Rezension „Was ihr wollt“ am theater hof am 14.05.2016: Wer würde nicht alles für die Liebe tun?

Shakespeare kann man auf viele Weisen inszenieren. Seine Werke sind zeitlos, sie passen in jede Hülle, in jedes Kostüm und in jedes Bühnenbild. Und das Bühnenbild des theaters hof war, um es mal vorwegzunehmen: genial. Bei der Premiere von „Was ihr wollt“ am 14.05.2016 passte einfach alles zusammen: die Darsteller, das Bühnenbild, die Kostüme, die Farbe.

Das Stück handelt von der Liebe, und von dem, was die Liebe aus uns macht, oder von dem, was wir alles für die Liebe tun würden, oder auch nicht. Klar soweit? Nein? Macht nichts. Ist eben Shakespeare…

Hier nochmal der ausführliche Inhalt (übernommen vom theater hof):
Nach einem Schiffbruch rettet sich Viola an die Küste Illyriens. Ihr Zwillingsbruder treibt draußen auf See, sein Schicksal ist ungewiss. Ohne Schutz beschließt sie, sich als Mann zu verkleiden. Auf der Insel herrscht der Herzog Orsino, der unsterblich in die schöne Gräfin Olivia verliebt ist. Olivia ist allerdings ganz in der Trauer um ihren verstorbenen Bruder gefangen und weist alle Werbungen des Herzogs zurück. Doch dann erscheint der Jüngling Cesario als neuer Liebesbote im Dienst des Herzogs Orsino. Die Gräfin Olivia verliebt sich in Cesario, der in Wahrheit die verkleidete Viola ist. Viola ihrerseits ist für Orsino entflammt. Eine unauflösbare Verwirrung der Gefühle. Die durchleidet auch Malvolio, der Verwalter der Gräfin. Die Dienerschaft, die den humorlosen Frömmler hasst, gaukelt ihm die Liebe seiner Herrin vor. Ein Mann liebt eine Frau, die er noch nie gesehen hat. Eine Frau liebt einen Mann, der eigentlich ein Mädchen ist. Ein Mädchen liebt einen Mann, der glaubt, sie sei ein Mann. Ein anderer Mann glaubt, eine Frau liebe ihn, doch all das ist nur Einbildung. So lieben alle kreuz und quer, jeder den Falschen, der ihm als der Richtige erscheint…

Darsteller:
Orsino, Herzog von Illyrien :Jörn Bregenzer
Viola, später verkleidet als Cesario: Marina Schmitz
Sebastian, ihr Zwillingsbruder: Florian Bänsch
Olivia, eine Gräfin: Polina Bachmann
Maria, Olivias Mädchen und Vertraute: Julia Leinweber
Sir Toby Gulp, Olivias Onkel: Ralf Hocke
Sir Andrew Bibberback, Sir Tobys Kumpan: Oliver Hildebrandt
Malvolio, Olivias Butler und Hausmeister: Dominique Bals
Feste, bei Olivia angestellter Narr: Marco Stickel

Creativteam:
Inszenierung: Katharina Ramser
Bühne: Michael Böhler
Kostüme: Stefani Klie
Dramaturgie: Thomas Schindler
Regieassistenz: Ewelina Kukushkina
Abendspielleitung: Kristoffer Keudel
Inspizienz: Reinhard Steinert
Produktionsassistenz und Soufflage: Kayda Bryant
Regiehospitanz: Esra Karyagdi

Wie oben schon erwähnt, war es das Bühnenbild, was das Auge auf sich zog und zwar gewaltig. Es war so flexibel und so simpel und dennoch passte es in jede Situation und passte sich allem an. Es war einfach wunderbar har(minz)monisch. Und es schaffte es, den Zuschauer nach Illyrien zu entführen, aber auch am Ende des Stückes ihn wieder in die kalte und harte Wirklichkeit zurückzubringen, und das mit einem wahren Schlag. Oder man kann es in einem Wort zusammenfassen: genial! Aber das sagten wir bereits.

Die Darsteller auf der Bühne erstrahlten alle in einem bezaubernden minzgrün und passten sich in ihrem Spiel dem Bühnenbild an. Sie waren genial, sie gaben alles, sie entführten und verzauberten das Publikum. Unzählige Male kam man aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Oder aus dem Staunen.

Die Damen:
Marina Schmitz als Viola (und später als Cesario) ist neu am theater hof und wir hoffen sehr, dass dieser aufgeweckte Wirbelwind noch lange an diesem Theater bleibt. Sie ist eine wahre Bereicherung für die Bühne. Selten sah man eine so hübsche und gleichzeitig komische Gräfin Olivia, wie die von Polina Bachmann. Schon der erste Auftritt war der Hit und sie hatte das Publikum gewonnen. Julia Leinweber als Maria kann man nicht anders beschreiben als mit folgenden Worten: sie ist für die Bühne geboren.

Die Herren:
Jörn Bregenzer als Orsino, Herzog von Illyrien machte als unsterblich Verliebter in seinem Torrero-Kostüm eine beneidenswerte Figur, aber auch ohne das Kostüm war er durchaus ansehenswert. Florian Bänsch als Sebastian war zwar leider nur kurz auf der Bühne zu sehen, doch das reichte, um das Publikum von sich zu überzeugen. Schon allein Ralf Hockes Outfit sorgte für Lachsalven und sein Spiel ebenso. Er spielte den Sir Toby Gulp mit solch einer Hingabe und Begeisterung, man konnte nicht anders als sich immer wieder freuen, wenn er die Bühne betrat. Der erste, der auf die Bühne kam, war Oliver Hildebrandt in seiner Verkleidung als Sir Andrew Bibberback. Und da stand er erst einmal in seiner minzgrünen Rüstung. Man hätte mitzählen sollen, wie oft sein Visier hinunterfiel. Es war zum Schreien komisch. Der einzige, der in wahrer Shakespeare-Gewandung auftrat war Dominique Bals als Malvolio. Zwar auch in mintgrün, aber er hatte Strumpfhosen an und spielte den unglücklich Verliebten so herzig, dass man wirklich Mitleid mit ihm bekam. Zuguterletzt noch Mario Stickel als der Narr Feste. Er war derjenige, der quasi durch das Stück führte und meine Damen glauben Sie mir eines: für seine Beine würden wir Frauen morden. Er sieht wirklich unheimlich gut aus im Rock und als er auch noch sein mintgrünes Shirt auszog um zu singen, da johlte so manche Lady im Publikum.

Man kann nur eines noch sagen: wer einen unvergeßlichen Abend erleben möchte, wer lachen möchte, wer einfach mal den Alltag vergessen möchte, dem sei dieses Stück ans Herz gelegt. Shakespeare meets Jim Steinman.

Weitere Termine:
28.05.2016, 19.30 Uhr
29.05.2016, 19.30 Uhr
08.06.2016, 19.30 Uhr
10.06.2016, 19.30 Uhr
17.06.2016, 11.00 Uhr
18.06.2016, 19.30 Uhr

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Quelle: Christine Daaé

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