The Scarlet Pimpernel, Stadttheater Baden

Geschichten aus Frankreich dürften in Baden sehr beliebt sein, da nach “Les Miserables” mit “The Scarlet Pimpernel” wieder ein französisch angehauchtes Stück ausgewählt wurde. Buch und Texte stammen von Nan Knighton, die deutsche Fassung von Wolfgang Adenberg. Für die Musik zeichnete Frank Wildhorn verantwortlich, der schon mit Stücken wie “Jekyll & Hyde” Hits landete. Ein klein wenig erinnerte das Stück auch zeitweise musikalisch an seinen bekannten Bruder, was aber nur soviel heißt, wie dass der Komponist seiner Linie treu geblieben ist und seine Handschrift zu erkennen war. Viele waren gekommen, um das relativ selten gespielte und eher unbekannte Stück zu sehen. Gesichtet wurden u.a. Brigitte Neumeister, Edith Leyrer, Benita Ferrero Waldner, Maya Hakvoort, Werner Auer, Boris Pfeifer, Caroline Vasicek, Christoph Goetten und viele andere mehr.

In der 3stündigen Inszenierung von Robert Herzl wird man in das Jahr 1792 entführt. Es herrscht die Französische Revolution. Der englische Adelige Percy Blakeney (Darius Merstein-MacLeod) hat nach nur kurzer Bekanntschaft die französische Tänzerin Marguerite St. Just (Maricel Wölk) geheiratet. Beide sind verliebt, doch Marguerite trägt ein Geheimnis mit sich. Der Pariser Polizeichef Chauvelin (Chris Murray) setzt seine ehemalige Geliebte unter Druck das Versteck eines französischen Adeligen zu verraten. Sie tut es, im Glauben, dass Chauvelin ihn laufen lässt. Ein fataler Irrtum, die ganze Familie wird ermordet. Percy erfährt durch Zufall vom vermeintlichen Verrat seiner Frau und kann ihr somit nicht mehr trauen. So bleibt Marguerite unwissend im Hinblick auf die geheimen Tätigkeiten ihres Mannes. Dieser hat sich mit seinen Freunden zum Bund rund um “The Scarlet Pimpernel”, dem scharlachroten, blumenförmigen Siegel, zusammengeschlossen. Sie versuchen im Untergrund gegen die französische Revolution und ihre Hintermänner anzukämpfen, retten Todgeweihte vor der Guillotine und sorgen für Unruhe und Verwirrung unter den Franzosen. Um unerkannt agieren zu können, tarnen sie sich als verwöhnte Adelige, die Feste zu feiern wissen und von England nach Frankreich reisen, um sich mit der neuesten Mode, bevorzugt mit viel Spitze einzudecken. Chauvelin nötigt Marguerite ihm zu helfen herauszufinden, wer der Kopf, der sogenannte “Scarlet Pimpernel” ist. Sollte sie ihre Hilfe verweigern, würde ihr Bruder Armand (Zoltan Tombor), der verhaftet wurde, auf der Guillotine geköpft werden. Durch ihren Bruder erfährt sie, dass sich ihr Mann hinter dem Gesuchten verbirgt. Chauvelin versucht ihm eine Falle zu stellen, indem er die Geschwister St. Just zur Guillotine führt. Dort erscheint auch wirklich Percy, in einer Verkleidung, um als Retter aufzutreten. Er landet jedoch selbst auf dem Schaffot, kann aber durch einen speziellen Trick von Madame Tussaud (genau die, mit der man das Wachsfigurenkabinett verbindet), das ihm zugedachte Schicksal abwenden. Stattdessen wird Chauvelin von Blakeneys Leuten überwältigt und dazu gezwungen, die Identität des Scarlet Pimpernel anzunehmen. So ist er zwar einerseits ein Held, andererseits auch zu einem Flüchtling im eigenen Land geworden und Marguerite und Percy können wieder in trauter Zweisamkeit ihr frischverliebtes Dasein genießen.

Das Geschehen spielte sich in einem fixen Bühnenbild ab, das aus einem Balkon in der Mitte, je einer Treppe links und rechts davon und Säulen dahinter bestand. Je nach Stimmung und Ort des Geschehens wurde die Szenerie stimmungsvoll beleuchtet, sodass man sich die verschiedenen Orte gut vorstellen konnte. Um einen Ortswechsel anzuzeigen, wurden diverse Projektionen wie z.B. ein Garten, wehende Fahnen oder auf Felsen schlagende Wellen auf eine Leinwand, die vor das eigentliche Bühnenbild heruntergelassen wurde, eingeblendet. Die Kostüme waren eine Augenweide. Besonders in den Szenen, in der sich Blakeney und seine Freunde als Liebhaber der Pariser Mode ausgeben und als männliche Mannequins in Rosatönen auftreten. Chauvelins Outfit erinnert hingegen etwas an Murrays Rolle des Javert in “Les Miserables”.

Für die männlichen Hauptdarsteller konnten zwei Stadttheater Baden-Erprobte gewonnen werden. Darius Merstein-MacLeod und Chris Murray waren schon in “Les Mis” unerbittliche Gegenspieler und auch hier waren sie alles andere als gute Freunde. Wieder verkörperte Merstein Mac-Leod den Guten und schlüpfte in die Rolle des Percy Blakeney, der die Todgeweihten der Guillotine entreißt. Darius konnte in diesem Part viele Facetten zeigen. Egal ob er im Liebesduett “Du gibst mir Halt” seine Partnerin Maricel anschmachtete oder bei “Mitten ins Feuer” voll Kampfgeist zum Aufbruch nach Frankreich rief – stimmlich wusste er immer zu überzeugen. Ein besonderes Highlight, wenn Darius sich bei “Die Erschaffung des Mannes” (ein Song, der etwas aus dem Rahmen viel) über das eintönige schwarze Outfit von Chauvelin lustig macht und bei “Sie suchen hier, sie suchen dort” eine etwas überdrehte Suche nach dem Scarlet Pimpernel zum Besten gibt. Seine dümmlichen Lacher und sein Gegrinse veranlassen das Publikum ebenfalls zum Mitlachen und auch als er sich als Betrunkener ausgibt, zieht er alle Register und darf sich schauspielerisch austoben.

Chris Murray hat, trotz seiner Rolle des Bösewichts, die Sympathie des Publikums auf seiner Seite, was zum Großteil an seiner Bühnenpräsenz lag. Er liefert zwei grandiose Soli, für die er mit viel Applaus belohnt wird. Bei “Gebet” zeigt er die Zerrissenheit seines Charakters, der für seinen Kampf die Hilfe von Gott erfleht und auch bei “Falke auf der Jagd” kann man regelrecht das Feuer des Kampfgeistes in seinen Augen lodern sehen. In dieser Produktion konnte Baden auch mit einem Neuzugang aufwarten – Maricel Wölk. In Deutschland bereits zu einer fixen Musicalgröße durch Stücke wie “Aida”, “Mozart!” oder “Jekyll & Hyde” geworden, ist es in Österreich hingegen ihr erstes Engagement. Ihr Charakter Marguerite St. Just steht zwischen zwei Männern. Einerseits Percy Blakeney, ihren Mann, den sie liebt, andererseits Chauvelin, ihrem ehemaligen Liebhaber, der sie erpresst. Maricel spielt eine starke Frau, die im Inneren nur eines möchte – mit ihrem Mann glücklich sein. Dass ihr Mann sich immer mehr verändert, weil er Geheimnisse vor ihr hat, fällt ihr auf und sie fragt sich in ihrem Solo “Sehe ich dich an”, wer ihr Mann wirklich ist. Zu dritt, mit ihren Kollegen Merstein-MacLeod und Murray, liefert sie ein starkes Terzett bei “Das Verwirrspiel”. Den wohl schönsten Moment von ihr gibt es im Gefängnis, als sie mit Zoltan Tombor, als ihr Bruder Armand “Du bist bei mir” singt. Hier wird echte Geschwisterliebe bezeugt.

Die weiteren Freunde von Percy und seine Verbündeten gegen die französische Revolution waren: Alois Haselbacher, Sam Madwar, Stephan Wapenhans, Dietmar Seidner, Jan Hutter und Christian Zmek. Sie stellten u.a. ihr Talent als Männermodels unter Beweis, zeigten Hüftschwünge und viel Witz bei zB. “Die Erschaffung des Mannes”. In weiteren Rollen waren Christa Ertl (Marie Grosholtz alias Madame Tussaud), Robert Sadil (Tussaud), Franz Josef Koepp (Mercier), Robert Herzl Robespierre) und Klaus Ofczarek (Der Prince of Wales) zu sehen.

“The Scarlet Pimpernel” gefiel dem Premierenpublikum sehr gut und es wollte die Darsteller gar nicht mehr von der Bühne lassen.
Quelle: Andrea Martin

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