Tutanchamun

Nachdem bei den Festspielen in Gutstein im letzten Jahr der Raimundzyklus aller acht Raimundstücke vollendet wurde, hatte man sich für 2008 vorgenommen Neuland zu betreten. Die Verantwortlichen hatten sich für die Welturaufführung des Musicals “Tutanchamun” entschlossen. Das Publikum dürfte aber doch die gewohnten Raimundstücke vermissen, denn zumindest am 12.7. blieben sehr viele Plätze in dem großen Zelt leider leer.

Erzählt wird die Geschichte vom Leben des Tutanchamun, welches nachwievor von Interesse ist. Die Entdeckung seines Grabes 1922 durch Howard Carter sorgte dafür, dass er unsterblich geworden ist. Das Stück versucht einen Einblick in sein Leben zu geben und zeigt auf, mit welchen Schwierigkeiten er vor und während seiner Amtszeit konfrontiert worden war.

Soeben ist der Pharao Echnaton gestorben. Doch weder Haremhab (Rob Fowler), der Oberbefehlshaber des Heeres, noch der Wesir Eje (Andrè Bauer) werden sein Nachfolger. Die Königinmutter (Kerstin Ibald) bestimmt den neunjährigen Tutanchamun (Karoline Vetter). Da er nicht zu 100% als Thronfolger legitimiert ist, wird er mit seiner Halbschwester Anchsenamun (Leonie Grimps-Kowarz), gleichzeitig seine beste Freundin, verheiratet. Das sorglose Leben es kleinen Jungen ist vorbei. Nach dem Bestehen von Prüfungsriten übernimmt er das Amt des höchsten Mannes des Volkes. Um Anchsenamun vor feindlichen Übergriffen zu schützen wird sie von ihrem Mann getrennt. Überraschend stirbt die Großmutter. Ofir (Harald Tauber), der oberste Beamte im Staat weist Tut in die Regeln des Staates ein. Eje und Haremhab werden zu seinen Lehrmeistern. Vor allem letzterer macht ihm durch Intrigen das Leben schwer. Beim Opet-Fest trifft der Pharao zum ersten Mal seit langem auf seine Gattin (Sabine Mayer). Diese stellt enttäuscht fest, dass er sich verändert hat und stellt ihn zur Rede. Tutanchamun denkt über ihre Worte nach und fängt an seinen von Haremhab geprägten Regierungsstil zu ändern. Er sorgt für eine gerechte Güterverteilung in seinem Volk. Anchsenamun und Tutanchamun kommen sich wieder näher und schwören einander ewige Treue. Haremhab spinnt seine nächste Intrige. Er hat für Tutanchamun eine Zweitfrau, die nubische Prinzessin Saamiya, organisiert, um den Frieden zwischen den Völkern zu sichern. Als Tutanchamun erfährt, dass die Prinzessin ihre große Liebe zurücklassen musste, lässt er sie gehen. Eje sieht aufgrund dieser Verschmähung Krieg entstehen. Die Ereignisse überschlagen sich, ein Attentat wird auf den Pharao verübt, Saamiya getötet und ein Krieg zwischen den beiden Völkern scheint unabwendbar. Tut möchte aber nicht das Blut Unschuldiger vergießen und besteht auf einen Zweikampf mit König Kashta, den er schlussendlich auch gewinnt. Bei dem Kampf wurde er jedoch verletzt. Tutanchamun kehrt zu seiner Frau zurück, spührt aber, dass er nicht mehr lange zu Leben hat.

Im Alter von 18-20 Jahren starb er, die Todesursache konnte nie ganz geklärt werden, es gibt nur verschiedene Vermutungen. Aus diesem Grund wird der Tod im Musical auch nur symbolisch dargestellt.

Einzelne Charaktere hätte man vielleicht durch intensiveres Zusammenspiel mit anderen besser darstellen und in das Geschehen eingliedern können. Andere waren sehr überzeichnet dargestellt und wirkten wie aus einem Asterix & Obelix Comic. So z.B. Ofir, der schon etwas zu trottelig war oder die Prinzessin Saamiya, deren Heulkrämpfe zu gekünstelt aussahen. Aus musikalischer Sicht wirkten vor allem die Ensemblenummern wie “Pharao ist tot” oder “Wer wird neuer Pharao” etwas chaotisch, da ein Großteil der Texte sehr unverständlich war. Zusätzlich erschwerte eine zeitweise viel zu laute Musik den Darstellern das Singen. Lichtblicke bei den Songs waren einige Solonummern und Duette wie z.B. “Der Stärkste siegt” (Haremhab), “Ich bin das Licht” (Tutanchamun) oder “Spürst du diese Kraft” (Tutanchamun und Anchsenamun). Da maximal zwei Personen den Titel interpretieren waren diese schön verständlich und auch die Arrangements kamen besser zur Geltung.

Das 26köpfige Ensemble wurde von sechs namhaften Darstellern angeführt, die man für die Produktion gewinnen konnte. Jesper Tyden und Sabine Mayer spielten den Liebenden Tutanchamun und Anchsenamun im Teenageralter. Im Kindesalter werden diese Rollen wirklich von Kindern dargestellt. Leonie Grimps-Kowarz hatte den weiblichen Part über und Karoline Vetter spielte den kleinen Tut. Vor allem letztere hatte so einiges im ersten Teil zu tun und machte ihre Sache wirklich gut. Tyden und Mayer stießen erst in der zweiten Hälfte des ersten Teils zum Ensemble. Bei ihrem Solo “Tanz des Lebens” zeigte Mayer eine Art Bauchtanz und Tyden durfte beim Kampf gegen König Kashta einmal mehr sein Sixpack zeigen. Gemeinsam haben sie schöne Momente, so z.B. bei ihren Duetten “Spürst du diese Kraft” oder “Jeder Moment mit dir”.

Durch seine Ausstrahlung und gute Bühnenpräsenz stand Rob Fowler, trotz seiner Rolle als Bösewicht beim Publikum hoch im Kurs. Vor allem bei seinem Solo “Der Stärkste siegt” lief er zur Höchstform auf und begeisterte. Das Publikum spendete ihm einen extralangen Applaus.

Andrè Bauer hatte als Eje eine wenig ausgebaute Rolle, durfte aber im Duett mit Fowler bei “Das Land in starker Hand” seine tiefe Stimme erklingen lassen.

Ofir wurde von Harald Tauber gespielt, der sich extra eine flotte Sommerfrisur (Glatze) verpassen hatte lassen. Er kam zwar öfters zum Einsatz, da er Tutanchamun den Verwaltungsapparat beibringen möchte (“Wo kein Beamter da kein Staat”), nur wirkte dieser Charakter mit der Zeit leicht nervig.

Kerstin Ibald verkörperte liebevoll eine junge Oma Teje und durfte bei “Spür das Licht” dem kleinen Tut Mut zusprechen. Für die Rolle der nubischen Prinzessin Saamiya wurde sie in Tigerfell verpackt und bekam eine interessante Kopfbedeckung, damit der exotische Faktor gewahrt blieb. In dieser Rolle durfte sie ihr komödiantisches Talent ordentlich ausleben.

Das Bühnenbild (Eduard Neversal) war zweckmässig, es bestand aus einigen verschiebbaren Elementen, die verschiedene Schauplätze darstellten, je nachdem wohin sie verschoben wurden. Im Hintergrund wurden 3D-Animationen eingespielt, die u.a. den Nil oder das Innere des Tempels zeigten. Sie fügten sich sehr gut in das restliche Bühnenbild und sorgten für Abwechslung.

Tutanchamun ist alles in allem ein Stück, bei dem man hie und da noch ein klein wenig feilen müsste, Es sind gute Ansätze vorhanden, die aber noch ausbaufähig sind.
Quelle: Andrea Martin

[yasr_visitor_votes size=”small”]

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!