Haben wir noch etwas von Martin Luther da?

So die Frage auf die Feststellung, daß man doch eine kirchliche Persönlichkeit clonen könne. Ja, auch damit, oder besser GENAU damit befaßt sich das Musical ”In nomine patris”, welches ab dem 16.10.2008 in der Interimsspielstätte des Deutschen Theaters – dem Zeltpalast in München-Fröttmanning – aufgeführt wird.

Kritisch betrachtet das Musical die katholische Kirche und wagt es, sie zu kritisieren, jedoch ohne zu sehr zu provozieren. Es ist genau die richtige Mischung gewählt worden, um die Menschen zum Nachdenken anzuregen. Doch nicht nur die Kirche wird kritisiert, sondern auch die Sensationsgier der Menschen, die damit dafür sorgen daß die Reporter immer unverschämter werden und die Privatsphäre der Menschen nicht mehr respektieren. Auch der Papst ist ”nur” ein Mensch und auch ein Papst hat das Recht auf Liebe, so der Grundton des Musicals, daß mit der Geschichte um den erfundenen Papst Anastasius Christus aufrütteln möchte. Denn dieser Papst hat eine Tochter.

Egal ob man ein Christ ist, oder nicht, ob religiös oder nicht, ob gläubig oder nicht, man denkt nach, über die Kirche und über die Ver- und Gebote. Ob sie nun sinnvoll oder zeitgemäß sind, daß soll nicht Gegenstand dieser Rezension werden. Fakt ist: Es berührt, die Kirchenoberhäupter, den Papst – den Vertreter Gottes auf Erden – als Menschen zu sehen, die leiden, die weinen, die sich um ihre Kinder sorgen, und die aber auch wahnsinnig werden können.

Dem Kreativteam um Kurt Schrepfer (Choreograph), Bernd Leichtfried (Musikalischer Leiter ), Klaus Hellenstein (Kostüme und Bühne), Hansjörg Hack (Regisseur), Bernd Stromberger (Autor und Komponist), Carmen Bayer (Geschäftsführung Deutsches Theater), Markus Müller (Produzent Musical World), Werner Steer (Geschäftsführung Deutsches Theater) gelang unter der Schirmherrschaft von Michael Kunze ein beeindruckendes Werk, welches das Zeug zu einem großen und erfolgreichen Musical hat.

Einen großen Beitrag dazu haben auch die Künstler beigetragen, die sich für ihre Rollen perfekt vorbereitet hatten und auch nachgeforscht hatten. Auch wenn einige erst sehr kurzfristig eingesprungen sind, so wie Eva Klikovics als Margarethe Klein. Die Darsteller um Anastasius Christus ( Dean Welterlein) waren im Einzelnen:

Conny Zens als Eva Klein (Mutter der Tochter des Papstes)

Eva Klikovics als Margarethe Klein (Tochter des Papstes)

Patrick Stahnke als Dr. Heinrich Sand (Entdecker der Weltformel, Ehemann von Margarethe Klein)

Thomas Jutzler als Hardy Peterson (ein Reporter mit Gewissen)

Marc Liebisch als Jesus (die Vision von Jesus, die den Papst in den Wahn trieb)

Ulrich Popp als Kurienkardinal (der Kardinal)

Craig Lemont Walters als Dr. Spin (ein diabolischer Doktor)

Patrick Schenk als Antonio (ein Straßenverkäufer)

Patrizia Margagliotta als Angela (eine Straßenverkäuferin)

Sissy Staudinger als Schwester Maria (Margarethes Begleiterin, begeisterte Anhängerin des Papstes)

Sven Olaf Denkinger als Dr. J. Smith (ein weiterer Nobelpreisträger)

Zum Ensemble gehörten: Catherine Sereaphim, Craig Lemont Walters, Ico Benayga Andrzejewski, Martin Bacher, Maxi neuwirth, Nicole Gütling, Oliver Schaffer, Patrick Schenk, Patrizia Margagliotta, Robert Meyer, Roland Duppenthaler, Sebastian Hammer, Sissy Staudinger, Sven Olaf Denkinger, Thomas Huber, Ursula Baumgartner und Mario Becher.

Ihnen allen – und dem Orchester – gebührte der wohverdiente Applaus und die Standing Ovations – zu Recht. Für diese Meisterleistung können wir nur die Höchstzahl an Punkten vergeben, alles andere wäre ein Sünde, oder?

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Quelle: Christine Daaé

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0 Comments

  1. Jonas Lebert

    Ja, ein tolles Musical. Was allerdings die Geschäftsführung vom Deutschen Theater damit zu tun hat, außer, daß sie einen Produzenten gewählt hat, der noch während der ersten Produktion pleite macht, ist fraglich. Was natürlich niemand erfährt: Fast alle beteiligten und wirklichen Macher dieses Musicals “In Nomine Patris”, Ensemble und Solisten wie Creativteam sind am Ende nicht bezahlt worden! Das ist ein Skandal! Weder die Stadt München, noch die Leitung des Deutschen Theaters will etwas damit zu tun haben. “Pech gehabt” heißt es kurz, das volle Risiko hätte der Produzent getragen. Das sind üble Machenschaften, finanziert von wertvollen Steuergeldern. Wie bei den großen Banken ziehen die eigentlichen Verantwortlichen sich lächelnd aus der Affäre, schließlich haben sie vor der Produktion schon dafür gesorgt, daß sie bestimmt nicht für irgendwelche Zahlungen aufkommen müssen.
    Was sind das für Zeiten, die wir da durchleben?

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  2. Sebastian

    @Jonas Lebert:

    Habe Ihren Kommentar schon auf dem Blog von der Bühnenzeitung gelesen und war schon etwas überrascht, daß die Produktion finanziell den Bach runterging. Ich habe das Stück auch gesehen, und fand es toll – finde es auch immer noch toll. Weniger toll finde ich, daß die Leute kein Geld bekommen, für eine Leistung, die sie schon erbracht haben. Daß sich nun keiner berufen fühlt, helfend einzugreifen ist klar… Ich frage mich auch, was das für Zeiten sind, in denen sorglos mit dem Material “Mensch” umgegangen wird.

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