Rezension “Gott des Gemetzels” am 02.12.2013 in Nürnberg: Göttlich gut und einfach himmlisch

Man stelle sich folgendes vor: 4 zivilisierte Menschen treffen sich, um über ein Problem zu diskutieren und die Situation artet dermaßen aus, daß von Zivilisation, Anstand und Sitte nicht mehr viel bis gar nichts mehr übrig ist. Wer nun glaubt, sowas gäbe es nur im Theater, der irrt gewaltig. Doch diesmal war es wirklich nur im Theater, und zwar zur Erheiterung der anwesenden Zuschauer.

Zwei Familien treffen sich, um über die Prügelei ihrer beiden Söhne, bei der einer zwei Zähne verloren hat, zu diskutieren und eine Lösung zu finden. So weit ist alles ganz zivilisiert, doch dann gessellen sich zu der ohnehin schon angespannten Situation noch diverse Störfaktoren, Charaktereigenschaften und – schwächen, ganz spezielle und engstirnige Ansichten, ein ausgesetzter Hamster und eine enttäuschte Tochter. Mischt man diese nun mittlerweile explosive Mischung nun auch noch mit Freund Alkohol, dann erscheint er: Der Gott des Gemetzels!

So auch geschehen am 02.12.2013 in den Nürnberger Kammerspielen. Dieses Stück beginnt zunächst mit einer sehr verkrampften und auf Höflichkeit bedachten Situation, in der die beiden Ehepaare versuchen, die Sache ein wenig zu entspannen. Doch schon sehr bald explodiert das ohnehin schon brodelnde Faß und das Gemetzel nimmt seinen Lauf.

Es waren ”nur” 4 Personen auf der Bühne, die den Saal durch Spielfreude und Überzeugungskraft unterhielten:

Elke Wollmann als Véronique Houillé

Frank Damerius als Michel Houillé

Adeline Schebesch als Annette Reille

Thomas Klenk als Alain Reille

Zugegeben, man hatte etwas Mühe, alles genau mitzubekommen, so schnelllebig war das Stück vom Anfang bis zum Schluß. Aber dennoch war es fasziniernd und auch abstoßend, zu sehen, wie schnell Menschen sich wandeln können. Bekam man doch mal auf nette und amüsante Weise einen Spiegel vorgehalten. Das Stück amüsiert, doch es lädt auch zum Nachdenken ein. Und insgeheim fragt man sich, wie oft man schon gerne den Anstand und die Moral über Bord geworfen hätte, um dem Gegenüber einmal wirklich die Meinung zu sagen.

Es ist Schwerstarbeit, handfeste Auseinandersetzungen glaubwürdig in den Zuschauerraum zu übertragen, denn nur allzu schnell läuft man Gefahr dabei in Klischees und Kitsch abzurutschen. Doch die Darsteller meisterten diese Aufgabe mühlos und überzeugten in der Inszenierung des Staatstheaters Nürnberg bis in die letzte Reihe. Jeder von ihnen ging so perfekt in ihren Rollen auf, daß man kaum glauben konnte, daß es alles nur gespielt sei. Doch spätestens beim donnernden Abschlußapplaus wusste man wieder: Es war alles nur gespielt, aber aufs Perfekteste!

An diesem Abend wurde zum 100. Male ”Der Gott des Gemetzels” in Nürnberg aufgeführt und man kann nur hoffen, daß er sich noch oft die Ehre geben wird, besonders mit den vier oben genannten Darstellern – denn dann ist ein unterhaltsamer Abend garantiert.

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Quelle: Christine Daaé

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