Zwei Werke in einem – aus bekanntesten Opernhaus der Welt in die Welt

Die beiden Schwesterwerke „Jolanthe“ und „Der Nussknacker“ wurden seit ihrer Premiere nicht mehr zusammen aufgeführt. Während die Oper „Jolanthe“ beinahe in Vergessenheit geriet, blühte das Ballett „Der Nussknacker“ auf und ist von den Bühnen, besonders um die Weihnachtszeit, nicht mehr wegzudenken. Doch nun wurden die beiden Schwestern wiedervereint.

Im Pariser Palais Garnier feierte die Wiedervereinigung der beiden am 09.03.2016 seine erneute Premiere. Zuerst der Einakter „Jolanthe“, der dann nahtlos in das Ballett vom „Nussknacker“ überging. Für alle, die nicht in Paris live dabeisein konnten, gab es die Übertragung von „Klassik im Kino“. Diese Übertragungen sind wirklich eine tolle Idee, zumal sie in den Pausen während den Aufführungen den Zuschauer im Kino mit interessanten News und Fakten zu Stück und oder dem entsprechenden Opernhaus versorgen.

Das Palais Garnier hat einen ganz besonderen Ruf in der Welt, diesmal nicht durch die Geschichte um das berühmte Phantom der Oper, sondern als DIE Ballettoper. Und das Ensemble dieses Opernhauses war wirklich brillant. Anders kann man es einfach nicht schreiben. Jeder Schritt, jede Bewegung, alles saß.

Dmitri Tcherniakov hat fünf Choreografen eingeladen, an einer Neufassung dieses Balletts mitzuwirken: für die erste Szene am Heiligabend zeichnet sich Arthur Pita verantwortlich. Sidi Larbi Cherkaoui gestaltet die nächtliche Szene, in der die geheimnisvollen Verwandlungen stattfinden. Liam Scarlett choreografiert den Schneeflocken-Walzer und das Reich der Süßigkeiten und Edouard Lock ist für die Divertissements verantwortlich. Benjamin Millepied schließt dieses wundervolle Programm mit dem Blumenwalzer und dem berühmten Pas de Deux ab, den er selbst einmal in der Fassung von George Balanchine getanzt hat. Jeder dieser Choreografen hat seine eigene Sprache und die wird deutlich, und doch passen alle wunderbar zusammen.

Voran geht die Oper „Jolanthe“. Das eigentlich in der mittelalterlichen Provence angesiedelte symbolistische Märchen um eine blinde Königstochter, die durch die erste Liebe wieder sehend wird, schrumpfte zur Rarität. Erst in den letzten 20 Jahren haben es etwa Waleri Gergijew oder Anna Netrebko aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst. Im Palais Garnier wurde intensiv gespielt und vorzüglich gesungen. Sonya Yoncheva erblühte in der Titelrolle mit hellem Sopran im Schimmer amouröser Freuden. Den von ihr ertasteten Liebhaber Vaudémont gibt Arnold Rutkowski in seinem wundervollen Tenor. Alexander Tsymbalyuk ist mit herrlichem Bass Jolanthes Vater König René, Andrei Jilihovschi der baritonmarkante Robert. Selbst als Amme ist noch die einstige Edel-Carmen Elena Zaremba aufgeboten. Für die deutschen Kinos gab es die russische Oper mit deutschem Untertitel – was sehr hilfreich war.

Man wundert sich, dass die Bühne der Opera Garnier doch so klein erscheint während der Oper, doch wird dieses Rätsel sehr schnell gelöst und mit dem Beginn des Ballettes erkennt man die wahren Größe der Bühne. Und man erkennt auch das gelbbekleidete Mädchen wieder, welches sich als genau die Marie herausstellt, die Hauptprotagonistin im „Nussknacker“. Plötzlich ergibt auch alles einen Sinn, doch den verraten wir hier natürlich nicht.

Dieses Operballett-Erlebnis war wirklich unglaublich. Die Pariser Opera Garnier wurde ihrem Ruf mehr als gerecht. Und, mal so im Vertrauen, wir haben schon die nächsten Tickets für „Klassik im Kino“ gekauft.

Quelle: Christine Daaé

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