Eine alte Legende – neu erzählt

Die Legende um den Fliegenden Holländer ist doch eigentlich jedem bekannt. Zumindest vom Namen und von den Grundzügen der Geschichte her. Natürlich denkt man sofort an Wagner, dessen gleichnamige Oper 1843 uraufgeführt wurde. Daß diese Oper auf dem 1839 erschienen Buch “The Phantom Ship” von Frederick Marrayt basiert, wissen jedoch schon weniger Leute. Und daß dieses Buch auf dem Aberglauben und den Seefahrergeschichten aus dem 17. Jahrhundert basiert, wissen schon wieder weniger Leute.

Viele Legenden und Seemannsgarn von damals beruht auf wahren Geschichten und sind zum Teil auch wissenschaftlich nachweisbar. Wie zum Beispiel die Tatsache, daß Schiffe durchaus – unter besonderen Bedingungen – wieder aus dem Meer auftauchen konnten, oder die berühmten Totenschiffe, auf denen die gesamte Besatzung durch Krankheiten ausglöscht waren, doch die Segel noch immer standen und sie so über die Meere fuhren.

Und es gab natürlich auch fliegende Holländer. In der Mitte des 17. Jahrhunderts befuhren mehr holländische Schiffe die Weltmeere, als alle anderen Länder zusammen. Duch die Tatsache, daß die Holländer gute Schifffahrer waren und auch daß sie kleinere Schiffe hatten, flogen sie förmlich über die Meere. Bernhard Fokke war der bekannteste von ihnen. Er fuhr immer mit vollen Segeln und hatte diese mit Eisen verstärkt, so daß sie nicht brachen. Hinzu kam, daß er eine beeindruckende Gestalt war und gern fluchte – und schon war der “Fliegende Holländer” geboren.

Wiedergeboren wurde die Geschichte gestern – am 20.09.2008 – in Stuttgart, und zwar im Theaterhaus. Rüdiger Benz und Patrick S. Müller (Paco) nahmen sich des Stoffes von Wagner an und transportierten die Musik in die jetzige Zeit (O-Ton: …”mit E-Gitarre, Schlagzeug, das muß hefig WUMMS machen…”). Und genau das tut es auch. Die beiden Herren halten sich an Wagner und an seine Texte, Melodien und Tonarten und ergänzen sie mit ihren eigenen Harmonien, jedoch ohne die Stimmung und das Gesamtbild der (Rock)-Oper zu ändern.*

Was im Theaterhaus in Stuttgart geboten wurde, war eine Premiere der Spitzenklasse, wie sie die Musikwelt so schnell nicht wieder verggessen wird. In dieser Rock-Oper, welche innovativ und neu aufgezogen war, erklang kein einziger bekannter Ton oder Tonfolge, wie man es schon so oft bei neuen Musicals hörte. Zum Beispiel bei “Elisabeth – Die Legende einer Heiligen” (wir berichteten). Auch ist das Konzept der Rock-Oper erfrischend neu und anders – zum Teil auch gewöhnungsbedürftig, doch es mindert nicht die Qualität.

Laut war es, das Rock-Orchester um Paco, so wie es sich für eine Rock-Oper auch ziemt. Teilweise jedoch ein wenig zu laut, so daß man die Sänger nicht richtig verstand, doch wurde dieses Manko schnell behoben und die Cast um Martin Berger war gut zu verstehen bei ihren Arien und Duetten.

Rock-Orchester:

Flöte, Klarinette, Sopran-, Alt- und Tenor-Saxophon – Andreas Geyer

E-Piano und Keyboard – Miriam Weiss

Keyboard, Synthesizer und Orgel – Christoph Gärtner

E-Gitarre, Accoustic-Steel-Guitar – Marcus Breiteneder

E-Bass, Fretless Bass und Upright-Bass – Andreas Bott

Drums – Sebastian Bauchle

Percussions und Samples – Dominik Müller

Cast:

Fliegender Holländer – Martin Berger

Erik – Gino Pommerenke

Daland – Peter Kellner

Senta – Noémi Schröder

Steuermann – David E. Moore

Mary – Tanja Gold

Featured Vocals Damen:

Gabriele Schleicher, Dorothee Böhnisch, Melanie Gebhardt, Mareike Nickel

Featured Vocals Herren:

Daniel A. Thiersch, Andreas Maile, Markus Dinhobi, Claus-Peter Eberwein

Matrosen:

Christian Meirich, Jakob Maudrich, Kai Plaumann, Michael Kurz, Olaf Pfitzenmaier, Steffen Essigbeck, Wolfgang Ripper

Mädchen:

Amelie Plaas-Link, Carolin Hawighorts, Erika Bettinger, Franziska Hippler, Franziska Schrauth, Katherina Gaiser, Myriam Eckenfels

Durch die Geschichte führte Eddy Cichosz als Erzähler, der die Passagen, die nicht durch Gesang erzählt wurde oder werden konnte, dem Zuschauer darbrachte, so daß man der Geschichte gut folgen konnte. Das Bühnenbild von Gerrit Burda bestand “nur” aus den Segeln des Schiffes, welche je nach Bedarf nach unten gezogen oder abgestrahlt wurden, doch mehr brauchte es auch nicht. Die Kostüme von Christian Horn schienen den Darstellern und der Musik auf den Leib geschneidert zu sein. So wie jeder Charakter seinen bestimmten Kleidungstil hatte, hatte derjenige auch seine bestimmte Tonfolge, woran man erkennen konnte, welcher Charakter nun auf die Bühne tritt. So trat der Fliegende Holländer immer mit Drums auf, während Senta mit sanfter Musik dargestellt wurde. Auch die Lichteffekte von Gerrit Jurda ließen den Zuschauer erkennen, wer nun gleich die Bühne betreten würde. Alles war perfekt aufeinander abgestimmt und wurde auch belohnt: Standing Ovations beendeten diese gelungene Welturaufführung gebührend.

Den Soundtrack zur Show gibt es exklusiv und limitiert nur im Theaterhaus, vom 20. September bis zum 12. Oktober – so lange wird die Rock-Oper dort aufgeführt. Man kann nur hoffen und sich wünschen, daß die Rock-Oper dann woanders aufgeführt oder noch einmal wiederkommt, denn sie ist wirklich ein unglaubliches Ereignis.

* Die Informationen in den ersten vier Absätze wurden aus dem Programmheft zur Show übernommen.

Zum Schluß noch eine Anmerkung unserer Redaktion: Die Darstellerin der Senta – Noémi Schröder – spielte auf einer Tourneeproduktion des Musicals “Das Phantom der Oper” von Arndt Gerber und Paul Wilhelm die Rolle der Christine Daaé. Die Rolle der Senta ist der von Christine charakterlich und stimmlich ähnlich, auch ist die Geschichte ähnlich, und außerdem heißt ja die Geschichte des Fliegenden Holländers auch “The Phantom Ship”. – Faszinierend…

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Quelle: Christine Daaé

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0 Comments

  1. Christine Daaé

    Noch eine Anmerkung in eigener Sache:
    Einige Zuschauer, die bei den Standing Ovations sitzen blieben, waren leider schon während der Show unangenehm aufgefallen, da manche Menschen es leider nicht verstehen, daß sie nicht auf dem Sofa zu Hause sitzen und man sich nicht ständig kichernd unterhalten sollte, auch sollte man Mitsingen oder -tanzen auf Theaterstuhl vermeiden, es stört die umsitzenden Personen, mich zum Beispiel. Dies trübt leider den Besuch ein wenig, tut jedoch der Rock-Oper an sich keinen Abbruch.

    Ein klein bißchen Benehmen schadet nicht…

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