[Rezension]: Wir erschufen unser Wunder auf dem Wasser

So einer der Leitsätze aus dem Musical. Die Titanic war wirklich ein gewaltiges Schiff, das muß und kann man zugeben. Und es ist ein genauso gewaltiges Unterfangen, ein Musical über eine Katastrophe solchen Ausmaßes zu schreiben. Bewußt haben die beiden Autoren Peter Stone und Maury Yeston darauf verzichtet, Charaktere hinzuzudichten, sondern man nahm lediglich die Namen, die auch wirklich auf der Titanic waren.

Das Theater Magdeburg erschuf mit seiner Open Air Aufführung ein weiteres Wunder, zwar nicht auf dem Wasser, wohl aber an der Luft, denn dies ist die erste Open Air Aufführung dieses Musicals seit seiner Premiere am 23. April 1997 am Broadway. Diese Musical ist dazu geschaffen, Open Air aufgeführt zu werden, denn nur so spürt man die Kälte des Eisberges hautnah. Später am Abend, wenn es kühler wird und die Titanic den Eisberg rammt, wird es, so scheint es, plötzlich wirklich kalt.

Während der erste Akt voller Frohsinn ist, beschäftigt sich der zweite Akt damit, wie die einzelnen Charaktere um ihr nacktes Überleben kämpfen. Während die Charaktere der Passagiere der ersten Klasse, wie im gesamten Musical schon, stoisch und fast schon gelassen sind, auch die der zweiten Klasse sich anscheinend nicht wirklich der Katastrophe bewußt sind, kämpfen die Charaktere der dritten Klasse mit aller Macht um ihr Überleben, wie die drei Kates, die man schon zu Beginn des Musicals ins Herz schloß.

Angeführt von Kevin Tarte, der den Ingenieur Thomas Andrews gab, gaben die Darsteller auf der Bühne alles, um die Katastrophe der Titanic würdig darzustellen. Was ihnen mehr als gelang. Ein stoischer Roland Fenes als Kapitän E. J. Smith bot dem hitzigen und ehrgeizigen Manfred Wulfert als Eigentümer J. Bruce Ismay mehr als einmal die Stirn, doch mußte er sich in seiner Rolle dennoch beugen, was ihm und auch seiner Rolle großes Unbehagen bereitete.

Man lachte mit den drei Kates (Ulrike Mayer, Evmorfia Metaxiki und Ariane Ernesti) und wünschte ihnen von Herzen alles Gute, bis man sehen mußt, daß nicht alle der Charaktere, die man in das Herz geschlossen hatte, überleben würden. Ein Wechselbad der Gefühle, verpackt in nur wenige Stunden und dennoch nicht minder beeindruckend.

Eindrucksvoll unterstützt wurden die Hauptdarsteller von zahlreichen Nebendarstellern sowie von dem Opernchor theater magdeburg, der Magdeburger Singakademie, Mitgliedern des balletts magdeburg, dem Extraballett theater magdeburg, der Statisterie theater magdeburg und der magdeburgische philharmonie, denen an dieser Stelle in gleichem Maße ein Lob für ihre großartige Arbeit ausgesprochen werden darf und soll.

Wer die Chance hat, nach Magdeburg zu fahren, der solle sie wirklich nutzen, denn dies ist wirklich eine unglaubliche Gelegenheit und ein unglaublich gute Aufführung. Man kann es wirklich nur empfehlen.
Quelle: Christine Daaé

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