J.C. in Concert – Wiederauferstehung eines „Superstars“ – 500 Akteure geleiteten den Messias zum Kreuz

Golgatha im Bergischen Land: Jesus stirbt in Remscheid und Solingen

2013 – höchste Zeit für ein Revival. Gesagt, getan. Hosianna! Spengler hat noch mal nachgelegt und dafür gesorgt, dass auch viele Auswärtige zu der Erkenntnis gelangen mussten, die zwischen Wuppertal und Solingen gelegenen 121.000-Einwohnerstadt habe mehr zu bieten als Röntgenmuseum, Müngstener Brücke oder den Steffenshammer. So war es denn auch – zumindest am zweiten Oktober-Wochenende. Mit fünf ausverkauften Vorstellungen im Teo-Otto-Theater mit über 3000 Besuchern durfte das Ganze als Erfolg verbucht werden. Chapeau! Eine Woche zuvor hatte es im benachbarten Solingen zwei ebenfalls proppenvolle Aufführungen gegeben.

Aus einem Guss

Christoph Spengler als Maitre de Plaisir hatte eine stattliche und klangvolle Streitmacht zusammen gezogen. 120 Mitwirkende, tolle, von ihm dirigierte Musiker, ambitionierte Sänger und herausragende Solisten, standen schließlich auf der Bühne. Ein Mix aus Profis und Amateuren, die jedoch, als es galt, mit viel Enthusiasmus, Stimm- und Körpereinsatz als homogenes, geschlossenes Ganzes agierten. Ein Team aus einem Guss. Das Publikum quittierte die mit wiederholtem Zwischenapplaus.

Die Premium-Variante

Von der Partitur gibt es ja drei Versionen: eine für großes Orchester, eine mit reduzierter Orchesterbesetzung und eine nur für Rock-Band. Der Musikalische Leiter hatte sich natürlich für die ”XL-”Premium”-Variante entschieden und führte eine große, hochkarätige Instrumental-Streitmacht, die sich im Wesentlichen aus den Bergischen Symphonikern rekrutierte, ins Feld. 58 Musiker, die Kollegen der Rockband-Fraktion mitgezählt, hörten auf sein Kommando. Das weitere Aufgebot umfasste nicht weniger als 430 Sängerinnen und Sänger, die sich aus verschiedenen Formationen wie dem Jugendchor der Lutherkirche, dem Jungen Chor ”Upto date” sowie den ”Mixed Generations” rekrutierten. Pro Show kamen jeweils 120 zum Einsatz, zuzüglich acht Soul-Girls. Welch ein eindrucksvoller Aufmarsch!

Die Cast entsprach, von einigen Ausnahmen abgesehen, der von 2003. Und die Akteure sind älter, erfahrener – und besser geworden. Hatte damals ein auf allen Ebenen überzeugender Alex Melcher den Titelpart gesungen, hatte man dafür diesmal Rob Fowler gewinnen können, der zuletzt bei den Frankenfestspielen in Röttingen bei ”Dracula” den selbigen gespielt hatte. Und der Brite lieferte einen exzellenten Job ab, zeichnete den dem Kreuztod geweihten Gottessohn innig, ergreifend und zweifelnd. Sein großer Widerpart, Judas, war, wie auch schon vor zehn Jahren, bei ”DMJ” David-Michael Johnson bestens aufgehoben, während die Rolle der Maria-Magdalena Nicole Berendsen auf den Leib geschrieben scheint. Die sympathische und stimmgewaltige Niederländerin hat in Remscheid ob ihrer beliebten X-mas-Tree-Konzert-Reihe sowieso Heimvorteil.

Hochkarätige Cast

Heribert Feckler als Hohepriester ”Caiphas” holte seinen gewaltigen, vollen Bass aus den tiefsten Kellergewölben, Michael Kargus hielt als ”Annas”, dessen Kollegen und Bruder im Geiste, mit einem fast schon persiflierend wirkenden Falsett dagegen. Claus Dam glückte es, die Unsicherheit des römischen Statthalters Pilatus, was er denn nun mit dem vermeintlichen König der Juden anfangen soll, akzentuiert zu vermitteln, während die ”Jews” in dem ach so wandlungsfähigen Leon van Leuwwenberg einen ebenso albernen wie selbstverliebten König gefunden hatten: Herodes. Michael Eisenburger schließlich gab in Personalunion die beiden Jünger Simon Zelotes und Petrus, und er machte das richtig gut.

Auch ohne Kostüme oder Maske, in Räuber-Zivil und Alltagsklamotten, gelang es den Protagonisten, ihre Charaktere und deren Intentionen akzentuiert, scharf und stimmig zu vermitteln. Vor den beiden Sonntags-Vorstellungen hatte es, ein Novum in der Geschichte des Teo-Otto-Theaters, daselbst einen Gottesdienst gegeben, in dem das besondere, ambivalente Verhältnis zwischen Jesus und Judas thematisiert und durch eine Dialog-Predigt von Hartmut Demski, dem Super-Intendenten des ev. Kirchenkreises Lennep, und Pfarrer Axel Mersmann sowie Ausschnitte aus der konzertanten Aufführung verdeutlicht worden war. Hinter dem ehrgeizigen J.C-Projekt 2013 stecken Tausende und Abertausende Stunden an Planungen, Vorbereitungen und Proben. Aber das alles hat sich sicht- und hörbar gelohnt. Dickes Kompliment!
Quelle: Jürgen Heimann

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