Rezension „Sunset Boulevard“ in Röttingen am 14.07.2016: Was für eine Diva!

Bei bestem Open Air Wetter begrüßte Norma Desmond (Daniela Ziegler) ihre Fangemeinde auf ihrer Burg Brattenstein zu einer Premiere, die so schnell keiner vergessen wird. Das Flaggschiff des dramatischen Musicals „Sunset Boulevard“ rief und alle folgten seinem Ruf. „Sunset Boulevard“ lebt oder auch stirbt durch seine Darsteller, und diese Inszenierung wird ewig leben. Zu Recht gab es am Ende Standing Ovations. Doch lassen Sie uns nicht vorgreifen.

Wie immer um 20:30 begann die Aufführung, nicht mehr ganz hell, aber auch noch nicht ganz dunkel, wie passend zum Stück, welches schon mit einer Leiche und einer Affenbeerdigung beginnt. Und je dunkler der Abend wurde, umso dunkler wurde auch das Stück und mit ihm seine Hauptdarstellerin.

Daniela Ziegler als Norma Desmond
Das Stück lebt und fällt mit der Rolle der Norma Desmond. Mit Daniela Ziegler wurde die ideale Norma Desmond erschaffen. Sie spielte und sang mit einer solchen Leichtigkeit die schweren Stellen und Arien, es war bewundernswert. Schon allein ihr erster Auftritt (mit ihrem toten Haustier), rührte zu Tränen. Jede Note saß perfekt und war dennoch so leicht, nichts wirkte gepresst oder aufgesetzt. Es war eine wahre Augen- und Ohrenweide dieser Koryphäe zuzusehen und -hören.

Aris Sas als Joe Gills
Auch für die Rolle des Joe Gills erschien er die Idealbesetzung. Sein Spiel war so voller Pfiff und Charm und dennoch mit dem nötigen Ernst und der Energie, sich einer Norma Desmond zu widersetzen. Seine Szenen mit Abla Alaoui als Betty Schaefer waren so zärtlich und man fühlte praktisch den Funken, der zwischen den beiden Charakteren übersprang.

Martin Berger als Max von Mayerling
Der Mann, der die wohl emotional schwerste Rolle in diesem Stück hatte. Welcher Mann würde wohl als Butler bei seiner ehemaligen Gattin bleiben und so stoisch mit ansehen, wie sie sich Hals über Kopf in ihr Unglück stürzt? Und dennoch war er es die ganze Zeit, der sie von Herzen liebte und vor allem zu beschützen versuchte, besonders versuchte er ihr Comeback wieder in Gang zu bringen. Mal ganz ehrlich, welcher Mann würde das machen. Niemand, außer Max von Mayerling, gespielt von Martin Berger. Und dafür liebte ihn das Publikum besonders.

Abla Alaoui als Betty Schaefer
Dieser bezaubernde Wirbelwind spielte sich von der ersten Sekunde in die Herzen der Zuschauer in Röttingen. Und nicht nur deren Herzen eroberte sie im Sturm, sondern auch das von Joe Gills. Man merkte richtig wie es zwischen den beiden funkte und wie sich ihre Beziehung änderte. Man konnte es ihn ihren Augen sehen. Es war wundervoll, dieser jungen Dame auf der Bühne zusehen zu dürfen.

Thomas Smolej als Artie Green
Joe Gills bester Freund Artie Green und leider auch der Verlobte von Betty Schaefer. Dieser Mann tat einem schon ein wenig leid und durch das wunderbare Spiel von Thomas Smolej noch ein wenig mehr, da er wirklich in seiner Rolle überzeugte und alles gab.

Klaus Herdel als Sheldrake und Cecil B. de Mille
Er spielte seine beiden Rollen so wunderbar überzeugend und leicht, dass man wirklich glauben wollte, vor einem stand ein Filmregisseur oder Produzent aus den 1920ern. Sein Verhalten Norma Desmond gegenüber und dann wieder zu seinen Angestellten war so herrlich gegensätzlich und so wundervoll aufgesetzt, dass man sich ein Lachen nicht verkneifen konnte.

Ensemble und Extra-Ensemble
Kilian Berger, Sarah Est, Laura-Luisa Hat, Ruth Hausensteiner, Fran Loman, Johannes Nepomuk, Teresa Ziegler, Esther Brönner, Jochen Frankl, Nicole-Reissmann-Balling

Sie alle lebten ihre Rollen und spielten und sangen mit solchem Elan und solcher Hingabe, daß man mit einem jeden von ihnen mitfieberte, mitlachte aber auch mitweinte. Das Ensemble der Frankenfestspiele ist wirklich ein ganz Besonderes. Jeder ist mit seinem Herzblut dabei und genau das merkt man auch. Es ist ehrlich und wärmt das Herz und die Seele.

Natürlich wird bei den Frankenfestspielen live gespielt. Auch wenn man das Orchester nicht sieht, es ist dennoch da und unterstützt die Künstler auf der Bühne mit ihrem Spiel, so daß alles ein richtig rundes und wundervolles Erlebnis wird.

Und wie schon geschrieben, es gab zu Recht Standing Ovations und Begeisterungsrufe. Dieser Sommer wird in die Geschichte der Frankenfestspiele eingehen.

Quelle: Christine Daaé

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