Der „Process“ nach Franz Kafka hat am 26. November im Theater Heilbronn Premiere

”Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.” Mit diesem Satz beginnt Kafkas ”Process”, einer der schönsten und rätselhaftesten Romane der Weltliteratur, der bedrückend und gleichzeitig grotesk-komisch ist. Jetzt kommt er als Theaterfassung auf die Bühne des Theaters Heilbronn. Premiere der Inszenierung von Axel Vornam ist am 26. November um 19.30 Uhr im Großen Haus. Die Bühnenfassung hat Peggy Mädler für das Theater Heilbronn erarbeitet. Tom Musch ist für Bühne und Kostüme verantwortlich.

Sebastian Weiss spielt jenen Bankangestellten Josef K., der mit dieser Verhaftung in einen Strudel merkwürdiger Ereignisse gerät. Welche Schuld Josef K. auf sich geladen haben soll, erfährt er nicht. Er muss auch nicht ins Gefängnis, darf weiter seiner Arbeit nachgehen und soll auch sonst an seinem Lebenswandel nichts ändern. Mit scharfen Worten kritisiert er am ersten Verhandlungstag gegenüber dem Gericht das Verfahren. Er wirft dem Gericht vor, eine große Organisation stünde dahinter, deren Sinn es sei, unschuldige Menschen zu verhaften. Tag für Tag wartet K. von da an auf den Fortgang seines Prozesses – innerlich noch völlig ruhig und von seiner Unschuld überzeugt. Sein Onkel nötigt ihn aus Angst um die Familienehre, sich aktiv um sein Recht zu bemühen und einen Advokaten zu engagieren. Von da an ergreift dieses undefinierbare Monstrum ”Process” immer mehr die Herrschaft über Ks. Gedanken und Handlungen. Das Leben wird immer mehr zu einer Odyssee

durch die Labyrinthe des Albtraums.

Die Möglichkeiten, den ”Process” zu interpretieren, sind vielfältig. Axel Vornam hat sich entschlossen, ihn wie einen Wachtraum in Szene zu setzen, wobei die Grenzen zwischen Surrealem und Hyperrealem fließend sind. In solchen Träumen drängen Ängste, Sehnsüchte und Unbewältigtes an die Oberfläche des Bewussten. Die Realität deformiert sich ins Monströse. Für Kafka war das Schreiben ein Akt der Lebensbewältigung. Insofern hat der Inszenierungsansatz viel mit den Hintergründen der Entstehung des Romans zu tun.

Diese konzeptionelle Entscheidung ist die Grundlage der Bühnenfassung, die sich eng an den Roman anlehnt. Ergänzt wurde die Fassung durch die Erzählung ”Der Traum”, die im unmittelbaren Umfeld des Romanes entstand. Sie erschien in dem Erzählband ” Der Landarzt”. In diesem Traum begegnet Josef K. bei einem Spaziergang auf dem Friedhof seinem eigenen Grab.

Tom Musch hat für diese Inszenierung eine Bühne entwickelt, die dem Albtraumhaften und Surrealen einen adäquaten Spielraum gibt.

Schminkmasken und Kostüme werden die Ästhetik der expressionistischen Filme des frühen 20. Jahrhunderts zitieren. Ob es ein Erwachen oder. Entrinnen aus dem Albtraum gibt? Das wird sich im Prozess der Inszenierungsarbeit entscheiden.
Quelle: Theater Heilbronn

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