Rezension “Shockheaded Peter”: “Sieh einmal, hier steht er, Pfui! der Struwwelpeter!”

Pfui war die Inszenierung von “Shockheaded Peter” im Theater Hof ganz und gar nicht – ganz im Gegenteil!

Nach den Motiven des weltbekannten Buches “Der Struwwelpeter” ist dieser Reigen von Alpträumen gestrickt. Alpträumen, die so manchen Eltern nicht ganz unbekannt sind: die eigenen Kinder.

Heinrich Hoffmann hat das Buch damals aus Ermangelung eines Geschenkes für sein Kind selbst geschrieben und gezeichnet, weil er überzeugt davon war, daß Kinder nur dann etwas begreifen, wenn sie es sehen. Die drastisch dargestellten Szenen in “Struwwelpeter” zeigen jedem Kind welche grausamen Konsequenzen es haben kann, wenn man nicht auf die Eltern hört oder sich nicht benimmt. Ob das Buch nun Kinderbuch ist, oder nicht, es ist auf jeden Fall ein Klassiker.

Die Bühnenversion, makaber und grotesk – und weit entfernt von Kinderbuch – erschufen Phelim McDermott und Julian Crouch mit ihrer ”Junkopera” Shockheaded Peter. Die Musik stammt von Martyn Jacques von der Londoner Kultband The Tiger Lillies. Im Gegensatz zum Bilderbuch nicht für Kinder empfohlen! Uraufgeführt wurde es 1998 und die deutsche Fassung in der Übersetzung von Andreas Marber wird seitdem auf zahlreichen Bühnen in Deutschland und Österreich dargeboten. Die Musik ist, wie von den Tiger Lillies gewohnt, etwas schräg und seltsam. Vielleicht sogar etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man diese Art der Musik vorher noch nicht gehört hat. Aber am Ende gewinnt man den Eindruck, daß die Musik auf ihre ganz eigene Weise schaurig schön ist. Diese morbide Ästhetik der Musik wurde von der wundervollen Band bestehend aus Stefan Engels, Ralf Wunschelmeier, Manfred Grabolle und Harry Tröger unterstrichen.

Eingerahmt von einem Bühnenbild, das Todesstimmung verbreitet und erdrückend – sogar irgendwie nüchtern – wirkt, werden mit britisch schwarzem Humor die immer tödlich endenden Schicksale der unfolgsamen und bösartigen Bälger in Szene gesetzt, ohne daß diese Humor aufgesetzt oder fehl am Platz wirkte. Die überlebensgroßen Puppen, die Storch, Hasen, Hunde und Fische auf die Bühne brachten sorgten nicht nur für Schmunzeln sondern auch für Bewunderung.

Das Ensemble, das den Figuren aus dem Bilderbuch das Leben einhauchte, nur um es dann wieder auszulöschen, überzeugte mit der gebührenden Ernsthaftigkeit und hervorragender Qualität. Thomas Hary als Theaterdirektor, der in gekonnter Weise das Publikum durch das Kabinett der Alpträume führt, bekommt kommentierende Unterstützung von Anja Stange (Sängerin), deren wandelbare Stimme erst recht die Gänsehaut erzeugte, die Bühnenbild und Beleuchtung schon vom ersten Augenblick an vorbereitet hatten. Weiterhin im Ensemble Ralf Hocke, Antje Hochholdinger, Jörn Bregenzer, Susanna Mucha und Kristoffer Keudel.

Belohnt wurde die Arbeit der Darsteller mit langanhaltendem Applaus, doch auch schon während der Aufführung war klar, daß es dem Publikum gefällt. “Ist das krass!”, hörte man da zum Bespiele einige Besucher sagen – ganz klar: die Inszenierung des Theaters Hof hat beeindruckt – wieder einmal.

Natürlich sollte aus der Inszenierung nicht unbedingt Erziehungstips ableiten, denn das könnte unangenehme und weitreichende Folgen haben.

Daher: Zur Nachahmung nicht empfohlen, zum Hingehen dagegen schon – unbedingt.

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Besetzung im Detail

Theaterdirektor Thomas Hary

Sängerin Anja Stange

Vater / Der Doktor / Minz, die Katze / Der wilde Jägersmann / Der Schneider / Kaspar, böser Bube / Zappelphilipps Vater / Fischlein Ralf Hocke

Mutter / Des Jägers Frau / Die Frau Mama,Konrads Mutter / Der Riese Niklas / Zappelphilipps Mutter / Fischlein Antje Hochholdinger

Struwwelpeter / Suppenkaspar / Der böse Friedrich / Maunz, die Katze / Konrad / Ludwig, Böser Bube / Zappelphilipp / Hans-guck-in-die-Luft Jörn Bregenzer

Gretchen / Paulinchen / Des Hasen Kind, der kleine Has / Ein kohlpechrabenschwarzer Mohr / Fischlein / Fliegender Robert Susanna Mucha

Storch / Hund / Wilhelm, böser Bube / Hase / Fischlein Kristoffer Keudel

Termine:

02.03.2013 19.30 Uhr Hof, Großes Haus

03.03.2013 19.30 Uhr Hof, Großes Haus

07.03.2013 20.00 Uhr Bayreuth, Stadthalle

15.03.2013 11.00 Uhr Hof, Großes Haus

09.04.2013 19.30 Uhr Hof, Großes Haus

10.04.2013 19.30 Uhr Hof, Großes Haus

Zusatztips

In Frankfurt / Main gibt es ein Struwwelpetermuseum. (http://www.struwwelpeter-museum.de/) Ein Besuch lohnt sich.

Einen Videotrailer zu “Shockheaded Peter” gibt es unter http://www.youtube.com/watch?v=4CUk9Oavj3M&feature=youtu.be
Quelle: Alexander Brock

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