Pinocchio, Stadttheater Baden

Am 22.11. war es im Stadttheater Baden wieder einmal soweit. Wie jedes Jahr strömten auch zu dieser Premiere viele Kinder samt ihren Verwandten und Bekannten. Sie alle wollten sich das diesjährige Weihnachtsmärchen “Pinocchio” nicht entgehen lassen. Mit Spannung wurde der Beginn erwartet. Beppo Binder, der sich wieder der Inszenierung angenommen und das Buch, basierend auf der Geschichte von Carlo Collodi, geschrieben hatte, fungierte auch als Erzähler. Wie im Kasperltheater ging es erst dann los, als die Kinder seine Frage “Seid ihr alle da?” brav mit ja beantwortet hatten und ihm beim Hochziehen des Vorhanges halfen.

Die Geschichte der kleinen Holzpuppe wurde kindergerecht mit viel Spaß und Spannung in eine zweieinhalbstündige Aufführung (inkl. Pause) verpackt.

Alles beginnt in der Werkstätte des Puppenmachers Gepetto (Rene Rumpold). Kaum hat er ein schönes Pinienholz bearbeitet, entsteht aus diesem Pinocchio (Caroline Athanasiadis), der sogar eine menschliche Seite an sich hat (bis auf die Tatsache, dass seine Nase länger wird, wenn er zu lügen beginnt). Gepetto hat den kleinen Kerl sofort in sein Herz geschlossen und nennt ihn seinen Sohn. Pinocchio ist jedoch noch sehr neugierig und stellt, als Gepetto weg ist, allerhand an. Das Gaunerduo, Signora Volpina (Kerstin Grotrian), eine geldgierige Füchsin und Kater Carlo (Wolfgang Sailer) raten ihm zu verschwinden und bringen ihn in die Stadt. Dort wird er vom bösen Dottore Sbaliato (Robert Sadil) zum Puppentheater des Direttore Stromboli (Andreas Kammerzelt) gebracht. Sie geben kleinen Kindern einen Zaubertrank, die sie zu willenlosen Puppen werden lassen. Diese treten dann in seinem Theater auf. Da Pinocchio kein richtiges Kind ist, wirkt der Trank bei ihm nicht. Auch Malvina (Irene Lang) und Scapino (Daniel Ogris) konnten die Bösewichte überlisten und zu dritt machen sie sich auf die Suche nach dem Schlüssel zum Tor der Wahrheit, der die anderen Kinder befreien soll. Dieser befindet sich bei Tortilla (Franziska Stanner) im Nebelteich. Auf dem Weg dorthin machen ihm Fuchs und Kater mit ihren Intrigen immer wieder zu schaffen und auch Tarlino (Christa Ertl), der gefrässige Holzwurm hat es auf Pinienholz, aus dem Pinocchio geschnitzt ist, abgesehen. Tortilla, ist eine alte herrschsüchtige Schildkröte, die umgeben von ihren Froschuntertanen den Schlüssel bewacht. Pinocchio schafft es, ihr diesen abzunehmen. Leider wird er wieder vom bösen Stromboli gefangen genommen., kann sich und die anderen Kinder, aber dank der Grille Grillo befreien.

Die gemeine Füchsin und der Kater haben Gepetto auf eine falsche Fährte gelockt, er ist der Meinung, dass Pinocchio aufs Meer gesegelt ist. Kaum hat dieser davon erfahren, stürzt er sich todesmutig in die Fluten und in das Maul eines riesigen Wals, der seinen “Vater” verschluckt hatte. Die Wiedersehensfreude ist groß und als der Wal niesen muss, gelangen sie wieder in Freiheit. Pinocchio, der zum Menschenkind geworden war, bekommt von Gepetto erzählt, dass der Schlüssel zum Tor der Wahrheit nur ein Symbol für ein aufrechtes Herz und Mut ist und dass dieses Tor in jedem liegt. Zu guter letzt werden die Bösen gefangen genommen und sogar der Holzwurm wurde zum Karotten essenden Vegetarier.

Ende gut – alles gut und obwohl nicht der 6. Dezember war, kam schon der Nikolaus als Überraschungsgast auf die Bühne und sang gemeinsam mit dem Ensemble und dem sangesfreudigen Publikum “Oh du fröhliche”.

Caroline Athanasiadis war in die Rolle des Pinocchio geschlüpft und sah in ihrem rot-weißen Outfit wirklich wie ein kleiner Junge aus. Dass dieser anfänglich, aufgrund seiner Beschaffenheit sich etwas hölzern bewegte, wurde von ihr gut dargestellt. Als gewitztes Kerlchen, dass anfänglich noch unerfahren ist und von der Welt noch nicht viel weiß, macht Athanasiadis eine gute Figur. Auch veranschaulicht sie gut die Entwicklung des Charakters bis zum Mensch werden. Berührend, als sie sich in “Mensch sein und nicht Puppe” wünscht jemand aus Fleisch und Blut zu sein.

Rene Rumpold spielt Gepetto, sozusagen den Erschaffer Pinocchios. Er ist ein bisschen eigenbrötlerisch und lebt nur mit und für seine Holzfiguren. Umso erfreuter ist er, als er eines Tages Pinocchio schnitzt und dieser eine Art Sohnersatz wird. Leider währt das Vater/Sohnglück nicht lange. Rumpold zeigt in dieser Zeit einen besorgten Vater, der alles tun würde, um sein Kind zurückzubekommen. Vor allem in seinem Lied “Pinocchio, mein kleiner Sohn” bringt er seine Trauer stimmgewaltig zum Ausdruck.

Kerstin Grotrian und Wolfgang Sailer sind zwei überzeugende Falschspieler, denen man die Wandlung zu Guten so gar nicht abnehmen möchte.

Beppo Binder ist in der Figur der Grille Grillo ein sympathischer Erzähler und immer dann zur Stelle, wenn er von Pinocchio gebraucht wird. Besonders dann, wenn der Holzwurm wieder einmal knabbern möchte. Christ Ertl ist in dieser Rolle bis zur Unkenntlichkeit kostümiert. In ihrem Wurmkostüm mit dicker Brille sorgt sie allein mit ihrem Erscheinen für Lacher.

Ebenfalls kaum zu erkennen Franziska Stanner als Schildkröte Tortilla, die über den Nebelteich herrscht. Besonders erwähnenswert ist “das Lied der Tortilla”, welches mit russischen Klängen versehen worden war. Ihre Untertanen, die Frösche huldigen sie mit einem Kasachok. Ein herrlicher Anblick, wen die Darsteller in grünen Ganzkörperanzügen und mit Froschmasken um die Königen herumhüpfen.

Irene Lang und Daniel Ogris erfüllen die ihnen zugedachten Rollen als Pinocchios Freunde Malvina und Scapino, was sie in “Freunde, wie wir” gut zum Ausdruck bringen.

Wie in fast jedem Märchen gibt es natürlich auch die Bösen. Seine dunkle Seite als Direttore Stromboli durfte Andreas Kammerzelt zeigen. Er erinnerte in seiner Interpretation und im schwarzen Outfit etwas an “Jekyll & Hyde” und lehrte mit seiner tiefen Stimme das Fürchten.

Seine Handlanger wurden von Robert Sadil und Franz Födinger dargestellt. In weiteren Rollen Christian Zmek als ständig mit der Trillerpfeife tonangebener Capitano Cano und Denise Kaller als Gepettos schimpfende Nachbarin.

Wieder überzeugte das Weihnachtsmärchen sowohl die Kleinen wie auch die Großen. Vor allem beim Bühnenbild und den schönen Kostümen hatte man sich wieder so einiges einfallen lassen und sich viel Mühe gegeben, um etliche Details herauszuarbeiten. Eine schöne Möglichkeit, Kindern die Welt des Theaters näherzubringen.
Quelle: Andrea Martin

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