Hysterisch…

Rezension zu “Hysteria” am 28.03.2009 im English Theatre Frankfurt

1938 trafen sich Freud und Dalí in London. Dalí, der ein Bewunderer Freuds war, versuchte schon seit längerem, sein Idol, seine Inspiration zu treffen, doch weigerte sich Freud immer vehement, diesen “Verrückten” zu treffen. Mit Hilfe eines gemeinsamen Freundes gelang es Dalí jedoch, Freud zu treffen.

Ob dieses Treffen genauso ablief, wie es in dem Theaterstück dargestellt wird, darf bezweifelt werden, denn es ist eine Comedy Farce, das heißt, alles ist überzogen und surreal, so surreal, daß man schon am Ende des ersten Aktes, kurz nachdem man glaubte, die Lösung zu wissen, wieder nicht mehr wußte, was nun los war. Am Ende des zweiten Aktes ging es den Zuschauern genauso, was aber der gelösten Stimmung und dem Lachen während des Stückes keinen Abbruch tat.

Mit Ged McKenna als Sigmund Freud und Antony Spargo als Salvator Dalí trafen zwei wunderbare Schauspieler aufeinander, die in ihren Rollen wahrlich aufzugehen schienen. Simon Clark gab einen wundervollen Abraham Yahuda, in dessen Charakter zwei historische Persönlichkeiten vereint wurden: Abraham Shalom Yahuda (ein jüdischer Bibel-Lehrer und Gegner von Freud Buch “Der Mann Moses und die monotheistische Religion”) und Max Schur (Freuds Arzt). Auch Melanie Gray als Jessica, die etwas aufdringliche junge Dame, die Freud beinahe an den Rand des Wahnsinns trieb und Anna Libbach als Freuds (nackte) Tochter Anna erfüllten ihre Rollen mit Leben und Energie, daß die Zeit nur so zu rasen, oder zu schmelzen, schien.

Das Stück beginnt, wie es endet: Es ist 1938, ein sterbender Freud sitzt in seinem Studierzimmer, als es an seiner Balkontür klopft, eine junge Frau erscheint – Jessica – sie scheint große psychische Probleme zu haben. Doch da Freud ihr nicht helfen will, schleißt sie sich kurzerhand in seinem Bad ein, nun erscheint Abraham Yahuda, darauf folgt Salvator Dalí höchstselbst und Freud hat arge Mühe, Jessica weiterhin versteckt zu halten, sehr zur Freude des Publikums. Sie wird entdeckt, erzählt Freud ihre Geschichte, sie ist die Tochter eines seiner früheren Fälle, das Rätsel scheint gelöst… Oder nicht? Im zweiten Akt wird es noch verwirrender um Jessicas Geschichte, Manuskripte werden vertauscht, das Telefon wird zum Hummer, die Uhr scheint zu schmelzen, der Tod selbst erscheint… und ein Schwan… und dann? Es ist 1938, ein sterbender Freud sitzt in seinem Studierzimmer, als es an seiner Balkontür klopft, eine junge Frau erscheint…

Wer Lust hat, Freud mal aus einer anderen Perspektive zu sehen, oder wer Dalí selbst auf der Bühne sehen möchte, oder wer einfach “nur” ein surreales Theaterstück sehen möchte und sich köstlich amüsieren möchte, dem sei dieses Stück ans Herz gelegt. Man mag nicht alles verstehen – doch man wird es lieben.

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Quelle: Christine Daaé

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