doch auf die leise geflüsterte Frage einiger Damen an ihre männlichen Begleiter “Ist es nun vorbei?” mußten die Herren erneut mit “Nein.” antworten, da nun Elisabeth (Sabrina Weckerlin) wieder auferstanden war und noch einmal eine Zusammenfassung und die Moral der Geschichte, wie man so schön sagt, sang.

Als dann der Vorhang fiel, begann zwar der tosende Applaus, doch waren vereinzelt auch leise Seufzer wie “Na endlich” zu vernehmen. Immer wieder wurden die Darsteller auf die Bühne geklatscht, bis dann das Saallicht dem ein ende setzte und man aus dem Theater ging. Wieder gingen die Zuschauermeinungen weit auseinander. Einig war man sich bei der schauspielerischen Leistung: diese war wirklich klasse, egal ob von Sabrina Weckerlin oder Chris Murray bis hin zum kleinsten Ensemblemitglied, doch gab es bezüglich der Inszenierung und der Version der Geschichte doch große Meinungsdifferenzen.

So kann man nur eines sagen – wer sich seine eigene Meinung bilden möchte, der solle nach Eisenach fahren und sich das Musical ansehen. Es wird ein unvergessener Abend bleiben – so oder so.

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Quelle: Christine Daaé

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