Ich, Subjektiv: “Der nackte Wahnsinn” im Landestheater Coburg

Eine Farce über eine Farce ?… Nein. Eine Farce nach einer Farce ? … Oder doch eine Farce in einer Farce ? Und was ist eine  Farce überhaupt ?

Wikipedia sagt dazu: “Eine Farce ist eine Komödie, die das Ziel hat, die Zuschauer durch die Darstellung von unwahrscheinlichen oder extravaganten, aber häufig denkbaren Situationen, Verkleidungen und Verwechslungen zu unterhalten. Sprachlicher Humor inklusive Wortspielen und sexueller Anspielungen und ein schnelles Tempo, das im Verlaufe des Stückes noch schneller wird, und bewusste Absurdität oder Unsinn sind ebenfalls häufig in einer Farce zu finden.” – soweit die Definition einer Farce im Theater. Aha.

Oder aber besser vielleicht auch jene Definition: “eine Sache, die als wichtig dargestellt wird, im Verhältnis zu diesem Anspruch aber lächerlich wirkt.” – schon deutlicher.

Farct ist aber: lächerlich ist die Inszenierung in Coburg nun wirklich nicht. Also das Stück schon (soll es ja auch), aber nicht die Inszenierung.

Das Landestheater Coburg hat mal wieder mit einer Glanzleistung das Publikum begeistert, und so auch mich. Wobei ich zugeben muß, daß es eine Weile gedauert hat, bis mich das Geschehen auf der Bühne in den Bann gezogen hat. Die ersten 10 oder 15 Minuten fand ich das Geschehen unübersichtlich und sogar etwas langatmig. Aber dann ging es dafür so richtig los. Eine Pointe nach der anderen, die Sache mit den Sardinen war nun auch klar und das Tempo des Stückes riß mich mit. So muß eine Komödie sein: mitreißend und keine Zeit lassend, den trüben Gedanken des Alltags nachzuhängen (die man ja eigentlich sowieso an der Garderobe abgeben sollte).

Als dann wie aus dem Nichts der Pausenvorhang den Blick auf die Bühne versperrte und das Saallicht blendete, hatte ich mir nichts, dir nichts eine gute Stunde meines Lebens mit guter Unterhaltung zugebracht. Und es siegte die Gewissheit, daß die Zeit nach der Pause ebenso gut verbracht sein wird.

Die Gewissheit wurde nicht enttäuscht. Das Tempo zog noch mal an und während die Handlung des Stücks im Stück buchstäblich in den Hintergrund rückte, erschienen die Personen hinter den Rollen mehr und mehr im Rampenlicht. Während herrlich inszeniert und gespielt wurde, fragte ich mich insgeheim, wie es denn wirklich hinter der Bühne zugeht und schwelgte für einen kurzen Moment in der philosophischen Betrachtung der Clowns, die hinter ihren Masken weinen.

Viel zu schnell ging die vergnügliche Zeit vorbei und nur das Saallicht konnte die applaudierende Menge in das Foyer hinaus bewegen. Schön wars! Wirklich.

Auf der Heimfahrt, fragte ich mich selbst, wie oft ein jeder von uns im Büro, hinter der Verkaufstheke oder vor einer Horde Schüler die Maske aufsetzt, nur damit alles irgendwie läuft. Und so hat auch diese Komödie – wie so viele andere auch – dennoch einen ernsten Kern.

Quelle: Alexander Brock

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