Rezension “Dorian Gray”, Coburg: Dies Bildnis ist bezaubernd schön…

…zumindest zu Beginn. Denn schon bald beginnt es sich zu verändern und die Wahrheit zu zeigen. ”Das Bildnis des Dorian Gray” ist wohl das bekannteste Werk von Oscar Wilde. Es gibt unzählige Verfilmungen davon und in mehreren Filmen taucht Dorian Gray als Person auf. Die Geschichte um den jungen selbstverliebten Narziss ist immer wieder faszinierend und lehrreich zugleich.

Nun hat sich Roland Fister, seines Zeichens Kapellmeister am Landestheater Coburg, dieses Stoffes angenommen und seine Musical-Opera dem jungen Narziss auf den Leib geschneidert. ”Mister Musical”, wie Roland Fister von der Presse liebevoll genannt wird, hat mit seinem Werk das Publikum am 08.06.2013 begeistert. Zu Recht erhielten er und sein Creativteam donnernden Schlußapplaus, der nicht enden wollte.

Das Creative Team im Einzelnen:

Musikalische Leitung: Roland Fister

Inszenierung: Bodo Busse

Bühnenbild / Kostüme: Michael Heinrich

Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio

Dramaturgie: Susanne von Tobien

”Dorian Gray” ist mehr als ein Musical, es ist eine Musical-Opera. Doch was genau ist eine Musical-Opera? Niemand anderer als Roland Fister könnte es besser und genauer erklären. Hier sind seine Worte: Der Roman ”The picture of Dorian Gray” von Oscar Wilde ist mit seiner dramatischen Atmosphäre eine ideale Vorlage für das Musiktheater. Schönheit und Vergänglichkeit sind einerseits zeitlose, gesellschaftliche Themen und andererseits das Wesen von Musik, die erst durch den Interpreten zum Leben erweckt wird. Im Vergleich zur bildenden Kunst, wo das fertige Werk für alle Zeit dem Betrachter zugänglich ist, entsteht Musik mit jeder Aufführung immer wieder neu. Dadurch schafft sie eine emotionale Verbindung zwischen Zuhörer und Bühnengeschehen. Ob dieses Erlebnis in einem Musical oder in einer Oper stattfindet, ist zweitrangig. Entscheidend ist, ob sich die dramatische Atmosphäre auf den Theaterbesucher überträgt. Dafür war für mich die beste Grundlage die Möglichkeiten, die ein Opernhaus mit klassischem Sängerensemble und sinfonischem Orchester bietet. Die Struktur der Musik und die Orchestrierung sind eher der klassischen Verismo Oper verpflichtet, die Klanglichkeit eher dem Jazz und somit dem Musical. Die Musik ist durchkomponiert, Übergänge von kleinen Kammerszenen zu großen Chorbildern sind fließend und orientieren sich nah am szenischen Verlauf der literarischen Vorlage. Das Werk ”Dorian Gray” schlägt so eine Brücke zwischen den zwei Gattungen Musical und Oper und kann als Geburt eines neuen Genres, der Musical-Opera, gesehen werden.

Auch das Bühnenbild von Michael Heinrich trug dazu bei, daß sich diese dramatische Atmosphäre auf die Zuschauer übertrug. Allein das alles überragende Bild war beeindruckend, bezaubernd und beängstigend zugleich. Mithilfe der Drehbühne konnte man schnell in andere Szenen wechseln, so daß längere Umbaupausen entfielen. Die Szenerien wirkten so echt, daß man sich fast sofort in die Zeit des Dorian Gray zurückversetzt fühlte.

Jede einzelne Zeile des Stückes war gesungen, bis auf ein paar kleine Ausnahmen, doch konnte man die gesprochenen Sätze buchstäblich an einer Hand abzählen. Sie brachten einen interessanten Effekt in das Stück und hoben diese Szenen besonders heraus. Zumal es immer nur ein einziger Satz war, der gesprochen wurde.

Auch die Darsteller brillierten. Jeder ging in seiner Rolle auf und verkörperte sie glaubwürdig. Egal ob es nun die Hauptrollen waren oder eine kleine Nebenrolle. Alles war gekonnt durchdacht und besetzt. Man konnte förmlich die Freude aller an dieser Inszenierung spüren.

Darsteller am Premierenabend:

Dorian Gray: Joel Annmo

Hallward: Michael Lion

Sibyl Vane: Anna Gütter

Mrs. Vane: Ulrike Barz

Lord Henry: Falko Hönisch

Portier: Simon van Rensburg

Auktionator: Karsten Münster

Theaterinspizient: Jan Korab

Lady Agatha: Joanna Stark

Lady Wotton: Gabriele Bauer-Rosenthal

Herzogin: Patricia Lerner

Herzog: Thomas Unger

Sir Thomas: Freimut Hammann

Mr. Vandeleur: Martin Trepl

Zusammen mit dem Chor und dem Philharmonischen Orchester des Landestheaters (unter der Leitung von Roland Fister) überzeugten alle mit ihren Leistungen auf / vor und hinter der Bühne und entlockten dem begeisterten Publikum am Ende begeisternden, nicht enden wollenden Applaus. Roland Fister bekam verdientermaßen den größten und lautesten Applaus. Die Freude über die gelungene Premiere war allen, besonders aber ”Mister Musical” ins Gesicht geschrieben.

Weitere Vorstellungen:

Freitag, 14.06.2013 – 19:30

Sonntag, 16.06.2013 – 19:30

Donnerstag, 20.06.2013 – 19:30

Sonntag, 30.06.2013 – 19:30 (Zusatzvorstellung)

Mittwoch, 10.07.2013 – 19:30

Die Nachfrage nach ”Dorian Gray” war so groß, daß sich das Landestheater Coburg entschieden hat, eine Zusatzvorstellung zu geben. Und diese Chance sollte man nutzen. Denn: Wer möchte schon von sich behaupten, die weltweit erste Musical-Opera nicht gesehen zu haben? Zumal sie wirklich beeindruckend ist.

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Quelle: Christine Daaé

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