Rezension: “Der Tunnel” am 16.10.2015 im Stadttheater Fürth

Am Abend des 16.10.2015 fand am Stadttheater Fürth eine beeindruckende Uraufführung statt. Zum ersten Mal weltweit wurde das Musical “Der Tunnel” nach dem Roman von Bernhard Kellermann aufgeführt. Hinter dem doch recht simpel gehaltenen Titel verbirgt sich ein wahres Wunderwerk an Melodien, Gesang, Schauspiel und Zusammenarbeit. Man muss auch erwähnen, dass es keinen passenderen Ort für die Uraufführung hätte geben können, da Kellermann geborener Fürther ist.

Inhalt (übernommen vom Stadttheater Fürth):
Das Musical beginnt mit dem großen Plan des Ingenieurs Mac Allen. Er verspricht dem einflussreichen Milliardär Lloyd und der Weltöffentlichkeit, mit neuester Konstruktionstechnik und ca. 180 000 Arbeitern in 15 Jahren einen 5000 km langen Tunnel durch den Atlantik zu bauen. Die wahnwitzige Idee, Nordamerika und Europa auf dem “Landweg” zu verbinden, überzeugt nicht nur Lloyd, sondern auch andere Großindustrielle. Hinter den Kulissen spielt außerdem Lloyds Tochter Ethel eine große Rolle. Sie verliebt sich in den Ingenieur und tut alles, um Mac Allen für sich zu gewinnen, obwohl er verheiratet ist. Mac Allans Frau Maud ist unzufrieden mit der sich anbahnenden Situation, denn Mac Allan lebt nur noch für den Tunnel und hat fast gar keine Zeit mehr für die Familie.
Mit der Leitung eines Atlantik-Tunnel-Syndikats wird die Börsenspekulantin Woolf betraut. Sie sorgt weltweit für ein regelrechtes Börsenfieber. Jeder, der es sich halbwegs leisten kann, erwirbt Anteile am Syndikat. Doch im siebten Baujahr ereignet sich 340 km vom amerikanischen Tunneleingang entfernt eine gewaltige Explosion. Tausende Arbeiter kommen ums Leben und das Syndikat gerät ins Wanken …

Wie man nun schon erlesen kann, ist dies kein einfaches Thema und man mag befürchten, dass dies ein schwermütiger Abend gewesen sein könnte. Doch ist genau das Gegenteil der Fall. Alle Creativen haben bewundernswert zusammengearbeitet um dem Publikum einen unvergesslichen Abend zu bescheren. trotz des recht schweren Themas ist es ihnen allen gelungen, aus dem Thema das Allerbeste herauszuholen. Wobei wir aber zugeben müssen, den Roman nicht gelesen zu haben.

Creativteam:
Roman: Bernhard Kellermann
Dialoge / Songtexte: Ewald Arenz
Inszenierung: Jean Renshaw
Musikalische Leitung: Thilo Wolf
Bühne / Videoinstallationen: Marc Jungreithmeier
Konzeption/Mediendesign der Projektionsflächen: Anne Chahine
Kostüme: Anna Ignatieva
Dramaturgie: Matthias Heilmann
Licht: Sebastian Carol

Schon bei den ersten Tönen der Ouvertüre nahm das Stück einen gefangen und fesselte bis zur Pause, welche überraschend schnell kam. Auch in der Pause hörte man die Zuschauer dieses Stück in den höchsten Tönen loben. Viele kamen aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Besonders beliebt beim Publikum waren Bettina Meske als Woolf und Oliver Frobe als Personal Trainer. Letzterer führte mit seine liebenswürdigen und mitreißenden Art in verschiedenen Rollen durch das Musical und steckte die Zuschauer mit seinem Lachen an. “Die große böse Woolf” aka Bettina Meske faszinierte durch ihr Schauspiel. Kalt und unantastbar, fast schon hassenswert spielte sie ihre Rolle und ging komplett darin auf.

Im Spiel von Alan Hodzovic erkannte man genau die Veränderung seines Charakter, ja seiner Besessenheit von diesem Tunnel, für den er über Leichen ging. Man fühlt auf der einen Seite mit ihm und versteht ihn, doch auf der anderen Seite möchte man ihn genauso anklagen, wie in einer Szene gezeigt. Für die Rolle seiner hübschen Frau Maud konnte man sich niemand anderen vorstellen als Caroline Kiesewetter. Sie verstand es, in die Rolle der vernachlässigten Frau zu schlüpfen und dennoch verlieh sie ihrer Rolle Glamour und Charrme. Vater und Tochter Lloyd waren um es mit einem Wort zu sagen: genial. Niemand anders hätte den reichen Daddy und die superreiche Tochter besser spielen können als Ansgar Schäfer und Antje Eckermann.

Hier sind noch einmal die Darsteller in Kurzform:
Mac Allan: Alen Hodzovic
Maud: Caroline Kiesewetter
Lloyd: Ansgar Schäfer
Ethel Lloyd: Antje Eckermann
Woolf: Bettina Meske
Personal Trainer: Oliver Frobe

Das Bühnenbild war einfach, aber genial, oder aber einfach genial. Mit Hilfe von Videoanimationen verwandelten sich die Türme in Geld, oder die Skyline New Yorks, oder in den Tunnel. Selbst wenn die Türme weiß blieben, war das Bühnenbild unheimlich wandelbar und passte sich wunderbar der jeweiligen Szene an.

Es war nicht verwunderlich, dass die Darsteller und die Creativen am Ende des Stückes tosenden Applaus erhielten und der Vorhang sich immer wieder öffnen musste. Das Fürther Publikum war mehr als begeistert und wollte dies den Darstellern und dem Orchester auch zeigen.

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Quelle: Christine Daaé

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1 Comment

  1. Edgar Ottenstein

    wir waren aus Rüsselsheim angereist um das Musical Der Tunnel zu sehen und waren begeistert ein Thema zu finden was in der heutigen Zeit wie auch vor 100 Jahren die gleiche Bedeutung hat.
    Ich bin 70 wenn man 20 Jahre abzieht bleiben 50 also die Mitte und mir hat der Text die Musik und die Songs gut gefallen in einem der schönsten Theater in denen ich war.

    Danke ich komme wieder

    Reply

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